Motorsport Formel1
Formel-1-Zirkus schwärmt von Singapur

Bereits nach dem ersten Training der Nacht-Premiere in Singapur überschlägt sich der gesamte Formel-1-Zirkus vor Begeisterung. "Ein Meilenstein", so Mercedes-Sportchef Haug.

Die schnellsten Nachtschwärmer der Welt haben in Singapur ihre Fans auf Anhieb begeistert. Gleich das erste freie Training unter Flutlicht für die Nacht-Premiere der Formel 1 am Sonntag hat alle Erwartungen übertroffen. "Ein Meilenstein in der Geschichte der Formel 1 - ohne Zweifel", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Ich finde Singapur liefert auf Anhieb die atmosphärisch besten Formel-1-Bilder, die die Welt je gesehen hat."

In einem gleißend hellen Lichtband schlängelt sich die Strecke durch die nächtliche Skyline der asiatischen Millionen-Metropole. Die einzigartige Atmosphäre des 800. Rennens der Formel-1-Geschichte zog auch gleich die Fahrer in ihren Bann. "Es macht hier sehr viel Spaß. Das ist mehr ein Stadtkurs als Valencia und noch herausfordernder", meinte BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld: "Das Licht ist das kleinste Problem. Nach ein paar Runden fällt es nicht mehr auf, dass es Nacht ist." Sein Chef Mario Theissen sprach von einem "spektakulären Umfeld".

Williams-Pilot Nico Rosberg, im ersten Durchgang als Sechster vor Heidfeld (8.) und Monza-Sieger Sebastian Vettel (11.) bester Deutscher, erklärte: "Es macht eine Menge Spaß, hier zu fahren. Es ist ein bisschen schwieriger, etwas zu sehen, aber das ist kein Problem. Aber die Strecke ist so wellig, da bekommen wir sicher Kopfschmerzen."

Hamilton: "Spektakuläre Atmosphäre"

Keine Sichtprobleme vermeldete auch der britische WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton im Mclaren-Mercedes: "Es ist eine großartige und spektakuläre Atmosphäre. Ich habe einen guten ersten Eindruck von der Strecke. Sie ist wellig, bietet aber guten Grip."

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der ausnahmsweise sogar während des Trainings durch die Boxengasse schlenderte, durfte sich zufrieden die Hände reiben. "Ich bin gespannt darauf, wie es im Fernsehen aussieht. Deswegen haben wir es ja gemacht", hatte er noch kurz vor der ersten nächtlichen Ausfahrt der "Königsklasse" gesagt. Nachtrennen seien die Zukunft der Formel 1, meinte der 77 Jahre alte Brite: "Da, wo es nötig ist, wie in diesem Teil der Welt. Ganz sicher."

Der Start des ersten Rennens im Stadtstaat ist am Sonntag um 20.00 Uhr Ortszeit, so dass der 15. von 18 WM-Läufen in Mitteleuropa wie gewohnt um 14.00 Uhr im Fernsehen zu sehen ist (live bei Premiere und RTL). Die Strecke wird von 1 500 Lampen taghell ausgeleuchtet, viermal so hell wie in einem Fußballstadion.

"Es wird sehr eindrücklich und ein ganz neues Erlebnis sein, mittags um zwei in Deutschland im Fernsehen ein Formel-1-Rennen mitten in der Nacht live zu beobachten", meinte Haug, der sich für die Zukunft aber weiter eine gesunde Mischung wünscht: "Es wäre sicher falsch, jetzt nur noch nach Nachtrennen zu rufen."

Zumal auch in Singapur eine Frage noch offen ist: Was passiert, wenn es - wie so nah am Äquator durchaus möglich - regnet? Dann könnte sich in der nassen Strecke das Flutlicht spiegeln und die Fahrer irritieren. Am Freitagmorgen hatte in Singapur noch ein heftiger Wolkenbruch für teilweise überflutete Straßen gesorgt. Auch für das Wochenende sind Gewitter vorhergesagt, die Regenwahrscheinlichkeit wird mit bis zu 50 Prozent angegeben.

Erste Nacht-Bestzeit geht an Hamilton

Die erste Nacht-Bestzeit der "Königsklasse" sicherte sich Hamilton im Mclaren-Mercedes in 1:45,518 Minuten vor seinem schärfsten Titelkonkurrenten Felipe Massa aus Brasilien im Ferrari (1:45,598), der in der Gesamtwertung nur einen Punkt Rückstand hat (77:78).

Toyota-Pilot Timo Glock, der während seiner Zeit in der US-Cart-Serie im Oval von Las Vegas schon einmal nachts gefahren ist, hatte zu Beginn des Trainings als erster Fahrer mit mehreren schnellen Runden am Stück die Zuschauer unterhalten und landete am Ende vorerst auf Platz 13.

© SID

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