Motorsport Formel1
Heidfeld: "Schumacher wird mir irgendwie fehlen"

Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst gibt BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld kurz vor Beginn der Formel-1-WM Auskunft über den Stand der Vorbereitung und die Stimmungslage im ersten Jahr ohne Michael Schumacher.

Nick Heidfeld will mit seinem BMW-Sauber-Team bei der am 18. März in Melbourne/Australien beginnenden Formel-1-WM einen weiteren Schritt Richtung Titelanwärterschaft machen. In einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) spricht der 29-Jährige über das erste Jahr ohne Michael Schumacher, seine Hoffnungen und Ziele für die anstehende Saison.

sid: "Zum ersten Mal seit Sie in der Formel 1 sind, wird in diesem Jahr Michael Schumacher nicht mehr dabei sein. Wird er Ihnen fehlen?"

Nick Heidfeld: "Er wird mir schon irgendwie fehlen. Zum einen habe ich mich gut mit ihm verstanden, zum anderen fährt man auf der Strecke gerne gegen die besten Fahrer der Welt. Da gehörte Michael offensichtlich dazu, und deswegen ist es schade, dass er nicht mehr dabei ist."

sid: "Wie schätzen Sie die Situation in Deutschland ein. Ihr seid auch ohne Michael noch vier Fahrer, auf die sich das Interesse verlagern wird. Ist es für Sie ein Ziel, jetzt die Nummer eins in Deutschland zu werden?"

Heidfeld: "Nein, gar nicht. Natürlich wäre das schön, und ich hoffe, dass ich noch ein paar Fans dazu bekomme. Es ist immer schön, wenn man unterstützt wird und den Fans schöne Rennen zeigen kann. Aber es ist mein Ziel, alle hinter mir zu lassen und nicht nur die Deutschen. Das ist für mich unerheblich."

sid: "Weltmeister zu werden war immer Ihr Ziel. Wie weit sind Sie mit BMW-Sauber auf dem Weg zum Titel?"

Heidfeld: "Das ist der Punkt: Wir sind auf dem Weg dahin. Im Moment sind wir im Soll. In dieser Saison Weltmeister zu werden, ist aber noch illusorisch. Im letzten Jahr haben wir mit dem Sprung von Platz acht auf Platz fünf mehr erreicht, als wir uns erhofft hatten. Wenn man sich jetzt die Testzeiten ansieht, sind wir auch weiter, als wir erwartet hatten, aber immer unter der Prämisse, dass wir uns von fünften Platz weiter steigern wollen. Das Ziel Weltmeister zu werden, ist schön, aber im Moment noch nicht realistisch."

sid: "Nach den Testfahrten sehen einige Experten Ihr Team schon als Mitfavoriten oder zumindest im Windschatten von Mclaren-Mercedes und Ferrari. Sehen Sie das ähnlich?"

Heidfeld: "Jein. Vom Speed her sieht es teilweise so aus, als wären wir recht weit vorne dabei. Aber für mich ist Ferrari ganz klar vorne, schneller als alle Anderen. Dahinter kommt Mclaren-Mercedes, und dann wird es eng. Teilweise sind wir schon dahinter, vielleicht zusammen mit Renault. Das wäre eine Riesensache. Aber im Moment ist unsere größere Baustelle die Zuverlässigkeit. Wenn man nicht ankommt, dann hat man null Punkte."

sid: "Wo liegen da noch genau die Probleme?"

Heidfeld: "Nach wie vor bei der Hydraulik und beim Getriebe. Auch wenn wir da Fortschritte machen, kann ich da im Moment nicht sagen, dass ich völlig beruhigt ins erste Rennwochenende gehen kann. Eine Rennsimulation haben wir in Bahrain mit beiden Autos überstanden, aber insgesamt vorher und nachher standen wir doch recht häufig und sind viel weniger zum Fahren gekommen als wir das gerne gehabt hätten."

sid: "Was hat ein Fahrer zu Beginn der Saison lieber: ein zuverlässiges Auto, das vielleicht noch nicht schnell genug ist, oder ein schnelles Auto, bei dem man noch an der Zuverlässigkeit arbeiten muss?"

