Motorsport Formel1
Mclaren-Mercedes zahlt, Spionage-Affäre beendet

Die Spionage-Affäre in der Formel 1 ist beendet: Mclaren-Mercedes hat auf eine Berufung gegen die vor rund einer Woche ausgesprochene Rekordstrafe des Automobil-Weltverbandes FIA verzichtet.

Mclaren-Mercedes hat die am 13. September ausgesprochene Rekordstrafe des Automobil-Weltverbandes FIA in Höhe von 100 Mill. Dollar sowie den Abzug aller in der laufenden Saison eingefahrenen Konstrukteurs-Punkte akzepiert. Damit ist die Spionage-Affäre in der Formel 1 beendet. Das Team zog durch den Verzicht auf eine Berufungsverhandlung einen Schlussstrich unter einen der größten Skandale im Motorsport, der die laufende Saison der Königsklasse überschattet hatte.

"Wir akzeptieren die Dinge wie sie sind. Die volle Konzentration gilt nun ausschließlich dem Sport und den letzten drei Rennen der Saison. Wir wollen die seit Mai von uns belegte Doppelführung in der Fahrer-WM bis nach der letzten Zielflagge in Brasilien behalten", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Mclaren-Chef Ron Dennis erklärte: "Wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, die gewaltige Aufregung hinter uns zu lassen. Mclaren will Rennen und die WM gewinnen."

Dennis handelt im "Interesse des Sports"

FIA-Präsident Max Mosley hatte die Silberpfeile zuvor eindringlich davor gewarnt, in die Berufung zu gehen. "Das sollten sie lieber lassen", sagte der Brite. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass auch beide Fahrer bestraft werden. Mclaren-Chef Ron Dennis hatte bereits beim Großen Preis von Belgien in Spa am vergangenen Wochenende angedeutet, im "Interesse des Sports" auf einen Einspruch zu verzichten.

Ganz ausgestanden ist die Affäre für Mosley aber noch nicht. "Wir müssen sicher sein, dass wir den anderen Teams sagen können, dass das Mclaren-Programm 2008, nicht nur das Auto, sondern das ganze Drumherum, ohne Einfluss von Ferrari-Informationen ist", sagte der FIA-Präsident und kündigte für Dezember 2007 eine genaue Überprüfung an.

Dass Mclaren-Mercedes auch deutlich härter hätte bestraft werden können, war zuletzt deutlich geworden. Offenbar nur durch das Veto von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone waren die Silberpfeile in letzter Sekunde einem kompletten WM-Ausschluss entgangen, wie Mosley angemerkt hatte. "Wir hätten sagen können: Ihr habt die WM 2007 beschmutzt, ihr hättet sie möglichwerweise auch 2008 beschmutzt. Daher ist es besser, dass ihr bis 2009 nicht mehr in der Formel 1 startet", meinte der gelernte Jurist.

Alonso und Hamilton im Glück

Obwohl die in der WM-Wertung führenden Silberpfeil-Piloten Fernando Alonso (Spanien/95 Punkte) und Spitzenreiter Lewis Hamilton (Großbritannien/97) gut mit der FIA zusammengearbeitet hätten, wäre es auch durchaus möglich gewesen, ihnen die Punkte abzuerkennen. Darüber habe es innerhalb des World Council eine lange Diskussion gegeben, erklärte Mosley. Die Beweislage sei sehr eindeutig gewesen: "Wenn Sie die 780 Seiten anschauen und die über 300 SMS und Telefongespräche, kann man nichts anderes tun. Es kamen eine ganze Menge Informationen." Diese wurden, so der FIA-Boss, mit ziemlicher Sicherheit benutzt.

Die Spionage-Affäre war durch die Übergabe eines 780 Seiten umfassenden Dossiers mit detaillierten Angaben zum aktuellen Ferrari F2007 ins Rollen gekommen. Ferraris ehemaliger Chefmechaniker Nigel Stepney hatte die vertraulichen Informationen seinem befreundeten Mclaren-Chefdesigner Mike Coughlan zugespielt. Auch der Brite war im Zuge der Affäre von seinem Team suspendiert worden.

Das jüngste Urteil des FIA-Gremiums war einem Schock für den britisch-deutschen Rennstall gleichgekommen. Noch nie zuvor war in der Sportgeschichte eine höhere Strafe ausgesprochen worden. Das 26-köpfige Gremium hatte das Urteil aus erster Instanz vom 26. Juli auf Grund neuer Erkenntnisse revidiert. Damals war Mclaren-Mercedes aus Mangel an Beweisen noch freigesprochen worden.

Laut FIA reichte allein der Besitz der geheimen Ferrari-Daten aus, um Mclaren-Mercedes zu verurteilen. Ein Beweis, ob die Informationen verwendet worden sind, sei nicht möglich, müsse aber auch nicht erbracht werden. Auf Grund des dokumentierten E-Mail- und SMS-Verkehrs unter anderem zwischen Testfahrer Pedro de la Rosa und seinem spanischen Landsmanns Alonso sei belegt, dass nicht nur Coughlan Kenntnis von geheimen Ferrari-Daten hatte.

© SID

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