Motorsport Formel1
Massa siegt und springt an die Spitze

Felipe Massa hat den Großen Preis von Frankreich vor seinem Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen gewonnen und BMW-Pilot Robert Kubica die Führung im WM-Klassement wieder entrissen.

Rotes Freudenfest bei Ferrari, blaues Wunder für BMW, schwarzer Tag für "Silberpfeil"-Star Lewis Hamilton: Ferrari hat den BMW-Höhenflug jäh gestoppt und die Machtverhältnisse in der Formel 1 mit einem Doppelsieg zurechtgerückt. Zwei Wochen nach dem Münchner Märchen von Montreal feierte Felipe Massa (Brasilien) in Magny-Cours den dritten Saisonerfolg und entriss BMW-Himmelsstürmer Robert Kubica nach nur einem Rennen die WM-Führung. Der Power-Pole rettete nach seinem ersten Sieg in Kanada den fünften Platz ins Ziel.

Defekter Auspuff kostet Räikkönen den Sieg

Massa profitierte bei seiner Fahrt ins Glück allerdings vom Pech seines Teamkollegen Kimi Räikkönen. Der Weltmeister gab den bereits sicher geglaubten Sieg wegen eines defekten Auspuffs noch aus der Hand. Nach zwei Nullnummern in Folge verbuchte der Finne letztlich mit Platz zwei wichtige WM-Punkte.

"Das ist fantastisch, manchmal braucht man halt ein bisschen Glück", meinte Massa. Mit einem Augenzwinkern sagte er zu seinem Teamkollegen: "Danke, Kimi für das schöne Geschenk." Der "Iceman" konnte darüber gar nicht lachen: "Das ist sehr, sehr bitter. Ich war das ganze Wochenende hier der Schnellste - und dann ist der Sieg auf einmal weg." Letztlich müsse er sogar noch froh sein, so Räikkönen, dass er das Rennen überhaupt beenden konnte.

Das Titelrennen ist zur Saisonhälfte völlig offen. Massa führt nach acht Saisonrennen die WM-Wertung mit 48 Punkten und damit nur zwei Zählern Vorsprung vor Kubica (46) an. Dahinter folgt Räikkönen (43) vor Pechvogel Hamilton (38). Der Vize-Weltmeister stand nach einer Straf-Orgie früh auf verlorenem Posten. Der Brite kam nach einer verkorksten "Tour de France" im Mclaren-Mercedes nicht über Platz zehn hinaus.

Die "Silberpfeil-Ehre" rettete der Finne Heikki Kovalainen, der von der "Strafbank" (Startplatz zehn) noch auf Position vier nach vorne fuhr. Als Dritter schaffte der überraschend schnelle Jarno Trulli (Italien) im Toyota den Sprung aufs Treppchen.

Glock schnellster Deutscher

Bester der fünf deutschen Fahrer war Timo Glock (Wersau). Der Hesse, der in Montreal auf Rang vier seine ersten WM-Punkte für Toyota eingefahren hatte, belegte diesmal Rang elf. Sebastian Vettel (Heppenheim) wurde im Toro Rosso Zwölfter, Nick Heidfeld (Mönchengladbach) enttäuschte nach Rang zwei in Kanada auf dem 13. Platz. Nico Rosberg (Wiesbaden) kam im Williams nicht über Rang 16 hinaus. Adrian Sutil (Gräfelfing) landete in seinem Force India abgeschlagen auf dem 19. und damit letzten Platz.

Räikkönen, der Ferrari die 200. Pole Position beschert hatte, gab sich am Start keine Blöße und behauptete locker die Spitze vor seinem Teamkollegen Massa. Dahinter lieferten sich Toyota-Pilot Trulli und der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso ein heißes Duell um Position drei. Kubica folgte auf Rang fünf.

Der ohnehin arg gestrafte Hamilton erlebte früh einen weiteren Rückschlag. Wegen eines Regelverstoßes (Abkürzen in der Schikane) erhielt der Brite eine Durchfahrtsstrafe. Dadurch fiel Hamilton auf Platz 13 zurück, von dem er auch gestartet war. Der "Silberpfeil"-Star war wegen des Unfalls an der roten Ampel in der Boxenstraße beim Rennen in Montreal zehn Plätze zurückversetzt worden.

Auch Räikkönen wurde nicht vom Pech verschont. Der Finne, der das Rennen bis dahin dominiert hatte, wurde plötzlich langsamer und musste Massa in Runde 39 vorbeilassen. Wie sich herausstellte, hatte der Auspuff des Ferrari einen Defekt. Massa konnte das Rennen danach ohne Gegner über die Runden bringen und die zehn WM-Punkte sicher nach Hause fahren.

Heidfeld: "Wir waren zu langsam"

Heidfeld wollte nichts beschönigen. "Wir waren zu langsam. Wir hatten erwartet, dass wir hier schlechter aussehen als in Kanada. Dass es aber so schwer werden würde, das hatten wir nicht gedacht", sagte der Mönchengladbacher. Der 31-Jährige sieht aber keinen Grund zur Panik: "Das ist erst das achte Rennen, und davor waren wir gut dabei. Ich hoffe, das hier ist nur ein Ausrutscher."

Bei Nico Rosberg und Williams ist derzeit der Wurm drin: "Es ist komisch, wenn man von Monaco und Kanada kommt, wo es wirklich gut lief. Es ist brutal, wenn man zunächst ganz vorn lag und dann plötzlich ganz hinten steht." Der 22-Jährige rätselt zudem über das Verhalten seines Autos: "Es liegt an der Aerodynamik, das spüre ich vor allem in den langsamen Kurven sehr stark. An meinem Auto ist irgendwas verkehrt."

Der Große Preis von Frankreich wird auch 2009 in Magny-Cours stattfinden. Das bestätigte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und verwies etwas überraschend auf einen Vertrag mit der von vielen ungeliebten Rennstrecke in der französischen Provinz für 2009.

Ecclestone hatte zuvor mehrfach gesagt, dass er sich in Zukunft einen Frankreich-Grand-Prix in Paris wünscht. Diese Pläne sind aber vorerst vom Tisch, auch wenn Ecclestone die Hoffnung nicht aufgibt: "Paris ist möglich. Ein Rennen im Disneyland Resort wäre magisch, doch wir haben noch einen Vertrag mit Magny-Cours", sagt der 77-Jährige.

© SID

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