Motorsport Formel1
FIA spricht Mclaren vom Spionagevorwurf frei

Bei Mclaren-Mercedes kann man durchatmen. Ein möglicher Punktabzug in der laufenden Formel-1-WM ist vom Tisch, nachdem der Automobil-Weltverband FIA den Rennstall vom Vorwurf der Spionage freigesprochen hat.

Freispruch ja, aber das Damoklesschwert des WM-Ausschlusses schwebt immer noch über Mclaren-Mercedes, nachdem das Formel-1-Team nach fünfstündiger Anhörung vom World Council des Automobil-Weltverbandes FIA am Donnerstag in Paris vom Verdacht der Spionage freigesprochen worden ist. Bei einem Schuldspruch hätte dem englisch-schwäbischen Rennstall schlimmstenfalls sogar ein massiver Punktabzug in der Team- und Fahrer-WM gedroht. Das Urteil ist aber mit einer Warnung verknüpft. Sollte sich doch noch herausstellen, dass sich Mclaren-Mercedes durch geheime Ferrari-Dokumente in dieser Saison einen Wettbewerbsvorteil verschafft hat, droht der WM-Ausschluss für 2007 und 2008.

Dennis: "Strafe entspricht dem Vergehen"

Weil es nicht zu bewiesen war, dass Mclaren-Mercedes mit dem Wissen aus vertraulichen Daten des großen Rivalen Ferrari die WM in dieser Saison beeinflusst hat, blieb das Team trotz des Besitzes der Informationen straffrei. "Die Strafe entspricht dem Vergehen", kommentierte Mclaren-Chef Ron Dennis das Urteil, als er um 15:47 Uhr das FIA-Hauptquartier am Place de la Concorde in Paris verließ. Weitere Aussagen wollte der Brite zunächst nicht machen.

Laut der Pressemitteilung der FIA war bereits der Besitz der vom früheren Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney an den ehemaligen Mclaren-Chefdesigner Mike Coughlan geschickten Informationen ein Bruch des Artikels 151c des Internationalen Sporting Code, eine Handlung "gegen das Ansehen des Sports".

Durch die FIA-Entscheidung ist ein drohender Punktabzug für das Team von WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (Großbritannien/70 Punkte) und des zweitplatzierten Titelverteidigers Fernando Alonso (Spanien/68) vom Tisch. Eine der spannendsten WM-Entscheidungen seit Jahren wird demnach weiter auf der Strecke ausgetragen. Ferrari-Pilot Felipe Massa (Brasilien) liegt als Dritter (59) lediglich elf Punkte hinter Shooting-Star Hamilton.

Keine Beweise für Nutzung der Informationen

Dennis hatte schon vor der Anhörung immer deutlich betont, dass die Nutzung von geistigem Gedankengut eines Konkurrenten für sein Team nicht in Frage käme. Den FIA-Funktionären hatte Mclaren eine umfangreichen Dokumentation aller Vorgänge vorgelegt. Zudem soll eine Untersuchung des Silberpfeils durch den Technischen Delegierten der FIA, Charlie Whiting, keine Anzeichen dafür gebracht haben, dass dort Ferrari-Ideengut umgesetzt wurde.

Für Mclaren war es schon der zweite Sieg am grünen Tisch in nur zwei Monaten. Nach dem Großen Preis von Monaco hatte die FIA eine Untersuchung wegen einer angeblichen Teamorder eingeleitet, das Team aber kurze Zeit später von allen Vorwürfen entlastet.

Für Ferrari dagegen bedeutet der Spruch des 26-köpfigen FIA-Gremiums einen Rückschlag. Ausgelöst hatte die ganze Affäre der einstige Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney (England), der zu Beginn des Jahres von den "Roten" ins Testteam versetzt worden war, nachdem er sich mit Abwanderungsgedanken getragen hatte.

Stepney soll daraufhin geheime Daten, die insgesamt 780 Seiten umfassen, an seinen Freund Coughlan geschickt haben. Dessen Frau war aber beim Kopieren in einem Copy-Shop erwischt worden. Mclaren hatte immer darauf verwiesen, dass bis zu Coughlans Entlassung am 3. Juli kein Mclaren-Mitarbeiter von diesen Daten gewusst habe.

Gerichtsverfahren gegen Stepney

Um 9.30 Uhr hatte die Anhörung im FIA-Hauptquartier am Place de la Concorde acht am Morgen begonnen. Bei seiner Ankunft hatte Dennis umringt von Kamerateams und Reportern Zuversicht verbreitet. "Das Einzige, woran wir interessiert sind, ist die Wahrheit", hatte Dennis gesagt.

Ferrari-Generaldirektor Jean Todt, der um 9.16 Uhr kommentarlos das Gebäude betrat, war als Vertreter der Formel-1-Teams Mitglied des 26-köpfigen Gremiums. Er nahm an der Anhörung teil, stimmte als Betroffener aber nicht mit ab.

Gegen Stepney, der alle Vorwürfe zurückweist, läuft in Italien ein Gerichtsverfahren wegen Spionage, Verbreitung industrieller Geheimnisse und Sabotage. Beim Großen Preis von Monaco soll er ein Düngemittel in die Benzintanks der Boliden von Massa und Kimi Räikkönen (Ferrari) geschüttet haben. Im drohen bis zu vier Jahre Haft.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%