Heidfeld: "Mir ist ein schnelles Auto auf jeden Fall lieber. Es ist einfacher, die Konstanz und Standfestigkeit zu finden als anders herum. Und außerdem ist es nicht unbedingt das Ziel von BMW-Sauber, große Risiken einzugehen, um die Lücke nach vorne zu schließen. Vielleicht muss man das manchmal machen. Um aufzuholen, muss man größere Schritte gehen, und dann ist das Risiko mechanischer Defekte vielleicht manchmal größer. Natürlich wäre es schöner, wenn wir weniger Probleme hätten. Aber das kommt einfach mal vor. Das Wichtigste ist, dass wir daraus lernen."

sid: "Wie groß ist beim Fahren der Unterschied zu den Autos der letzten Saison? Merkt man die Motorenrestriktionen und wie wirken sich die neuen Einheitsreifen aus?"

Heidfeld: "Man merkt schon etwas von der Motorenrestriktion, weil wir weniger Drehzahl haben. Das ist aber kein dramatischer Unterschied zum letzten Jahr, weil wir auch ein bisschen Leistung gefunden haben. Der größere Effekt kommt von den Reifen, die deutlich langsamer sind als im letzten Jahr, weil kein Wettbewerb zwischen Bridgestone und Michelin mehr da ist. Aber Bridgestone hat einen ganz guten Reifen bereitgestellt. Wir lernen immer noch, auch wenn wir schon viele Tests hinter uns haben. Wir haben bestimmt noch Potenzial, den Reifen besser auszunutzen und zu verstehen."

sid: "Wie sehen Sie intern Ihre Situation im Team? Sie sind der älteste und erfahrenste Fahrer. Robert Kubica ist jung und ambitioniert. Sebastian Vettel als Testfahrer hat im letzten Jahr schon für Furore gesorgt, und Timo Glock würde irgendwann gerne mehr fahren als nur Tests. Wie ist da der interne Konkurrenzkampf?"

Heidfeld: "So etwas ist üblich in der Formel 1. Ich bin gegen alle schon entweder im Test oder im Rennen gefahren. Ich glaube, da muss ich mir keine großen Sorgen machen."

sid: "Ihr habt durch Sebastian Vettel und Timo Glock jetzt drei deutsche Fahrer im Team. Ist das etwas Besonderes und macht das den Umgang miteinander vielleicht einfacher?"

Heidfeld: "Ich denke, das ist Zufall. Das Team hat laut Mario Theissen versucht, die besten Fahrer zu bekommen. Natürlich spricht man untereinander deutsch, das ist aber auch der einzige Unterschied."

sid: "Ihr Verhältnis zu Robert Kubica schätzen einige Beobachter als etwas angespannt ein. Wie kommen Sie mit ihm klar?"

Heidfeld: "Diese Leute scheinen uns nicht zu kennen. Ich weiß nicht, wo das herkommt. Wir verstehen uns wirklich sehr gut. Es ist klar, dass wir an der Strecke nicht immer einer Meinung sind und ab und zu schon mal einen Kampf hatten. Doch das gehört dazu und macht die Sache auch reizvoll. Aber neben der Strecke verstehen wir uns gut."

sid: "Wie bereiten Sie sich speziell auf das erste Rennen in Melbourne vor?"

Heidfeld: "Ich bin vom letzten Test in Bahrain direkt nach Australien geflogen. Zum einen, um mich ans Klima und die Zeitumstellung zu gewöhnen, zum anderen, um mir mal ein bisschen Sydney anzuschauen. Eine Woche vor dem Rennen werde ich dann aber schon in Melbourne sein."

sid: "Kribbelt es schon?"

Heidfeld: "Ja, natürlich bin ich schon heiß. Eine gewisse Vorfreude ist schon da, das richtige Kribbeln allerdings noch nicht."

sid: "Bei welchen Ergebnissen würden Sie am Ende der Saison von einem erfolgreichen Jahr sprechen?"

Heidfeld: "Wenn wir mit dem Team auf Platz vier kommen. Wenn wir uns von den Punkten stark steigern würden und Fünfter blieben, wäre es auch nicht schlecht. Für mich persönlich hoffe ich, dass ich meine bisher beste Position in der Formel 1 steigern kann - das war der achte Platz. Wenn das funktioniert, wäre ich zufrieden."

© SID

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