Motorsport Formel1
Hockenheimring droht 2007 eine Pause

Nur noch einmal pro Saison will der Formel-1-Zirkus in Zukunft Station in Deutschland machen. Der Hockenheimring und der Nürburgring wollen deshalb rotieren, wobei letzterer 2007 an der Reihe wäre.

Ob es für Michael Schumacher am Wochenende ein Abschied für immer werden wird, liegt an den Plänen des siebenmaligen Weltmeisters. Mit großer Wahrscheinlichkeit geht aber eine ganz andere Ära zu Ende: Nach 20 Jahren Dauerpräsenz droht der Große Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring 2007 vorübergehend aus dem Formel-1-Kalender zu verschwinden. "Wir müssen davon ausgehen, dass es im nächsten Jahr kein Formel-1-Rennen auf unserer Strecke geben wird", bestätigte Hartmut Tesseraux, der Sprecher der Hockenheimring Gmbh. Nach monatelangen Verhandlungen erscheint es sicher, dass ab 2007 nur noch ein Grand Prix auf deutschem Boden stattfinden wird.

Nach derzeitigem Stand der Dinge würde der Nürburgring im kommenden Jahr mit der "deutschen" Rotation beginnen, 2008 wäre dann wieder der einstige Rennbahn-Rivale in Hockenheim dran. Für den siebenmaligen Weltmeister Schumacher käme es in diesem Fall nur zu einer Rückkehr ins Nordbadische, wenn er seinen Vertrag mit Ferrari um zwei Jahre verlängert. Beim Großen Preis von Italien am 10. September in Monza will der Kerpener seine Entscheidung bekannt geben.

Beide "Ringe" bereit für die Rotation

Dagegen scheinen die Zukunftplanungen der beiden "Ringe" weit fortgeschritten. "Wir sind uns grundsätzlich einig, dass wir alternieren", betonte Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz und meinte angesichts rückläufiger Zuschauerzahlen und steigender Kosten: "Mein Ziel ist es, den Nürburgring als Formel-1-Rennstrecke über das Jahr 2009 hinaus zu erhalten. Unter dieser Voraussetzung sehe ich den Plan durchaus positiv." Der Schuldenberg hatte nach der Modernisierung des Hockenheimrings vor vier Jahren im Frühjahr 2006 rund 29 Mill. Euro betragen.

Am bevorstehenden Rennwochenende könnten die angesetzten Gespräche zwischen den Streckenbetreibern und F1-Boss Bernie Ecclestone bereits zum Abschluss gebracht werden. Der umtriebige Brite will durch die Streichung einzelner Rennen die Basis für die Erschließung aufstrebender PS-Märkte legen. Im Gespräch ist derzeit ein zweites PS-Spektakel in Japan (Fuji), die Rückkehr Mexikos (Cancun) oder die Premiere Südkoreas. Auch Indien und Singapur sind Kandidaten für die ferne Zukunft.

Formel 1 will neue Märkte erschließen

Das Vorhaben Ecclestones, die Königsklasse künftig nur noch einmal jährlich in Deutschland gastieren zu lassen, stößt bei fast allen Beteiligten auf offene Ohren. "Wenn selbst die Träger und Veranstalter auf dem Nürburg- und Hockenheimring eine abwechselnde Austragung vorschlagen, dann unterstützen wir dies als wirtschaftlich vernünftige Lösung", erklärte BMW-Motorsportchef Mario Theissen. Auch Präsident Max Mosley vom Automobil-Weltverband FIA macht sich für die Rotation stark. "Wir müssen noch einige neue Länder in den künftigen WM-Kalender aufnehmen. Wir haben aber mit der Anzahl von 18 Rennen pro Jahr schon die Grenze erreicht", sagte Mosley dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Ein wenig Wehmut zeigte indes Michael Schumachers Manager Willi Weber. "Man muss jedem Rennen nachweinen, das Deutschland verliert", erklärte Weber. Sein Schützling indes gab sich trotz des drohenden Verlusts eines Heimspiels gewohnt pragmatisch: "Jeder weiß, dass ich mich zu Dingen erst äußere, wenn sie Fakt geworden sind", sagte der Ferrari-Star. Kollege Nick Heidfeld (BMW-Sauber) hat "schöne Erinnerungen an beide deutsche Strecken", hält eine Rotation aber angesichts der Umstände für "die beste Alternative".

Kein ausverkauftes Haus

Zur vermeintlichen Abschiedsvorstellung auf Zeit erwarten die Verantwortliche am Rennsonntag rund 103 000 Zuschauer auf dem Hockenheimring. "Der Vorverkauf hat nach den letzten beiden Erfolgen von Michael Schumacher stark angezogen. Die Telefone standen nicht mehr still", erzählte Tesseraux. Von einem ausverkauften Haus (120 000 Besucher) können sie indes nur träumen.

© SID

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