Motorsport Formel1
Haug schließt Mercedes-Rückzug aus

Trotz der Ausstiegs-Forderungen des Betriebsrats und der "Lügen-Affäre" will Mercedes laut Sportchef Norbert Haug in der Formel 1 bleiben - zumindest vorerst.

Trotz der Ausstiegs-Forderungen des Betriebsrats und der "Lügen-Affäre" will Mercedes laut Sportchef Norbert Haug in der Formel 1 bleiben - zumindest vorerst. "Einige Leute haben unterstellt, dass sich Mercedes aus der Formel 1 zurückziehen könnte. Aber Mercedes zieht sich nicht zurück", sagte Haug vor dem Großen Preis von Bahrain am Sonntag (14.00 Uhr Mesz/live bei RTL und Premiere) dem englischen Fachmagazin Autosport: "Wir haben die Bestätigung für unsere Aktivitäten - wenn auch nicht unbeschränkt bis in alle Ewigkeit."

Man könne nicht sagen, was in den nächsten Monaten in der Autoindustrie passiere und ob das Klima besser werde, meinte Haug: "Wenn wir mehr Autos verkaufen, kommen wir in eine bessere Situation." Mercedes ist gemeinsam mit Mclaren in der Formel 1 vertreten und beliefert zudem Brawn und Force India mit Triebwerken.

Warten auf das Urteil in der "Lügen-Affäre"

Mclaren-Mercedes kämpft am 29. April bei der Anhörung des Automobil-Weltverbandes FIA zur "Lügen-Affäre" um seine Zukunft. Als Entscheidung ist vom Freispruch bis zum WM-Ausschluss alles möglich. "Wir kooperieren mit der FIA. Ansonsten wollen wir uns auf den Sport konzentrieren, jeder weiterer Kommentar zu diesem schwebenden Verfahren bringt Unruhe", sagte Haug dem SID.

Teamchef Martin Whitmarsh bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters unterdessen, dass er FIA-Präsident Max Mosley einen Brief geschrieben hat, ohne über den Inhalt etwas zu sagen. In diesem Schreiben hat sich das Team offenbar für die Irreführung der Rennkommissare entschuldigt und ein Fehlverhalten eingeräumt.

Zuvor hatte eine anonyme Quelle der Agentur gesagt, dass Whitmarsh Mosley, der FIA und den Rennkommissaren eine "vorbehaltlose Entschuldigung" für das bewusste Anlügen der Kommissare von Melbourne durch Weltmeister Lewis Hamilton und den inzwischen entlassenen Sportdirektor Dave Ryan angeboten habe. Zudem hätte das Team einen Verstoß gegen die Regeln eingestanden und sich damit ganz in die Hände des World Council gegeben.

Dennis-Rücktritt ein Zugeständnis an die FIA?

In der vorigen Woche war der frühere Teamchef Ron Dennis auch als Chef der Mclaren-Gruppe zurückgetreten. Dieser Schritt war von Insidern als Zugeständnis gegenüber der FIA gewertet worden, um eine mögliche Strafe milder ausfallen zu lassen. Das Team hatte diesen Zusammenhang allerdings als "spekulativ" bezeichnet.

Unterdessen bekommt Mercedes auch Gegenwind im eigenen Haus. Der Daimler-Betriebsratsvorsitzende Helmut Lense forderte mit Blick auf geplante Einsparungen von zwei Mrd. Euro im Konzern den Ausstieg aus der Königsklasse. "Darüber sprechen wir in Stuttgart und nicht an der Rennstrecke", kommentierte Haug.

Lense-Äußerungen sorgen für Wirbel

"Die Formel 1 hat keine Akzeptanz in der Belegschaft. Das muss man zur Kenntnis nehmen", hatte Lense gesagt. Die Reaktion der Beschäftigten auf den Betriebsversammlungen in allen Daimler-Werken im April hätte dies gezeigt - deshalb sei ein Ausstieg angeraten.

Die deutschen Formel-1-Fahrer reagierten erschüttert. "Es ist schockierend, so etwas zu hören. Wenn so jemand darüber nachdenkt, ist er sicher nicht der Einzige. Aber Mercedes gehört zur Formel 1", sagte Williams-Pilot Nico Rosberg.

"Ich kann keine Garantie darüber geben, ob wir die nächsten fünf Jahre hier sind", sagte Haug. Das hänge neben der Entwicklung der Autoindustrie auch von einer guten Zusammenarbeit der FIA mit der Teamvereinigung Fota zusammen. Wichtig sei auch, in welche Richtung sich die Regeln in den nächsten Jahren entwickeln würden, speziell in Bezug auf die geplante Budgetobergrenze von umgerechnet etwa 33 Mill. Euro. Haug: "Die Devise heißt: Eine gute Show und so kostengünstig wie möglich."

© SID

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