Motorsport Formel1
Kubica kehrt an Ort seines Horror-Crashs zurück

Der Pole Robert Kubica ist der Aufsteiger der aktuellen Formel-1-WM. Jetzt wartet auf den BMW-Sauber-Piloten der Große Preis von Kanada, wo er im Vorjahr schwer verunglückte.

Vor einem Jahr hielt die Formel 1 in Kanada den Atem an. Robert Kubicas BMW-Sauber wurde bei einem fürchterlichen Unfall regelrecht in der Luft zerrissen. Danach vergingen quälende Minuten der Ungewissheit, bis BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen mit zitternder Stimme verkündete: "Er lebt." Wie durch ein Wunder kam Kubica beim schwersten Crash der vergangenen Jahre unverletzt davon und musste aus Sicherheitsgründen nur ein Rennen pausieren.

Jetzt kehrt die Formel 1 nach Montreal zurück. Für Kubica ist es am Sonntag (19.00 Uhr Mesz/live bei Premiere und RTL) ein Rennen wie jedes andere. Der Pole hat die Erinnerungen verarbeitet, er hat keine Alpträume, die schlimmen Bilder spuken ihm längst nicht mehr im Kopf herum. Fast schon zu cool geht er mit allem um. "Ich muss mit gar nichts fertig werden. Wir gehen nach Kanada, auf eine meiner Lieblingsstrecken", sagt der 23-Jährige.

Kubica: "Ich gehe dahin wie zu jedem anderen Rennen"

Der Unfall beeinflusse ihn auch deshalb nicht, weil es bereits ein Jahr her sei und er seitdem immer wieder in seinem Formel-1-Auto gesessen habe, ohne sich darüber Gedanken zu machen. "Im Motorsport und in der Formel 1 gibt es Risiken, aber ich habe keine negativen Gefühle in Bezug auf Kanada. Ich gehe dahin wie zu jedem anderen Rennen", meint Kubica.

Der Unfall hat ihn sogar noch schneller gemacht, der Pole ist die Entdeckung der Saison. In Bahrain bescherte Kubica BMW-Sauber die erste Pole Position überhaupt, seinen zuvor höher eingestuften Teamkollegen Nick Heidfeld (Mönchengladbach) hat er bislang sicher im Griff, und jetzt greift er sogar nach den Sternen. 32 Punkte hat Polens neuer Nationalheld vor dem siebten WM-Lauf eingefahren, in der WM-Wertung liegt er damit als Vierter nur sechs Zähler hinter dem führenden Silberpfeil-Star Lewis Hamilton (Großbritannien).

Erster Sieg in Reichweite

Mehrfach hatte Kubica den ersten BMW-Sieg dicht vor Augen, so wie zuletzt in Monaco. Noch ein paar Runden mehr - und er hätte im Fürstentum triumphiert anstelle von Hamilton, dessen Reifen die Luft ausging. "Nach den drei Podestplätzen im ersten Saisondrittel weiß Robert, dass er bereit ist, ein Rennen zu gewinnen. Das macht ihn noch stärker", sagt Theissen dem sid.

An den WM-Titel glaubt der BMW-Boss allerdings nicht: "Das wäre unrealistisch." Der ist laut Fahrplan auch erst für 2009 vorgesehen, in diesem Jahr soll zunächst der erste Sieg gelingen. Theissen: "Wir haben seit der Übernahme von Sauber unsere Ziele bisher erfüllt und wollen auch weiter einen Schritt nach dem anderen machen."

"Robert ist schnell"

Der Motorsportdirektor der Münchner traut Kubica noch viel zu. "Robert ist schnell - im Qualifying und im Rennen. Er macht kaum Fehler, setzt seine Möglichkeiten perfekt um und verlangt sich nichts Unmögliches ab", lobt Theissen. Was noch fehlt, sei die Erfahrung: "Und die wächst im Zwei-Wochen-Rhythmus."

Kubica fordert selbstbewusst Verbesserungen vom Team. "Wenn wir regelmäßig mit Ferrari und Mclaren kämpfen wollen, müssen wir uns um zwei, drei Zehntel steigern", sagt er im sid-Interview. Siege seien derzeit nur möglich, wenn es Chaosrennen wie in Monaco gebe, aber unter normalen Umständen sei man derzeit nicht ganz dran.

Tröstende Worte für Teamkollege Heidfeld

Was ist also mit Theissens Fahrplan? Kubica: "Ich habe keine Ahnung, wann wir unser erstes Rennen gewinnen, vielleicht schon bald, vielleicht erst Ende der Saison und vielleicht auch gar nicht." Der Power-Pole denkt allerdings nicht nur ans Team: "In erster Linie siege ich für mich selber. Das ist doch normal."

Tröstende Worte hat Kubica für Heidfeld, obwohl der Teamkollege der Gegner ist, den es immer zu besiegen gilt. "Jeder hat mal eine schwierige Zeit. Aber ich bin überzeugt, dass sich Nick steigern kann und mir wieder näher rückt", meint der 23-Jährige. Für den dreimaligen Weltmeister Niki Lauda hat sich dagegen schon ein Machtwechsel bei den Weiß-Blauen vollzogen: "Kubica gibt neue Maßstäbe vor, an denen muss sich Heidfeld jetzt orientieren."

© SID

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