Motorsport Formel1
Haug: Formel 1 hat kein Hooligan-Problem

Die rassistischen Beleidigungen gegen Lewis Hamilton in Barcelona sieht Norbert Haug als Verhalten einer Minderheit an. An ein Hooligan-Problem glaubt der Mercedes-Sportchef nicht.

Die rassistischen Beleidigungen gegen Lewis Hamilton bei den Testfahrten von Mclaren-Mercedes in Barcelona haben dem Image der Formel 1 Schaden zugefügt. Nobert Haug, Sportchef von Mercedes, fordert daher ein entschiedenes Vorgehen, glaubt aber zugleich nicht, dass die "Königsklasse" ein echtes Hooligan-Problem habe.

"Spanien ist aufgefordert, dieses Minderheitenproblem schnellstens in den Griff zu bekommen. Ich hoffe, dass dies kein Thema mehr ist, wenn wir im April dort Rennen fahren", sagte Haug dem sid. Der Große Preis von Spanien findet am 27. April auf dem Circuit de Catalunya vor den Toren Barcelonas statt.

Wütende Fans hatten Vize-Weltmeister Hamilton bei Testfahrten in Barcelona wegen dessen Hautfarbe übel beleidigt und von der Tribüne immer wieder Gegenstände Richtung Mclaren-Mercedes-Garage geworfen. Die Spanier machen den 23-jährigen Briten und dessen Rennstall für den verpassten WM-Titel ihres Landsmannes Fernando Alonso 2007 verantwortlich.

"Lewis hat Fernando nichts getan"

Für diese Haltung hat Haug absolut kein Verständnis. "Lewis Hamilton hat Fernando Alonso nichts, aber auch gar nichts angetan. Das einzige, was er vielleicht gemacht hat, war, dass er Alonso auf der Rennstrecke fair herausgefordert und das eine oder andere Mal auch geschlagen hat", sagte der Mercedes-Sportchef. Wer mit Niederlagen nicht umgehen könne, der sei in der Formel 1 fehl am Platz.

Hamilton hatte in einer ersten Stellungnahme klargestellt, dass er zu keinem Zeitpunkt versucht habe, "Fernando absichtlich zu schaden. Aber der Kampf war sehr hart, und mein Image in Spanien wurde schwer beschädigt", sagte der 23-Jährige. Alonso hat die "Silberpfeile" nach nur einem Jahr inzwischen verlassen und ist zu Renault zurückgekehrt, wo er 2005 und 2006 den WM-Titel gewann.

"Heute ist es Hamilton und morgen jemand anders"

Haug reagierte mit Abscheu und Entsetzen auf die Entgleisungen der Fans. "Dieses Verhalten ist in keinster Weise zu akzeptieren. Das hat im Sport nichts verloren, und so etwas hat im Motorsport keine Heimat", sagte der Sportchef.

Haug wies aber trotz der "schockierenden Bilder aus Barcelona" darauf hin, dass die Formel 1 kein Hooligan-Problem habe. Man dürfe jetzt nicht den Fehler machen und das als eine Massenbewegung sehen. Das sei das Fehlverhalten einiger weniger gewesen, "die hoffentlich schnell zur Rechenschaft gezogen werden".

Der Automobil-Weltverband FIA hat sich inzwischen eingeschaltet und den Spaniern mit harten Strafen gedroht, sollten sich derartige Dinge wiederholen. Schlimmstenfalls droht Barcelona der Verlust des Rennens. Doch so weit soll es laut Haug nicht kommen: "Es muss alles getan werden, damit sich so etwas nicht wiederholt. Heute ist es Lewis Hamilton und morgen jemand anders."

"Silberpfeile" testen im Februar erneut in Barcelona

Die FIA hat vom spanischen Motorsport-Verband RFE bereits einen Bericht angefordert. Die Rennstreckenbetreiber haben sich in einem Schreiben entschuldigt und in sechs Punkten ihr Bedauern über die Vorfälle zum Ausdruck gebracht. Diese "Fans" seien Idioten, die den Sport in Verruf gebracht haben, hieß es.

Es werde im Hinblick auf die Rennen in Barcelona und Valencia (24. August) null Toleranz bei derartigen Auswüchsen geben, teilten die Verantwortlichen mit. Haug begrüßt ein entschiedenes Vorgehen, der spanische Motorsport-Verband und die Strecken-Bosse seien jetzt gefordert. Die "Silberpfeile" werden vor dem Saisonstart am 16. März in Melbourne vom 12. bis 14. Februar und vom 25. bis 27. Februar erneut in Barcelona testen.

© SID

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