Motorsport Formel1
"Königsklasse" atmet nach Friedensgipfel auf

Nach dem Friedensgipfel hofft die "Königsklasse" wieder auf eine goldene Zukunft. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte in Paris entscheidenden Anteil an der Einigung.

Nach dem Friedensgipfel von Paris und dem Abschied von Max Mosley atmet die Formel-1-Welt kollektiv auf und hofft wieder auf eine goldene Zukunft der "Königsklasse". Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sorgte beim letztlich erfolgreichen Kampf gegen die Spaltung als entscheidender Strippenzieher dafür, dass beide Streithähne ihre Gesicht wahren konnten. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo setzte letztlich alle Wünsche der Teamvereinigung Fota durch, FIA-Chef Max Mosley durfte zum Wohl der Formel 1 selbst seinen Hut nehmen.

"Hätte eine juristische Schlammschlacht gegeben"

"Es hätte eine juristische Schlammschlacht um riesige Summen gegeben. Die Unsicherheit darüber, was passiert, hätte die Sponsoren vertrieben", sagte Mosley dem Fachmagazin auto, motor und sport, nachdem er eingesehen hatte, dass ihn sein jahrelanger Konfrontationskurs in eine Sackgasse geführt hatte.

"Es gibt keine Sieger, nur einen guten Kompromiss", sagte Ecclestone: "Ich bin sehr, sehr glücklich, dass sich die Vernunft durchgesetzt hat. Ich habe immer daran geglaubt, denn die Alternative war nicht gut. Und ich muss auch sagen, dass ich sehr froh bin, dass die Teams nicht mehr Unmengen an Geld ausgeben werden."

Die Pläne zur Kostenreduzierung, die die Fota jetzt auf ihre Weise umsetzen will, lobte letztlich auch Mosley, der eigentlich eine strikte Budget-Obergrenze von 45 Mill. Euro durchdrücken wollte. "Für mich waren zwei Dinge wichtig. Die Budgets müssen auf das Maß zurückgeschraubt werden, das wir vorgeschlagen haben. Das passiert. Die Teams werden ihre Kosten auf das Niveau der frühen 90er Jahre reduzieren, was ungefähr unserem Budgetlimit von 45 Mill. Euro entspricht", sagte der Brite und fügte hinzu: "Wir haben den Weg für drei neue Teams geöffnet. Die etablierten Rennställe haben versprochen, ihnen in der Anfangszeit zu helfen."

Montezemolo zufrieden mit Einigung

Montezemolo zeigte sich zufrieden mit der Einigung im Formel-1-Streit. "Die ständigen Änderungen haben die Zuschauer desorientiert. Jetzt ist es uns gelungen, wieder ein positives Klima zu schaffen", sagte der Italiener der Tageszeitung La Repubblica und äußerte seinen Stolz über den Zusammenhalt zwischen den Rennställen: "Vor einem Jahr gab es die Fota nicht. Heute ist sie ein Verband, der eine alternative WM organisieren könnte. Wir haben realistische Aspekte durchgesetzt."

Toyota-Motorsportpräsident und Fota-Vize John Howett freut sich darauf, "auf der Basis einer stabilen und sauberen Führung vorwärts zu gehen. Es war eine sehr fordernde Zeit, aber dank der Einigkeit der Teams und des Weitblicks der World-Council-Mitglieder haben wir das richtige Ergebnis für die Formel 1 erzielt", sagte er.

Theissen: "Klare Perspektive für eine starke Formel 1"

"Wir haben eine klare Perspektive für eine starke Formel 1 im Interesse aller Beteiligten", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. "Wir wollen für eine bessere Show und mehr Unterhaltung arbeiten", kündigte Renault-Teamchef Flavio Briatore am Donnerstag bei einem Fota-Treffen in Bologna an: "Wir müssen wieder über den Sport reden. Nach all den Jahren mit Präsident Max Mosley wünschen wir ihm einen angenehmen Ruhestand."

Auch Norbert Haug blickte in die Zukunft. "Es geht jetzt darum, vorwärts zu schauen und alle Energie in eine noch bessere Formel 1 zu packen", sagte er dem Sport-Information-Dienst (SID). "Dabei müssen die Fota, die FIA und die Rechtehalter FOM gezielt und konzentriert zusammenarbeiten, zum Wohle des Produkts und damit zum Wohle des Fans", sagte der Mercedes-Sportchef. "Die Einigung ist für alle Beteiligten, die Fans, die Fahrer und Teams das Beste, was passieren konnte. Die Formel 1 ist das Höchste, was es an Motorsport gibt, und so sollte es auch bleiben", sagte Force-India-Pilot Adrian Sutil.

Die internationalen Medien kommentierten das Ende des Machtkampfes wohlwollend. "Die Formel 1 und ihre Mill. Zuschauer rund um die Welt konnten einen tiefen Seufzer der Erleichterung ausstoßen, nachdem Max Mosley seine Macht als FIA-Präsident genommen wurde", schrieb die Londoner Times. "Mosleys Abschied rettet die Formel 1", titelte die Daily Mail. "Max ist glücklich, den Weg für den Frieden frei zu machen", hieß es im Express.

In Italien feierten die Gazetten den Ferrari-Triumph über die FIA etwas ausgiebiger, nicht ohne jedoch auch das eine oder andere positive Wort über Mosley zu verlieren. "Der große Diktator, dessen Verdienste für die im Bereich Sicherheit geleistete Arbeit anerkannt werden müssen, wird am Ende seines Mandats im Oktober die FIA verlassen", titelte die Gazzetta dello Sport. "Die Vernunft hat gesiegt. Die Formel 1 bleibt das, was sie ist, mit einem Namen und einer Geschichte, die einmalig ist", schrieb Corriere dello Sport.

Zum Abschied nach insgesamt 16 Jahren an der Spitze der FIA will sich Mosley allerdings noch an der Suche nach einem Nachfolger beteiligen. Michel Boeri, Präsident des FIA-Senats, schloss Mosley als zu alt und wohl nicht interessiert aus, den früheren Ferrari-Teamchef Jean Todt dagegen explizit nicht. Zudem kündigte Mosley an: "Wenn es mehr als einen Kandidaten gibt, dann werde ich eine Empfehlung abgeben."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%