Motorsport Formel1
Hamiltons Siegesrausch frustriert Alonso

Der Eine fährt von Sieg zu Sieg, der Andere ist amtierender Weltmeister und frustriert über seine "Nebenrolle". Im Mclaren-Mercedes-Team droht der Konflikt zwischen Lewis Hamilton und Fernando Alonso zu eskalieren.

Der Weltmeister und sein Herausforderer bescheren der Formel-1-WM ein an Spannung kaum zu übertreffendes Kopf-an-Kopf-Rennen, bislang mit dem besseren Ende für Neuling Lewis Hamilton gegen den zweifachen Titelträger Fernando Alonso. Nicht nur Mercedes-Sportchef Norbert Haug stockt bereits der Atem. "Beide waren auf einem Niveau", sagte Haug nach dem Doppelsieg der Silberpfeile in Indianapolis dem sid: "Das ist der Traum eines jeden Teams." Doch der könnte schnell zum Albtraum werden, wenn der Kampf Hamilton und Alonso zu einem Hass-Duell wie zwischen Ayrton Senna und Alain Prost in den 80er Jahren eskaliert.

Potenzial für "Hass-Duell"

"Die beiden sind auf dem besten Weg dahin. Das Potenzial dazu ist auf jeden Fall vorhanden", sagte der frühere Formel-1-Pilot und heutige Premiere-Experte Marc Surer dem sid. Nach einem missglückten Überholversuch gegen Hamilton hatte Alonso demonstrativ seinem Team die erhobene Faust gezeigt, schon in der Woche zwischen den Rennen in Kanada und den USA hatte der spanische Titelverteidiger fehlende Akzeptanz im Team beklagt.

Haug räumte ein, dass die wachsende Rivalität zwischen dem aufstrebenden Talent und dem Champion für das Team möglicherweise ein Problem werden könnte. "Prinzipiell schon, aber wir werden versuchen, das zu verhindern", meinte der Mercedes-Sportchef: "Ich glaube, die Rennfans haben gesehen, dass es auf der Strecke ausgefahren wird. Wenn man sich das erlaubt, ist das sicher die höchste Form des Formel-1-Rennsports."

Haug entschuldigte Alonsos Geste sofort mit dessen spanischem Temperament: "Da war er ein bisschen heißblütig unterwegs. Ich habe nichts dagegen, wenn da mal der Hut hochgeht, aber wir sorgen schon dafür, dass er anschließend wieder auf den Kopf kommt."

Daimler-Chef Zetsche: "Die wollen beide gewinnen"

Ähnlich sah das auch Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche, der das Rennen live in Indy miterlebte. "Das sind beides Racer, die wollen beide gewinnen - und das gilt natürlich auch gegenüber dem Teamkollegen. Man kann nicht erwarten, dass einer von den beiden zurücksteckt. Deswegen sind sie ja so gut", sagte er.

Auch Mclaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh stellte sich hinter Alonso. Zwei gleichstarke Fahrer würden sie sich immer gegenseitig angreifen, sagte der Brite. Er würde sich nur Sorgen machen, "wenn Fernando ausgestiegen wäre und gesagt hätte, er sei glücklich, dass Lewis ihn geschlagen habe".

Solange Mclaren-Mercedes deutlich vor Ferrari die Nummer eins sei, wäre der offene Kampf zwischen den beiden Silberpfeil-Piloten noch kein Problem, meinte Surer: "Wenn Ferrari aber mal wieder mitmischt, muss man ans Team denken und die Weichen stellen."

Presse thematisiert Konflikt

Doch das Konfliktpotenzial ist längst thematisiert. "Zoff bei Mclaren: Hamilton feiert, doch Alonso ist verbittert", titelte die Gazzetta dello Sport. Hamilton habe "Alonso wieder gedemütigt, der immer nervöser wird", meinte La Repubblica. Die Bild-Zeitung sieht bereits den "Krieg der Sterne".

Alonso steht angesichts von bereits zehn Punkten Rückstand in der WM-Wertung auf Spitzenreiter Hamilton (48:58), der nur acht Tage nach seinem ersten GP-Sieg in Montreal gleich den zweiten folgen ließ, stark unter Zugzwang. "Wie in Monaco war die Pole Position ausschlaggebend, diesmal in der anderen Richtung", sagte Haug: "Aber man darf danach im Rennen auch nicht den kleinsten Fehler machen."

Hamilton, der im siebten Rennen seiner Karriere zum siebten Mal auf dem Podium stand, wurde von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in den höchsten Tönen gelobt: "Hamilton ist ein Superstar, und keiner hat geschafft, was er bisher geschafft hat. Wenn man ihm den Helm von Michael Schumacher aufsetzen würde, würde man glauben, da fährt wirklich Michael."

© SID

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