Motorsport Formel1
Lob von allen Seiten für Wunderknabe Hamilton

Sein Debüt in der Formel 1 hätte kaum eindrucksvoller ausfallen können. Lewis Hamilton verzückte in Melbourne mit seinem dritten Platz Fans wie Experten. Niki Lauda nennt ihn den "besten Neuling aller Zeiten".

Noch bevor er richtig im Auto gesessen hatte, galt er wegen seiner Hautfarbe schon als Tiger Woods der Formel 1. Doch mit seinem Super-Einstand in Melbourne übertraf der Brite Lewis Hamilton dann sämtliche Erwartungen. "Er hat alles, was man braucht, um Weltmeister zu werden", meinte Sir Stirling Moss nach dem dritten Rang des Mclaren-Mercedes-Piloten beim Saisonstart in Australien.

Damit stand der 22-Jährige als erster dunkelhäutiger Rennfahrer in der Formel-1-Geschichte überhaupt auf dem Podest und feierte die beste Premiere seit Jacques Villeneuve (Kanada), der vor elf Jahren ebenfalls in Melbourne in seinem ersten Rennen Zweiter geworden war. Hamilton ist der Mann, den Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gesucht hat. "Was uns fehlt ist eine Frau, ein Chinese und ein Schwarzer", hat Mister E. immer wieder gesagt. Und der dreimalige Weltmeister Niki Lauda stimmte Ecclestone nun zu, ohne dass er es rassistisch verstanden wissen will: "Hamilton ist perfekt für die Formel 1 - weil er schwarz ist."

"Perfekt, weil er schwarz ist"

Die renommierte englische Tageszeitung The Times hat schon mal hochgerechnet, dass Hamilton für die Werbebranche Gold wert ist und bald sogar Michael Schumacher und oder Fußball-Ikone David Beckham in den Schatten stellen dürfte. "Er ist der beste Neuling aller Zeiten, sowas habe ich jedenfalls noch nicht gesehen", meinte Lauda. Und Moss, der bis heute als bester britischer Rennfahrer gilt, der niemals den Titel holte, schwärmte: "Der Junge ist ein Genie."

Hamilton hatte das Rennen sogar für vier Runden angeführt, als der spätere Sieger Kimi Räikkönen (Finnland) im Ferrari vor ihm den ersten Boxenstopp eingelegt hatte. "In meinem ersten Grand Prix zu führen - ich kann es kaum in Worte fassen, was mir da alles durch den Kopf gegangen ist. Davon habe ich nicht mal zu träumen gewagt", sagte Wunderknabe Hamilton. Auch sein Teamkollege Fernando Alonso (Spanien), immerhin der Weltmeister der vergangenen beiden Jahre, kam aus dem Staunen nicht raus: "Lewis hat es mir verdammt schwer gemacht, er hat eine große Zukunft vor sich."

Mclaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh war überrascht, wie cool Hamilton über die Runden kam: "Ich glaube, wir waren aufgeregter als er." Der Jungspund selbst analysierte sein Debüt wie ein alter Hase. Alonso sei zum Schluss schneller gewesen als er. Für ihn sei es dann nur noch darum gegangen, das Auto sicher ins Ziel zu bringen, sagte Hamilton und fügte mit breitem Grinsen hinzu: "Ich denke, ich habe in meinem ersten Rennen genug getan."

Mutig Ron Dennis angesprochen

Das Formel-1-Märchen begann für Hamilton eigentlich schon vor zehn Jahren. Da hatte er Mclaren-Teamchef Ron Dennis am Rande einer Preisverleihung mutig angesprochen und gesagt, dass er eines Tages für sein Team in der Formel 1 fahren wolle. Dennis: "Ich habe zu ihm gesagt: Gut, wenn Du die Kartmeisterschaft gewinnst, dann komm wieder." Ein Jahr später stand Hamilton erneut vor ihm: "Mister Dennis, ich habe die Meisterschaft gewonnen." Von da an ließ ihn der Mclaren-Boss nicht mehr aus den Augen.

Hamiltons Vater Anthony, ein ehemaliger Eisenbahnarbeiter, der in den 50er Jahren von Granada nach London kam, schließt Dennis seitdem in seine Gebete mit ein. "Ich bewundere ihn sehr, es ist ja auch unglaublich, dass er damals bereits gesehen hat, was für ein Talent in Lewis steckt", sagte Hamilton senior. Er selbst habe es immer gewusst, dass sein Sohn etwas ganz Besonderes sei: "Ich bin schließlich sein Vater. Aber wie zum Teufel konnte Ron das damals nur sehen?"

Seine Hautfarbe sei insofern ein Vorteil, dass die Leute darüber sprechen, meint Hamilton, dessen Großeltern aus Trinidad stammen. Es freue ihn, wenn andere schwarze Kinder ihm nacheifern würden, weil sie sehen, was er zustande bringe. Hamilton: "Aber das allein motiviert mich nicht. Ich tue das für mich, weil ich in der Formel 1 gewinnen will - und weil ich glaube, dass ich dafür gut genug bin."

© SID

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