Motorsport Formel1
Häkkinen: "Es tut weh, nicht vorne zu sein"

Nachdem Mika Häkkinen im letzten Jahr kein einziges Rennen gewinnen konnte, will er es in der bevorstehenden DTM-Saison besser machen. "Wenn es gut läuft, kann man auch über den Titel reden", so der Finne im Interview.

Die Spannung steigt vor Beginn der neuen DTM-Saison - auch bei Mercedes-Pilot Mika Häkkinen. "Mein Ziel ist es, zu gewinnen", so der Finne klipp und klar. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) nimmt der der Ex-Formel-1-Pilot auch Stellung zum Rücktritt von Michael Schumacher und einer möglichen Rückkehr in die "Königsklasse".

sid: "Die neue DTM-Saison steht vor der Tür. Aber vielleicht erzählen Sie erstmal, wie Sie den Winter verbracht haben?"

Mika Häkkinen: "Was die sportliche Vorbereitung betrifft, haben wir das neue Auto sehr gut entwickelt und in allen Bereichen Fortschritte gemacht. Ansonsten ist der Winter immer sehr entspannt, man genießt das Familienleben und denkt nicht so oft ans Rennfahren."

sid: "Haben Sie mehr trainiert als letztes Jahr?"

Häkkinen: "Ich habe nichts wirklich anders gemacht als in den früheren Jahren. Denn die Leistungsfähigkeit und die Ergebnisse in der DTM und überall im Rennsport resultieren nicht wirklich direkt aus dem körperlichen Training des Piloten. Das ist ein Teil des Geschäftes, aber den größten Anteil hat die mentale Vorbereitung. Die Tatsache, wie viel Vertrauen man in sich selbst hat und wie realistisch man seine Möglichkeiten einschätzt."

sid: "In der vorigen Saison haben Sie kein Rennen gewonnen. Wie sehen Ihre Ziele für 2007 aus?"

Häkkinen: "Die Antwort darauf ist ganz einfach: Mein Ziel ist es, zu gewinnen."

sid: "Wenn das klappt, ist dann das nächste Ziel der Meistertitel?"

Häkkinen: "Einen Titel zu gewinnen, ist immer eine große Sache. Manchmal ist es schwierig, vor Beginn einer Saison zu sagen, mein Ziel ist die Meisterschaft. Denn es ist so kompliziert, es kann im Laufe eines Jahres so viel passieren. Selbst wenn es für mich perfekt laufen würde, dann würde das nicht automatisch bedeuten, dass ich den Titel gewinne. Deshalb sollte man erstmal darüber sprechen, wie gut man vorbereitet ist und ob man Rennen gewinnen kann. Wenn es gut läuft, dann kann man Mitte der Saison auch über den Titel reden. Jetzt wäre das noch zu früh, denn wir wissen ja noch gar nicht, wie gut unsere Konkurrenten sein werden. Vielleicht sind sie ja viel schneller als wir."

sid: "Wie zufrieden sind Sie mit den ersten Testeindrücken Ihres komplett neuen Autos?"

Häkkinen: "Ich bin sehr zuversichtlich. Das Auto ist gut, das Team hat sehr gut gearbeitet. Es ist zuverlässig, das ist wichtig. Und es macht unheimlich viel Spaß, das Auto zu fahren."

sid: "Ist es ein großer Schritt im Vergleich zum Auto der letzten Saison?"

Häkkinen: "Ich habe das Gefühl, dass es ein großer Schritt ist. Ich rede sehr optimistisch, und ich habe auch meine Gründe dafür. Aber so lange wir nicht wissen, wie gut die Konkurrenz ist, sollten wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben und uns auf unsere Arbeit konzentrieren."

sid: "Ist es in der DTM für einen Rennfahrer leichter, sein Leben zu genießen, auch wenn er keine Rennen gewinnt?"

Häkkinen: "Nein, wenn man nicht gewinnt, ist das Leben immer schwierig und macht eigentlich keinen Spaß. Natürlich kann man das Leben als Rennfahrer auch genießen, wenn man nicht gewinnt. Aber wenn deine Persönlichkeit aufs Gewinnen ausgerichtet ist und du es hasst, zu verlieren, fühlst du dich in so einer Situation nicht wohl - so lange, bis du wieder gewinnst. Natürlich tut es weh, nicht vorne zu sein. Aber wir arbeiten hart und hoffen, dass wir das ändern können. Damit wir uns neben all den anderen angenehmen Erlebnissen in der DTM auch wieder über Siege freuen können."

sid: "Sie haben Ihren Vertrag für die Saison 2007 verlängert. Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?"

