Motorsport Formel1
Formel-1-Konkurrenz gegen Renault-Paket chancenlos

Fernando Alonso und Renault beherrschen die Formel 1 nach Belieben: "Die anderen machen halt einen besseren Job", respektiert der Rekordweltmeister Michael Schumacher die Leistung der Franzosen in Kanada.

Es sah fast schon wie eine Gratulation zum erneuten Weltmeistertitel aus, als Michael Schumacher seinem Erzrivalen Fernando Alonso auf dem Siegerpodest von Montreal die Hand schüttelte. Zwar gab der chancenlose Ferrari-Pilot vor dem Abflug zu drei freien Tagen mit seinen Freunden vor dem US-Grand-Prix brav Durchhalteparolen aus, aber seinen achten Titel kann er mit stolzen 25 Punkten Rückstand auf den eiskalten Spanier getrost abschreiben. Alonso raubte ihm mit dem vierten Sieg in Folge zudem seinen Halbzeit-Rekord.

"Natürlich könnten wir mehr Spaß haben, wenn wir gewinnen, aber die anderen machen halt einen besseren Job", meinte der nur mit Glück auf Platz zwei gefahrene Schumacher kleinlaut: "Für die zweite Saisonhälfte ist unsere einzige Chance die Devise Attacke. Wir geben nicht auf, es gibt noch 90 Punkte zu holen." Kämpferische Worte, an die nach dem erneuten "Alonsolo" des Siegers von Start bis Ziel aber nicht einmal mehr das eigene Ferrari-Lager so recht glauben wollte. "Wir versuchen alles, aber das Renault-Paket scheint momentan unschlagbar zu sein. Und das liegt nicht nur an den Reifen", sagte Adrian Atkinson vom Reifenpartner Bridgestone dem sid.

Diese Aussage zeigte feine Haarrisse im Schumacher-Team, denn der 37 Jahre alte Pilot hatte zuvor die rutschigen Pneus als Hauptgrund für seine erneute Pleite ausgemacht. Mit Blick auf das Rennen in Indianapolis am kommenden Sonntag - dort haben Alonso und sein Reifenpartner Michelin noch nie gewonnen - meinte Schumacher: "Das Auto ist in Ordnung. Alles hängt von der Reifensituation ab."

Eigentlich kann Schumacher aber nur noch ein Wunder helfen, denn einen ähnlich großen Rückstand holte in der WM-Geschichte nur der Brite James Hunt vor 30 Jahren auf. Damals konnte Spitzenreiter Niki Lauda allerdings nach einem Unfall nicht mehr starten. An eine derartige Aufholjagd glaubt aber selbst die italienische Presse nicht mehr. "Formel Alonso, er ist der Herr der WM", schreibt die römische Zeitung La Repubblica.

Alonso scheint in der Tat unverwundbar - in Montreal fuhr er zum 15. Mal in Folge aufs Podest, mit der Bilanz von sechs Siegen und drei zweiten Plätzen in der ersten Saisonhälfte brach der 24-Jährige zudem Schumachers Halbzeit-Bestmarke aus dem Jahr 2002 (82). Es soll nur der erste Rekord sein, den er seinem Vorgänger abgenommen hat: "Es läuft perfekt. Wir hatten ein neues Paket für Kanada und wir werden bei den folgenden Rennen noch weitere Verbesserungen haben, die uns noch schneller machen. Wir werden weiter attackieren und gewinnen."

Die Formel-1-Szene verneigt sich bereits vor dem alten und wohl auch neuen Champion. "Es gibt kein Duell. Alonso ist eine Klasse für sich", meinte der einstige Ferrari-Pilot Gerhard Berger. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug lobte den ab 2007 im Silberpfeil fahrenden Alonso: "Der Junge beeindruckt mit seiner Konstanz in der Formel 1 doch alle." Das spanische Blatt Marca läutete in Anlehnung an Ludwig XIV. sogar eine neue Epoche ein: "Alonso der Sonnenkönig. Der Absolutismus hat in der Formel 1 Einzug gehalten. Alonso regiert ohne Wenn und Aber."

Den WM-Kampf hat auch die Marke mit dem Stern längst aufgegeben. Deshalb war es dem Alonso zumindest zeitweise gewachsenen Kimi Räikkönen auch ziemlich wurscht, dass er nach einem Fehler in der vorletzten Runde den bis dahin völlig chancenlosen Schumacher noch vorbeiziehen lassen musste: "Ob Zweiter oder Dritter ist doch egal, wir kämpfen doch sowieso nicht mehr um die WM." Die scheint längst an Alonso vergeben.

© SID

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