Motorsport Formel1
Lauda greift Mosley und di Montezemolo an

Ex-Weltmeister Niki Lauda hat anlässlich des andauernden Streits zwischen FIA-Chef Max Mosley und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo harsche Kritik an den Protagonisten geübt.

Formel Langeweile auf der Rennstrecke, Formel Chaos hinter den Kulissen: Während Jenson Button dem Titel im Rekordtempo entgegenfährt, kommen die Teamchefs und FIA-Präsident Max Mosley im seit Monaten andauernden Machtpoker keinen Schritt weiter. Keine 24 Stunden vor Ablauf der verlängerten Frist für die Bekanntgabe der teilnehmenden Rennställe an der Saison 2010 gibt es zwar kleine Hoffnungsschimmer, aber ein Ende des Streits über das künftige Regelwerk ist nicht in Sicht.

"Die ganze Diskussion verursacht den größten Schaden, der je für die Formel 1 entstanden ist", sagt der dreimalige Weltmeister Niki Lauda der Bild-Zeitung. Der Österreicher macht Mosley und Ferrari-Boss Luca di Montezemolo schonungslos für die verfahrene Situation verantwortlich: "Es ist jetzt ein persönlicher Kampf zweier Egozentriker. Wenn sie sich nicht einigen, gehören sie aus diesem Sport ausradiert. Dann haben beide keine Zukunft mehr."

Mosley fordert die Teams bis zum Freitagnachmittag zu einer Einschreibung zu seinen Bedingungen auf, das bedeutet auch, eine Budgetobergrenze von rund 45 Mill. Euro zu akzeptieren. Doch dagegen rebellieren Ferrari und sieben weitere Rennställe. Sollte keine Last-Minute-Einigung gelingen, droht eine Piratenserie.

Ecclestone baut auf Renommee seiner Rennserie

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist mit seinen Vermittlungen bislang gescheitert. Doch der 79-Jährige hat keine Angst, dass in wenigen Tagen sein Lebenswerk zerstört sein könnte. "Die Formel 1 ist als Marke größer als jedes Team oder jeder Fahrer", sagt der Brite dem Schweizer Blick und warnt zugleich: "Es wäre für alle teuer, wenn sie aussteigen."

Lauda lässt kein gutes Haar am Automobil-Weltverband FIA und der Teamvereinigung Fota. "Würde man eine Firma so wie die Fota oder die FIA führen, wäre sie sofort in Konkurs", sagt der Ex-Rennfahrer und Airline-Chef. Der Österreicher appelliert an beide Parteien, endlich zur Vernunft zu kommen, denn eine Piratenserie sei keine Lösung. In einer Formel 1 ohne Ferrari wäre laut Lauda der Glanz weg: "Es gibt jetzt schon zu viele Strecken in Ländern, wo sich niemand für die Formel 1 interessiert."

Ferrari, BMW, Brawn, Mclaren-Mercedes, Red Bull, Renault, Toro Rosso und Toyota haben Mosley immer wieder Vorschläge zum Regelwerk unterbreitet, doch der Brite lehnte jedesmal ab und blieb stur. Nur Force India und Williams haben Montezemolos Kurs verlassen und sich zu Mosleys Bedingungen eingeschrieben.

"Werft eure Selbstherrlichkeit über Bord"

Grundsätzlich sei man sich ja einig, die Kosten müssten gesenkt werden, meint Lauda. Dass dies nicht auf einen Schlag gemacht werden könne, sei völlig klar, ansonsten müssten sofort Hunderte von Leuten entlassen werden. Deshalb fordert Lauda von Mosley und Montezemolo: "Werdet endlich vernünftig, werft eure Selbstherrlichkeit über Bord und richtet nicht noch mehr Schaden an."

Auch Ecclestone ist inzwischen überzeugt, dass es nicht mehr um die Sache geht. "Es geht leider zuerst um die Macht", sagt der einst so große Zampano und wirkt irgendwie ratlos. Das wahre Problem sei, dass Renault-Teamchef Flavio Briatore eine neue Serie gründen und dort alles bestimmen wolle, so Ecclestone, und Montezemolo habe ein Problem mit Mosley. "Egal, was sich abspielt: Es ist traurig und unnötig. Da werden Jahre von Arbeit kaputtgemacht."

Kein Verständnis für das Verhalten von Ferrari

Lauda kann Ferrari nicht verstehen: "Sie haben über Jahre von der FIA profitiert und bekommen mehr Geld als jedes andere Team." So sollen Sonderverträge den Italienern bis 2012 Mehreinnahmen von bis zu 100 Mill. Euro garantieren. Im Gegenzug hat sich die "Scuderia" verpflichtet, bis 2012 in der Formel-1-WM zu bleiben. Diesen Vertrag will Ferrari brechen, weil Mosley seine Garantien ebenfalls nicht einhalten will.

Lauda ist empört: "Sie zerstören den Sport, dabei wollen alle das Gleiche: Formel 1 muss günstiger werden. Man muss diese beiden Wahnsinnigen stoppen. Das Ganze ist einfach abscheulich." Für den Österreicher ist die Lage absurd, das Theater könnte noch Monate andauern und sich sogar zuspitzen: Laut Bild-Zeitung ist es gut möglich, dass eine der Parteien am Freitag vor Gericht zieht.

© SID

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