Häkkinen: "Im Moment genieße ich, was ich tue. Ich habe keinen Grund, negativ über meine Zukunft in der DTM zu denken. Natürlich kann man nicht nur von Tag zu Tag schauen, sondern muss seine Zukunft ein wenig planen. Aber im Augenblick ist die Situation gut."

sid: "Ihr alter Weggefährte Michael Schumacher hat seine Karriere beendet. Wie haben Sie diesen Entschluss gesehen? Glauben Sie, dass die Formel 1 ihn vermissen wird?"

Häkkinen: "Ich respektiere diese Entscheidung, und ich verstehe sie. Das wichtigste für einen Fahrer ist, dass er sich wohlfühlt, mit dem was er tut. Ob die Formel 1 ihn vermisst: Nein, das Leben geht weiter. Es kommen neue Fahrer, eine neue Generation. So ist das einfach."

sid: "Wird Michael irgendwann vergessen sein?"

Häkkinen: "Das wird nie passieren. Die Menschen werden auch noch in Generationen über ihn reden. Einige werden ihn vermissen, andere nicht."

sid: "Fühlten Sie sich nach Ihrem Abschied aus der Formel 1 schon einmal vergessen?"

Häkkinen: "Nein. Aber mit der Zeit reden die Menschen automatisch immer weniger über dich. Ich hoffe, dass sie mich nicht vergessen."

sid: "Ist es ein schönes Gefühl, von den Fans gemocht zu werden?"

Häkkinen: "Ja klar, es ist definitiv schöner, gemocht zu werden als gehasst. Man sollte nie etwas vorspielen, das ist nicht der Sinn der Sache. Du musst du selbst sein. Zum Glück bin ich ein positiver Mensch. Offen und kontaktfreudig. Ich liebe es, mich zu unterhalten, neue Leute kennenzulernen. Damit habe ich kein Problem."

sid: "Also ist die DTM der perfekte Platz für Sie. Dort ist es viel einfacher, mit den Fans in Kontakt zu kommen als in der Formel 1, oder?"

Häkkinen: "Beide Serien sind sehr fordernd. Die Formel 1 ist natürlich viel härter, denn man reist viel mehr, hat mehr Rennen, mehr Tests, mehr Druck. Deshalb beansprucht die Formel 1 einen Fahrer viel mehr als die DTM. Aber die DTM fordert dich in den Rennen. Das ist der Grund, warum wir da sind, warum ich da bin. Natürlich interessieren mich die Sachen, die am Rande der DTM oder der Formel 1 passieren. Aber was mich am meisten interessiert, ist gewinnen."

sid: "Im vorigen Herbst haben Sie in Barcelona ein Formel-1-Auto von Mclaren-Mercedes getestet. Wollten Sie nur noch einmal das Gefühl erleben oder haben Sie insgeheim doch ein bisschen an ein Comeback gedacht?"

Häkkinen: "Es war hauptsächlich für mich, um zu verstehen, was passiert. Das Team hatte längere Zeit keine guten Ergebnisse. Ich wollte versuchen, zu helfen. Natürlich haben viele Leute daraus ein großes Thema gemacht. Nach fünf Jahren, wie kann er da helfen? Aber wir hatten einen großartigen Testtag. Nach fünf Jahren ohne Formel 1 war es sehr interessant und angenehm. Ich konnte dem Team viele Daten liefern. Sicher wäre es schön gewesen, am Ende des Tages der Schnellste zu sein. Aber das wäre unrealistisch gewesen, gar nicht denkbar, nach fünf Jahren Pause und beim ersten Test von Mclaren-Mercedes mit den Bridgestone-Reifen. Ich konnte allerdings dem Team erklären, was ich denke, was sie besser machen könnten."

sid: "Würden Sie einen solchen Test gerne nochmal wiederholen?"

Häkkinen: "Auf jeden Fall."

sid: "Gibt es schon Gespräche?"

Häkkinen: "Nein, aber Ron Dennis hält die Tür immer offen. Ich werde es nochmal machen. Ich weiß aber noch nicht, wann und wo. Warten wir mal ab."

© SID

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