Motorsport Formel1
Hamilton will keinen WM-Sieg am "Grünen Tisch"

Formel-1-Pilot Lewis Hamilton hat sich mit der vergebenen WM-Chance abgefunden. "Ich will auf der Strecke gewinnen", kommentierte der 22-Jährige einen geplanten Einspruch seines Teams.

Lewis Hamilton lehnt einen geschenkten WM-Titel ab. "Das wäre falsch. Ich will auf der Strecke gewinnen. Man will es mit Stil machen, mit einem Sieg im Rennen oder zumindest einem Kampf um die Spitze", sagte das 22 Jahre alte Formel-1-Wunderkind. Der englische Mclaren-Mercedes-Pilot, der durch Rang sieben beim spannendsten Saisonfinale seit 21 Jahren in Sao Paulo den Titel noch an Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen verloren hatte, fuhr mit Blick auf einen angekündigten Protest seines Teams fort: "Aufzurücken, nachdem andere Fahrer rausgeworfen wurden, ist nicht der Weg, auf dem ich es schaffen will."

Die Silberpfeile wollen beim Automobil-Weltverband FIA dagegen Einspruch einlegen, dass die in Brasilien auf den Plätzen vier, fünf und sechs gelandeten Nico Rosberg (Wiesbaden/Williams-Toyota), Robert Kubica (Polen) und Nick Heidfeld (Mönchengladbach/beide BMW-Sauber) von den Rennkommissaren nicht bestraft wurden, obwohl ihr Benzin bei Proben nach ihren Boxenstopps kälter als die vom Reglement erlaubten zehn Grad Celsius unter der Außentemperatur waren. Wären mindestens zwei dieser drei Fahrer disqualifiziert worden, wäre Hamilton so weit nach vorne gerückt, dass er als jüngster Fahrer aller Zeiten den WM-Titel gewonnen hätte.

Die schriftliche Ausfertigung des Einspruchs war nach Angaben des Automobil-Weltverbandes FIA am Dienstagabend fristgerecht um 18. 22 Uhr durch den zuständigen britischen Verband in Paris eingegangen, wie die FIA offiziell bestätigte. Die Begründung veöffentlichte Mclaren dann fast zeitgleich.

"Wir wollen Rennen und Meisterschaften auf der Strecke gewinnen. Aber wenn es Verstöße gegen Regularien gibt, für die das Team nichts kann, muss diese Angelegenheit überprüft werden. Es muss sichergestellt werden, dass die Regularien eingehalten werden. Unserer Meinung nach ist das in Brasilien nicht geschehen. Der Regelverstoß wurde zwar festgestellt, aber nicht geahndet, was uns sehr verwundert. Wir möchten nur, dass diese Angelegenheit aufgeklärt wird und mit unserem Einspruch nicht die Integrität von BMW oder Williams anzweifeln. Wir denken, dass die FIA genauso denkt", teilte das Team mit. Über einen Verhandlungstermin wird die FIA nach Eingang des Dokumentes jetzt in den nächsten Tagen entscheiden.

Dem Berufungsgericht der FIA bleibt allerdings für die brisante Sitzung ein eleganter Königsweg, um die Angelegenheit salomonisch zu lösen. Laut Artikel 168 des International Sporting Code können die Rennkommissare im Falle von Disqualifikationen einzelner Fahrer entscheiden, ob dahinter platzierte Piloten aufrücken.

Da die Kommissare in Sao Paulo von Disqualifikationen für Rosberg (Wiesbaden/Williams-Toyota), Kubica (Polen) und Heidfeld (Mönchengladbach/beide BMW-Sauber) wegen zu kalten Benzins absahen, stellte sich diese Frage zunächst nicht. Das Berufungsgericht könnte sich aber auf den gleichen Passus berufen und selbst bei nachträglichen Ausschlüssen Mclaren-Mercedes-Pilot Hamilton auf dem siebten Platz belassen. Räikkönen bliebe in dem Fall Weltmeister.

Ein Ausgang, mit dem Hamilton zufrieden wäre. "Es würde sich seltsam anfühlen, nachdem Kimi in den letzten beiden Rennen einen so fantastischen Job gemacht hat", sagte der 22-Jährige, nachdem er in China und Brasilien ein 17-Punkte-Polster auf den "Iceman" verspielt hatte: "Er hat gewonnen, und es ihm jetzt wieder wegzzunehmen, wäre ein bisschen grausam und möglicherweise nicht gut für den Sport."

© SID

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