Motorsport Formel1
Hamilton: "Es gibt keinen Platz für Fehler"

Lewis Hamilton spricht im sid-Interview über seine Pläne für die kommende Rennsaison und erklärt, was er von Michael Schumacher und Fernando Alonso gelernt hat.

Vize-Weltmeister Lewis Hamilton blickt mit Spannung auf den Formel-1-Saisonauftakt am Sonntag in Melbourne. Nach dem knapp verpassten Titel in seiner Debütsaison will er im zweiten Anlauf Weltmeister werden - und auch in den Jahren danach. Das verriet er dem Sport-Informations-Dienst (sid) im Interview der Woche. Dabei erklärte der 23 Jahre alte Mclaren-Mercedes-Pilot auch, was er von Rekordweltmeister Michael Schumacher und seinem Ex-Teamkollegen Fernando Alonso gelernt hat.

sid: "Sie haben mal gesagt, dass Sie in Ihrer Jugend viele Idole hatten, vor allem viele Weltmeister. Michael Schumacher, Ayrton Senna, Alain Prost, Damon Hill, Sir Jackie Stewart. In Deutschland ist natürlich Schumacher der interessanteste dieser Fahrer. Was und wie haben Sie von Michael gelernt?"

Lewis Hamilton: "Es gibt eigentlich nur eine Sache, die ich von Michael gelernt habe. Wahrscheinlich, weil ich nicht zusammen mit ihm gefahren bin und noch nicht in dem Geschäft war, als er noch da war. Das einzige Mal, dass ich von ihm lernen konnte, war 2006 vor dem Großen Preis von Brasilien, seinem letzten Rennen. Ich war beim Test in Jerez, dem letzten der Saison. Er hätte nicht mehr da sein müssen, aber er war da. Er hatte Mill. Test-Tage in seinem Leben und hätte nicht mehr fahren müssen. Aber er hat es getan und ist gefahren so viel es ging. Denn er wollte in seinem letzten Rennen der Beste sein. Ich habe von ihm gelernt, dass es das Größte ist, Weltmeister zu sein. Und man muss so sein wie er, um Weltmeister zu werden."

sid: "Haben Sie einige Freunde im Fahrerfeld?"

Hamilton: "Ich bin mit Heikki Kovalainen befreundet und mit Adrian Sutil, Robert Kubica, Nico Rosberg, Felipe Massa. Diese Jungs kenne ich schon aus früheren Jahren. Dazu habe ich im vergangenen Jahr David Coulthard und Mark Webber kennengelernt."

sid: "Sie haben Ihren Vertrag mit Mclaren-Mercedes verlängert. Haben Sie jetzt alles, was man braucht, um den Titel zu holen?"

Hamilton: "Ich denke ja, aber das hatte ich schon vorher. Jetzt habe ich mich selbst im Team etabliert. Dass das Team weitere fünf Jahre mit mir arbeiten will, ist großartig. Ich bin am richtigen Fleck. Ich liebe es, dieses Auto zu fahren, ich liebe die Leute hier. Ich habe meine Freunde und meine Familie, habe eine gute Wahl für meinen Wohnort getroffen, um mich zu erholen und zu trainieren. Insgesamt bin ich sehr entspannt."

sid: "Es gibt also keine Ausrede mehr für Sie ..."

Hamilton: "Mein Paket stimmt, da gibt es keine Ausreden mehr. Im vergangenen Jahr war alles neu, das ist jetzt anders. Allerdings lerne ich immer noch dazu. Ich weiß, dass es keinen Platz für Fehler gibt. Einzige Ausnahme: Wenn das Auto eine Panne hat, ist es nicht meine Schuld."

sid: "Sie waren in Ihrer Debütsaison besser als jeder andere Fahrer vor Ihnen, besser als Michael Schumacher oder Ayrton Senna. Haben Sie einen Zeitplan, wann Sie bestimmte Dinge erreichen wollen?"

Hamilton: "Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Die Resultate kommen von allein. Ich will Weltmeister werden, dieses Jahr, und im Jahr danach und danach. Ich will es jedes Jahr sein. Dafür muss ich zur richtigen Zeit am richtigen Platz sein. Und man muss im Kopf richtig vorbereitet sein. Im letzten Jahr war ich die Überraschung, wie konstant ich war, wie wenige Fehler ich gemacht habe, wie gut ich vorbereitet war. Aber in diesem Jahr bin ich noch besser vorbereitet, daran habe ich keinen Zweifel. Und ich glaube, dass wir in diesem Jahr ein noch besseres Paket haben."

sid: "Ist es manchmal nötig, erst zu verlieren, um das Gewinnen besser genießen zu können?"

Hamilton: "Es ist wichtig, die Erfahrung des Verlierens zu machen. Im Leben, und nicht nur als Rennfahrer. Etwas zu verlieren, was man sich so sehr gewünscht hat, macht einen noch stärker. China, Nürburgring, am Ende dann Brasilien, solche Erfahrungen muss man machen. Das formt die Persönlichkeit und macht stärker."

sid: "Fühlen Sie sich nach den Erfahrungen 2007 und durch Ihren neuen Vertrag schon als Führungsperson im Team?"

Hamilton: "Es ist schon etwas anders, jetzt in der Box auf der vorderen Seite zu stehen. 2007 war ich Nummer zwei, aber es war nur die Nummer. Ich war immer das zweite Auto in der Reihe. Und dieses Jahr bin ich als erstes Auto auf der anderen Seite der Box. Es macht keinen großen Unterschied. Ich habe zwar Fernandos Position, aber ich denke, dass ich mich vergangenes Jahr im Team als gleichwertig etabliert habe. Ich will, dass Heikki dieselben Möglichkeiten hat. Es ist besser den eigenen Teamkollegen mit dem gleichen Team, den gleichen Reifen und dem gleichen Motor zu schlagen."

sid: "Würde eine Nummer-1-Politik einige Dinge, wie sie 2007 zwischen Fernando Alonso und Ihnen passiert sind, verhindern?"

Hamilton: "Das gesamte Team arbeitet zusammen, um den WM-Titel zu gewinnen. Aber man ist auch da, um den Titel für sich selbst zu gewinnen. Man macht das, weil man gewinnen will. Ich bin nicht hier, um die Nummer zwei zu sein. Ich bin nicht hier, um als Zweiter ins Ziel zu kommen. Ich sage nicht, dass ich keinen Job akzeptieren werde, bei dem ich Zweiter sein muss. Aber wir sind ein Team und wollen als Team zusammen beide WM-Titel gewinnen."

sid: "Haben Sie irgendetwas von Alonso gelernt?"

Hamilton: "Jedes Mal, wenn man in eine neue Klasse aufsteigt und gegen andere Fahrer kämpft, lernt man. Ich werde auch von Heikki lernen, und er ebenso von mir."

sid: "Aber besonders von Fernando, vielleicht von seinem Fahrstil ..."

Hamilton: "Ich würde nicht sagen, von seinem Fahrstil, aber von seiner Erfahrung, wie er mit seinen Reifen oder den Bremsen umgeht, wie er vor Kurven bremst. Vielleicht bin ich ein späterer Bremser als er. Man sieht ein bisschen vom Fahrstil und davon, wie andere Fahrer sich verhalten. Er hat mir in vielen Dingen gezeigt, wie man sich verhält und professioneller wird. Er war der Weltmeister, ein zweimaliger Weltmeister. Ich hoffe, dass irgendwann mal jemand in der Position ist, in der ich im letzten Jahr war, und dann zu mir aufschaut und sagt: Das ist der Weltmeister ."

© SID

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