Motorsport Formel1
Hülkenberg nennt WM-Titel als langfristiges Ziel

Der künftige Williams-Pilot Nico Hülkenberg hat sich in der Formel 1 viel vorgenommen. "Wir wollen langfristig Rennen gewinnen und Weltmeister werden", sagte der 22-Jährige.

Als Nico Hülkenberg auf der Bühne der Essener Motor-Show das Mikrofon ergriff, trauten manche Gäste ihren Ohren nicht. "Ich hoffe, dass man in ein paar Jahren den Namen Michael Schumacher nicht mehr so häufig hört", rief der 22-Jährige, der gerade erst seinen ersten Formel-1-Vertrag unterschrieben hat, euphorisch in die Menge. Mit dem Ziel, den Rekord-Weltmeister vergessen zu machen, sind noch nicht viele in der "Königsklasse" des Motorsports angetreten.

"Ich mache mein Ding"

"Jeder Deutsche, der neu in die Formel 1 kommt, wird an Michael gemessen, weil er einfach die Messlatte ist", sagte Hülkenberg im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Aber ich mache mein Ding, und vielleicht bin ich ja irgendwann gut genug, dass mein Name als Messlatte dienen kann."

An gesundem Selbstbewusstsein mangelt es dem künftigen Williams-Piloten wahrlich nicht, sein bisheriger Karriereverlauf gibt ihm auch allen Grund dazu. Auf seinem Weg durch verschiedene Serien sammelte das äußerlich ein bisschen an Kimi Räikkönen erinnernde Ausnahmetalent aus Emmerich am Niederrhein fleißig Siege und Titel. So beim Nationen-Weltcup 2006, dem Formel-3-Masters in Zolder 2007 und in der Formel-3-Euroserie 2008.

Weber: "Irrsinns-Talent"

Als er im September dieses Jahres vorzeitig den Titel in der GP2-Serie gewann, standen ihm in der Formel 1 viele Türen offen. Sein Manager Willi Weber, der einst schon Schumacher auf dem Weg zu sieben Formel-1-Titeln betreute, bezeichnet ihn als "Irrsinns-Talent".

Für Hülkenberg, den viele Fans in Anlehnung an die berühmte Comicfigur "Hulk" nennen, soll aber der Einstieg in die "Königsklasse" erst der Anfang sein. "Ich wollte in die Formel 1, da bin ich jetzt angekommen. Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen. Wir wollen langfristig erfolgreich sein, Rennen gewinnen und Weltmeister werden. Auf jeden Fall", sagt er unmissverständlich.

Hülkenberg will kein Mittelmaß

Einen Zeitplan, bis wann das passieren muss, habe er aber nicht, und Prognosen für die kommende Saison fallen im Spätherbst gewöhnlich noch schwer. Doch Mittelmaß ist seine Sache nicht. "Klar ist, dass weder das Team noch ich nur um Rang zehn fahren wollen", sagt Hülkenberg, dessen Teamkollege der WM-Dritte Rubens Barrichello wird, der erfahrenste Pilot im Feld: "Am liebsten will natürlich jeder immer um Podiumsplätze und Siege mitfahren. Ob das realistisch ist, weiß ich jetzt noch nicht."

Bei den Rookie-Tests in dieser Woche in Jerez fährt Hülkenberg noch den alten Williams mit dem Toyota-Motor aus der abgelaufenen Saison. Doch Nico, der eigentlich Nicolas heißt, scharrt mit den Hufen und will so schnell wie möglich das neue Modell mit dem Cosworth-Aggregat fahren: "Ich hoffe, dass der Winter schnell vorüberzieht, denn ich kann kaum erwarten, dass es losgeht."

"Gut, dass es damals nicht geklappt hat"

Beinahe hätte er schon im Herbst den Sprung in die Formel 1 geschafft. Nach dem schweren Unfall von Felipe Massa und dem geplatzten Comeback von Schumacher hatte Ferrari auch ihn als Ersatzpiloten auf dem Zettel. "Da gab es durchaus Interesse und eine Anfrage", erzählt Hülkenberg: "Einerseits war ich auch ganz geil darauf, das zu machen. Andererseits wären das dann nur zwei halbe Sachen gewesen, sowohl in der Formel 1 als auch in der GP2. So konnte ich mich auf die GP2 konzentrieren, habe den Titel gewonnen und kann nun mit der entsprechenden Vorbereitung in die Formel 1 einsteigen. Deshalb ist es wahrscheinlich gut so, dass es damals nicht geklappt hat."

Überhaupt sei sein Weg im Nachhinein genau der richtige Weg gewesen. "Der Sprung kommt nun genau zur richtigen Zeit", sagt er: "Ich fühle mich bereit und reif für die Formel 1." An Talent und Selbstvertrauen mangelt es ihm ja sowieso nicht.

© SID

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