Motorsport Formel1
Glock: "Ich habe mich schnell eingelebt"

Toyota-Pilot Timo Glock äußert sich im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst zu seinen Zielen in der am Wochenende beginnenden Formel-1-Saison.

Timo Glock soll als Nachfolger von Ralf Schumacher in der Formel-1-Saison 2008 bei Toyota für frischen Wind sorgen. Erstmals Gelegenheit bekommt der 25-Jährige am kommenden Wochenende, wenn die Saison traditionell in Melbourne mit dem Großen Preis von Australien eingeläutet wird. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) blickt Glock nach vorne, aber auch zurück.

sid: "Wie fühlt man sich als Hesse im Rheinland?"

Timo Glock: "Eigentlich ganz gut. Leider war ich zuletzt nicht ganz so oft in meinem Heimatort oder in Köln, weil ich viel herumgeflogen und herumgereist bin."

sid: "Sie haben in Köln eine Wohnung bezogen, um näher beim Team zu sein ..."

Glock: "Die Wohnung ist relativ nah am Teamsitz, gerade mal fünf Minuten weg."

sid: "Also brauchen Sie Ihren Schlafsack nicht, um mal in der Fabrik zu übernachten, wie Sie bei Ihrer Vorstellung angekündigt hatten?"

Glock: "Nein, das ist dann ein bisschen einfacher."

sid: "Fühlen Sie sich eher als Rückkehrer oder als kompletter Neuling in der Formel 1?"

Glock: "Nicht als Rückkehrer, schon eher zu einem gewissen Teil als Neuling, weil sich natürlich in den drei Jahren schon einiges geändert hat. Aber es hat mich nicht viel Zeit gekostet, wieder reinzufinden."

sid: "Gab es in den vergangenen Jahren auch Phasen, in denen Sie gezweifelt haben, ob Sie es jemals wieder in die Formel 1 schaffen?"

Glock: "Das gab es schon, allerdings mehr bei Außenstehenden, die gesagt haben, das wird nichts mehr. Im Endeffekt haben wir es aber doch umgebogen. Doch es waren im vorigen Jahr Phasen dabei, in denen ich gedacht habe, dass es verdammt schwierig wird. Aber wir haben es hinbekommen, und deswegen denke ich nicht mehr so viel darüber nach."

sid: "Mal abgesehen vom letzten Jahr, als Sie nach einigen Rückschlägen doch GP2-Champion geworden sind, gab es in der Zeit davor sogar mal einen Punkt, an dem Sie gedacht haben, alles hinzuschmeißen?"

Glock: "Monaco 2006, da habe ich gedacht: Da sitzt einer, der nicht will, dass ich irgendwo vorne mitfahre. Aber dann hat sich innerhalb von nur zwei Wochen alles gedreht: sportlich mit dem Teamwechsel zu isport und auch privat. Da hat sich alles zum Positiven gewendet."

sid: "Hat es lange gedauert, sich bei Toyota einzugewöhnen?"

Glock: "Ich habe mich schnell eingelebt. Mit dem Team komme ich sehr gut klar, mit allen Leuten funktioniert es sehr gut, auch mit Jarno Trulli. Deshalb macht es mir viel Spaß."

sid: "Was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?"

Glock: "Konstant in die Punkte zu fahren, was sehr schwierig wird. Im Qualifying so nah wie möglich an Trulli dranzubleiben, denn da ist er eine Bank. Und dann werden wir mal sehen, wie die Saison so läuft."

sid: "Wie sind die ersten Eindrücke vom Auto?"

Glock: "Den ganz großen Schritt werden wir am Anfang noch nicht machen können. Es ist im Aerodynamik-Bereich ein neues Konzept. Im Vergleich zum alten Auto haben wir uns aber in gewissen Dingen verbessert. Das Problem ist natürlich, dass nicht nur wir uns verbessern, sondern die anderen Teams auch. Deswegen müssen wir immer zwei Schritte machen, wenn ein anderes Team einen Schritt macht. Das ist das Schwierige, und deshalb wird es vielleicht erst gar nicht so viel anders aussehen als im letzten Jahr. Aber wir wissen, dass wir eine ganz gute Basis haben. Darauf müssen wir aufbauen, aber das wird einige Zeit in Anspruch nehmen."

sid: "Macht es für Sie einen Unterschied, dass Sie Ihr Cockpit von Ralf Schumacher übernommen haben?"

Glock: "Das ändert für mich nichts."

sid: "Sie haben keine Bedenken, wenn es zunächst nicht läuft, dass es dann schnell heißen könnte: Der Glock ist ja auch nicht besser als Ralf Schumacher ..."

Glock: "Das wird mit Sicherheit aus der einen oder anderen Ecke kommen. Es wird immer viel geschrieben und gesagt, aber das lässt mich kalt. Ich versuche, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Mehr kann ich nicht tun."

sid: "Dass Sie Ihren Job nicht so schlecht machen, hat ja auch das Jahr 2006 gezeigt, wenn man mal Ihre Resultate in der zweiten Saisonhälfte der GP2 mit denen von Lewis Hamilton vergleicht ..."

Glock: "Ich glaube, das Potenzial ist da, aber man braucht auch das entsprechende Auto. Das hatte Lewis, der aber auch einen sehr, sehr guten Job gemacht hat. Das Gesamtpaket muss stimmen. Es ist klar: Ich kann nicht das machen, was Lewis in der letzten Saison gemacht hat. Das wissen wir jetzt schon, und das war auch schon vor der Saison klar. Man kann nicht in der Formel 1 einen Schritt von zwei oder drei Sekunden machen. Das wird nie funktionieren."

sid: "Kommt es Ihnen aus Ihrer Zeit in der GP2 und auch davor in der US-Cart-Serie entgegen, dass in der Formel 1 ab diesem Jahr wieder ohne Traktionskontrolle gefahren wird?"

Glock: "Ich musste mich halt nicht umstellen. Aber die Fahrer in der Formel 1 wissen alle, was sie zu machen haben - ob mit oder ohne Traktionskontrolle. Das hat man auch bei den Rundenzeiten der Testfahrten gesehen. Es stehen immer noch die vorne, die im letzten Jahr auch vorne waren."

sid: "Macht es mehr Spaß, ohne diese elektronischen Hilfen zu fahren?"

Glock: "Auf eine gewisse Art und Weise macht es schon mehr Spaß, weil es wieder mehr auf den Fahrer ankommt."

sid: "Haben Sie einen Fahrplan, wie es im Idealfall laufen soll?"

Glock: "Es ist immer schwierig, einen Fahrplan zu machen. 2009 ändert sich das Reglement schon wieder, was die Aerodynamik angeht. Man muss sehen, wie es läuft. Wenn man hart genug arbeitet und das Auto in die richtige Richtung bringt, ergibt sich der Fahrplan von ganz alleine."

sid: "Gibt es eine Schlagzeile, die Sie 2008 gerne mit dem Namen Timo Glock lesen würden?"

Glock: "Timo Glock ist der richtige Mann für Toyota. Das wäre ganz gut und würde mich freuen."

sid: "Haben Sie Ziele, wo es in der Formel 1 noch für Sie hingehen soll?"

Glock: "Ich will um die WM mitfahren. Das ist mein Ziel."

sid: "Und nicht nur mitfahren ..."

Glock: "Gewinnen wäre natürlich noch schöner. Aber dafür muss man hart arbeiten."



© SID

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