Motorsport Formel1
Fota plant Konkurrenzserie - Formel 1 vor Spaltung

Der Formel 1 droht mehr denn je die Spaltung: Nach einer Sitzung in der Nacht zu Freitag gaben acht Rennställe der Teamvereinigung Fota die Planung einer Konkurrenzserie bekannt.

Spaltung statt Einigung, Totalschaden statt rettender Reparatur: Mitternacht war gerade vorbei, da begann eine neue Zeitrechnung in der Formel 1. Als sich FIA-Präsident Max Mosley in London vermutlich bereits zu Bett begeben hatte, verkündeten die Rebellen um den Anführer Ferrari nach einem Sitzungs-Marathon das Ende der Formel 1 in der jetzigen Form. Acht Rennställe der Teamvereinigung Fota verlassen die Formel 1 und gründen eine eigene Rennserie. Damit beklagt die ruhmreiche Weltmeisterschaft ausgerechnet am Ort ihres ersten WM-Laufs in Silverstone (13. Mai 1950) einen Totalschaden.

"Die Serie wird eine transparente Führungsstruktur und ein einheitliches Regelwerk haben. Sie wird Neueinsteiger ermutigen, auf die Wünsche der Fans hören und die Kartenpreise reduzieren. Die besten Fahrer, größten Stars, Sponsoren und alle Rennställe, die dem Motorsport auf höchstem Niveau historisch verbunden sind, werden teilnehmen", teilte die Fota mit. Unterzeichner der Erklärung sind BMW-Sauber, Brawn, Ferrari, Mclaren-Mercedes, Red Bull, Renault, Toro Rosso und Toyota.

FIA lässt sich kaum beeindrucken

Der Automobil-Weltverband FIA machte die ohnehin leise Hoffnung auf einen Last-Minute-Kompromiss mit einer harschen Reaktion sofort zunichte. "Die FIA ist enttäuscht, aber nicht überrascht von der Unfähigkeit der Fota, einen Kompromiss im besten Sinne des Sports zu erreichen. Die FIA kann weder ein finanzielles Wettrüsten zulassen noch der Fota erlauben, die Regeln zu diktieren", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Damit ist ein Formel-1-Frieden in weite Ferne gerückt.

Die FIA hatte BMW-Sauber, Brawn, Mclaren-Mercedes, Renault und Toyota aufgefordert, ihre an die Einschreibung für 2010 geknüpften Bedingungen bis Freitagabend 19.00 Uhr Mesz zurückzuziehen. Ferrari, Red Bull und Toro Rosso waren von der FIA gegen ihren Willen ohne Bedingungen auf die Liste gesetzt worden. Jetzt zogen die acht Fota-Teams die Einschreibung formal zurück. Damit stehen von den ursprünglich 13 genannten Teams 2010 nur noch fünf zur Verfügung: Williams und Force India, die sich ohne Bedingungen eingeschrieben hatten, sowie die drei Neulinge Campos, Manor und Usf1.

Die bisherige Formel-1-WM verkommt damit zu einer Garagenserie, denn die Top-Fahrer wie Weltmeister Lewis Hamilton, Fernando Alonso und die Ferrari-Stars Kimi Räikkönen und Felipe Massa werden ihren Arbeitgebern in die "Piratenserie" folgen. "Ich stehe bei meinem Team unter Vertrag und werde gehen, wohin sie gehen. So ist das eben. Das gilt für alle Fahrer", sagt Hamilton.

Der größte Verlierer im Machtpoker ist allerdings nicht Mosley, sondern Formel-1-Promotor Bernie Ecclestone. Dem Briten brechen mit seiner Vermarktungsfirma CVC 80 Prozent der Geschäftsgrundlage weg, das bedeutet nach vorsichtigen Schätzungen 1,5 bis 1,8 Mrd. Euro.

Der Formel 1 droht jetzt eine Prozesslawine, denn langfristige Verträge, beispielsweise mit den Fernsehanstalten, Rennstrecken und Sponsoren, werden durch die Spaltung ausgehebelt. Doch es gibt immer noch ein Fünkchen Hoffnung. "Ich glaube, dass die Ankündigung zu einem Kompromiss führen muss und auch wird", sagte der ehemalige Formel-1-Rennfahrer und RTL-Experte Christian Danner dem SID.

Der Münchner macht der Fota schwere Vorwürfe: "Es geht einfach nicht, dass man die Sporthoheit ad absurdum führt, nur weil einem etwas nicht passt." Der Hauptschuldige an dem Dilemma ist in Danners Augen Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo: "Er allein hat diese Eskalation zu verantworten."

Lauda schimpft über "Riesenblödsinn"

Danners RTL-Kollege Niki Lauda gibt dagegen der FIA die Schuld. "Das ist ein Riesenblödsinn, der gerade passiert. Die FIA war nicht gesprächsbereit. Im Endeffekt wollen doch alle das gleiche, auch die Teams müssen sparen. Aber man stolpert im Detail und kann sich nicht auf eine Linie einigen", sagte der dreimalige Weltmeister in n-tv. Der Österreicher hofft allerdings, "dass das Säbelrasseln der Fota dazu führt, dass man mit Mosley einen Kompromiss findet".

Alternativrennstrecken für die neue Serie gebe es genug, nach SID-Informationen mehr als 20. Der Nürburgring würde wohl nicht zur Verfügung stehen, der Vertrag mit Ecclestone läuft noch bis 2011. Ob darin eine Klausel enthalten ist, die eine Zusammenarbeit mit der neuen Serie verbieten würde, "ist eine juristische Frage, die ich noch nicht prüfen lasse", sagt Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz dem SID. Der Eifelkurs ist am 12. Juli Schauplatz des Großen Preises von Deutschland.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%