Motorsport Formel1
Fisichella färbt Italien in Ferrari-Rot

Ein Land sieht Rot: Die Vorfreude der Tifosi vor dem Debüt von Giancarlo Fisichella im Ferrari beim Heimspiel in Monza ist überschwänglich.

Er ist noch keinen einzigen Meter mit der "Roten Göttin" gefahren - dennoch hat Giancarlo Fisichella die Herzen der Italiener im Sturm erobert. Schon auf der Fahrt nach Monza durch kleine Dörfer und triste Vororte der Metropole Mailand herrscht Alarmstufe Rot.

Ferrari-Fahnen hängen aus den Fenstern der alten Häuser, Kinder tragen "Fisicho"-T-Shirts. "Fisichella ist einer von uns. Wir sind sehr stolz, dass wieder ein Italiener in Monza einen Ferrari fährt", sagt der 64-jährige Eduardo, Restaurantbesitzer in Medolago in der Nähe Bergamos.

Stolz des ganzen Landes

Nicht auszudenken, wenn Fisichella in seinem ersten Rennen für Ferrari am Sonntag (14 Uhr/live bei RTL und Sky) beim Großen Preis von Italien auf dem Podest stehen sollte. Die rote Party wäre wohl einzigartig, denn Ferrari ist hier mehr als ein Formel-1-Team, die Scuderia ist der Stolz eines ganzen Landes.

"Ein Sieg in Monza wäre ein Lebenshöhepunkt", sagt Fisichella etwas verlegen. Man merkt, dass der riesige Rummel dem 36-Jährigen irgendwie etwas peinlich ist. Der Römer, der beim Force-India-Team bislang eher ruhige Tage verlebte, ist über Nacht in seiner Heimat zum Star geworden.

Fisicho hier, Fisicho da, Fisicho überall. Fünf Rennen darf der neue Liebling der Tifosi im Mittelpunkt stehen, dann soll er wieder das rote Cockpit räumen - für den dann vielleicht wiedergenesenen Felipe Massa (Brasilien) oder den neuen Ferrari-Trumpf Fernando Alonso (Spanien).

Fisichella mit der Erfahrung aus 225 Grand Prix

Fisichella versucht, kühlen Kopf zu behalten und sich von dem Ferrari-Fieber nicht anstecken zu lassen. "Ich bleibe auf dem Boden, egal, was passiert. Mein Ziel ist, so viele Punkte wie möglich zu holen und dem Team dadurch zu helfen, Platz drei zu verteidigen", sagt er bescheiden. Dabei blickt er auf die Erfahrung von 225 Grand Prix zurück. Von den aktuellen Piloten hat nur der ewige Rubens Barrichello (Brasilien/280) mehr Rennen auf dem Buckel.

Dass Fisichella ein Formel-1-Auto schnell bewegen kann, hat er beim letzten Rennen in Spa bewiesen, wo er hinter seinem künftigen Teamkollegen Kimi Räikkönen (Finnland) den zweiten Platz belegte. Bei Ferrari löst er Michael Schumachers erfolglosen "Fahrschüler" Luca Badoer ab. Der ist zwar auch Italiener, doch wer zweimal so hoffnungslos in einem Ferrari hinterherfährt wie Badoer, der hat schnell jeglichen Kredit bei den rennverrückten Tifosi verspielt.

Vorbereitung nur im Simulator

Fisichella betont, dass er seine Karriere als Rennfahrer nach dem Saisonfinale am 1. November in Abu Dhabi beenden wird. Danach will er nur noch als Ersatzfahrer für den Traditionsrennstall aus Maranello arbeiten. Sollte er allerdings nur ein einziges Rennen, vielleicht sogar das in Monza gewinnen, ist nicht auszuschließen, dass "Fisicho" noch ein Jahr dranhängen muss. Die Aufgabe ist knifflig, vorbereitet hat sich Fisichella nämlich nur mit einer Serie von Tests im Simulator.

Der letzte Italiener, der das Heimrennen in Monza im Ferrari bestritt, war Ivan Capelli 1992, er schied damals aber aus. Der letzte Ferrari-Triumph eines Italieners in Monza liegt bereits 43 Jahre zurück: Am 4. September 1966 siegte ein gewisser Ludovico Scarfiotti. Zuvor war dieses Kunststück nur dem legendären Alberto Ascari 1951 und 1952 gelungen.

© SID

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