Motorsport Formel1
FIA vertagt Entscheidung über Berufung auf Freitag

Die FIA hat die Entscheidung über die Berufung von Mclaren-Mercedes gegen den Ausgang des letzten Saisonrennens auf Freitag verschoben. Damit muss Kimi Räikkönen weiter auf die Bestätigung seines WM-Titels warten.

Das Warten auf die offizielle Bestätigung seines WM-Titels geht für Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen noch einen Tag weiter. Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA wird seine Entscheidung über die Berufung von Mclaren-Mercedes gegen den Ausgang des letzten Rennens der Saison in Sao Paulo erst am Freitagnachmittag und damit 26 Tage nach der letzten Zielflagge in Paris verkünden.

Für Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen bedeutet dies eine weitere Nacht mit der Unwissenheit, ob er seinen ersten Titel vielleicht doch noch an "Silberpfeil"-Pilot Lewis Hamilton verliert. Wie diesmal hatten sich die Richter schon früher häufiger in ähnlichen Fällen über Nacht noch zu Beratungen zurückgezogen.

Nach der vierstündigen Anhörung am Donnerstag in London, in der vor allem Ferrari-Anwalt Nigel Tozzi deutliche Worte fand, spricht jedoch vieles dafür, dass der Finne die WM-Krone behalten wird. Denn bei der Verhandlung wurden vor allem zwei Punkte deutlich, wegen denen neben Tozzi auch BMW-Sauber-Anwalt Ian Mill und Williams-Vertreter John Healey die Abweisung der Berufung gefordert hatten: Zum einen das Problem korrekter Temperaturmessungen und zum anderen ein möglicher Verfahrensfehler von Mclaren-Mercedes.

Die "Silberpfeile" hätten formal gegen das Rennergebnis protestieren müssen und nicht gegen die Entscheidung der Kommissare in Berufung gehen dürfen, weil sie nicht direkt an diesem Fall beteiligt gewesen seien, meinten die Juristen. Mclaren-Anwalt Ian Mill hatte dagegen in seinem 79-minütigen Eröffnungs-Plädoyer unter anderem ausgeführt, dass dieses Vorgehen so von den Rennkommissaren in Sao Paulo vorgegeben und angenommen worden sei.

"Mclaren hätte direkt gegen das Rennergebnis protestieren müssen"

Rechtsanwalt Tozzi legte sich besonders für Räikkönen ins Zeug. "Mclaren hätte direkt gegen das Rennergebnis protestieren müssen. Dass sie das nicht gemacht haben, war ein Fehler, und liefert einen guten Grund, Hamilton nicht mehr vorzuziehen", sagte Tozzi: "Das ist nicht der Weg, wie eine Formel-1-WM gewonnen werden sollte."

Zumal auch Hamilton selbst, Mercedes-Sportchef Norbert Haug und der bei der Verhandlung anwesende Mclaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh mehrfach erklärt hätten, sie wollten nur eine Klärung der Angelegenheit und nicht den nachträglichen Titelgewinn. "Falls sie jetzt doch noch durch die Hintertür zum Titel wollten, könnte man fast glauben, sie seien schamlose Heuchler ohne jede Integrität," sagte Tozzi.

In seinem Schlusswort führte er weiter aus: "Es würde den Sport schwer beschädigen, wenn die Fans das Gefühl bekämen, dass die WM durch Manöver von Anwälten und nicht im Kampf auf der Strecke entschieden würde. Wie Hamilton selbst meinte, sollte die WM auf der Rennstrecke und nicht im Gerichtssaal vergeben werden."

Die "Silberpfeile" hatten das Berufungsgericht angerufen, nachdem die Rennkommissare des Großen Preises von Brasilien am 22. Oktober in Sao Paulo die Williams-Toyota-Piloten Nico Rosberg (Wiesbaden/Platz 4) und Kazuki Nakajima (Japan/Platz 10) sowie das BMW-Sauber-Duo Robert Kubica (Polen/Platz 5) und Nick Heidfeld (Mönchengladbach/Platz 6) nicht disqualifiziert hatten, obwohl die von der FIA gemessene Benzintemperatur ihrer Autos zwischen zwei und vier Grad Celsius unterhalb des erlaubten Grenzwertes gelegen hatte. Ein Ausschluss von mindestens zwei vor dem auf Rang sieben gelandeten Lewis Hamilton (Mclaren-Mercedes) platzierten Fahrern und dessen Nachrücken würde den 22 Jahre alten Briten nachträglich noch zum Weltmeister machen.

Temperaturabweichung von fünf Grad Celsius

In der Verhandlung wurde vom Technischen FIA-Delegierten Charlie Whiting bestätigt, dass die fraglichen zu niedrigen Temperaturen in der Tankanlage und nicht wie eigentlich von der Regel verlangt im Auto selbst gemessen wurden. "Das ist die nächste Temperatur, die wir bekommen können", sagte Whiting, der zudem eine Temperaturabweichung von fünf Grad Celsius zwischen den auf den Ergebnis-Monitoren der Formula One Management (FOM) angezeigten (38 Grad) und der vom offiziellen Wetterdienst Meteo France angegebenen Werten (33 Grad) einräumte.

Messungen von Williams direkt im Tank hätten nach Aussage der Anwälte zudem ergeben, dass die Temperatur in Nico Rosbergs Auto zu keiner Zeit unter 31 Grad und damit innerhalb der Toleranz von zehn Grad unter der Außentemperatur gelegen hätten. Sowohl Williams als auch BMW-Sauber vertraten die Ansicht, dass sie keinen Regelverstoß begangen hätten.

Ein FIA-Anwalt erklärte abschließend, dass seiner Meinung nach die Entscheidung der Kommissare bestätigt werden sollte und falls doch noch Disqualifikationen ausgesprochen würden, Hamilton nicht nach vorne rücken sollte. Das wäre nach Artikel 168 des International Sporting Code der FIA nämlich möglich.

© SID

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