Motorsport Formel1
Mclaren: Millionenstrafe, Konstrukteurs-Punkte weg

Mclaren-Mercedes muss als Folge der Spionage-Affäre 100 Mill. Dollar Geldstrafe zahlen, zudem werden alle Punkte in der Konstrukteurs-WM aberkannt. Die Piloten Hamilton und Alonso dürfen ihre Zähler behalten.

Drakonische Strafe für die Silberpfeile: Trotz aller Unschuldsbeteuerungen ist das Formel-1-Team Mclaren-Mercedes wegen der Spionage-Affäre mit dem Rekord-Bußgeld von 100 Mill. Dollar belegt worden. Außerdem werden dem Rennstall alle in dieser Saison gewonnenen Punkte in der Konstrukteurs-WM aberkannt.

Die in der WM-Wertung führenden Silberpfeil-Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso werden nicht bestraft und dürfen ihre WM-Punkte behalten. Über ein mögliches Strafmaß die Saison 2008 betreffend, steht eine Entscheidung noch aus.

Das beschloss das World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA nach zehnstündiger Anhörung am Donnerstag in Paris. Damit revidierte das Gremium das Urteil aus erster Instanz vom 26. Juli. Damals waren die Silberpfeile aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.

Haug: "Ein Schock für alle im Team

"Das Urteil ist ein Schock für alle im Team und, wie Reaktionen beim Publikum zeigen, auch für weite Teile draußen. Wir kämpfen aber jetzt erst Recht mit aller Entschiedenheit weiter, um auf der Piste Antworten zu geben, wie zuletzt in Monza, und neben der Rennstrecke vor Gericht Gerechtigkeit zu finden", sagte Norbert Haug in einer ersten Reaktion. Der Mercedes-Sportchef war sichtlich betroffen, obwohl das Team der Höchststrafe, einem WM-Ausschluss, entgangen war.

"Mclaren verliert alle Punkte und kann in dieser Saison auch keine mehr holen", sagte FIA-Präsident Max Mosley wenige Minuten nach der Urteilsverkündung dem sid. Das Fahrer-Duo werde aufgrund "außergewöhnlicher Umstände" nicht bestraft, meinte der gelernte Jurist und erläuterte: "Sie haben mit uns zusammengearbeitet und wertvolle Informationen gegeben. Deshalb dürfen sie ihre Punkte behalten." Wenn die Rennautos von Mclaren-Mercedes für 2008 in Ordnung seien, verriet Mosley dem sid, würde nichts weiter passieren: "Aber das wissen wir erst im Dezember."

Schon ab den frühen Morgenstunden herrschte ein reges Treiben vor dem FIA-Hauptquartier am Place de la Concorde. Drinnen begann pünktlich um 9.30 Uhr die zweite Anhörung. Die Silberpfeile wurden durch Mclaren-Teamchef Ron Dennis, Mercedes-Sportchef Norbert Haug, WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und Testfahrer Pedro de la Rosa vertreten.

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone war eine knappe Stunde früher als einer der Ersten eingetroffen, kurz darauf FIA-Präsident Max Mosley. Ferrari-Generaldirektor Jean Todt erschien in Begleitung seines früheren technischen Direktors Ross Brawn, mit dem die Italiener gerade über eine Rückkehr zur Scuderia verhandeln.

Kein Kommentar von Hamilton

Hamilton verließ nach gut dreistündiger Anhörung um 12.40 Uhr als erster der vernommenen Personen das FIA-Gebäude. Der Engländer lehnte jede Stellungnahme ab und stieg wortlos in eine schwarze Mercedes S-Klasse-Limousine, die auf ihn wartete.

Über einen möglichen Einspruch gegen die Entscheidung will Mclaren-Mercedes beraten, wenn alle Details der Urteilsbegündung vorliegen. Das kündigte die FIA für Freitag an. Mclaren-Chef Ron Dennis meinte auf einer kurzen Pressekonferenz am Abend in einem Pariser Hotel: "Das Wichtigste ist, Rennen zu fahren, an diesem Wochenende, für den Rest der Saison und in jeder kommenden Saison."

Dennis beteuert Unschuld

Alle vorgelegten Beweise und Aussagen der Fahrer und vieler Teammitglieder hätten klar gezeigt, so Dennis, "dass wir keine der Informationen benutzt haben, um uns einen Vorteil zu verschaffen. Wir haben zu keiner Zeit Gedankengut eines anderen Teams benutzt." Von dem E-Mail-Verkehr zwischen den Fahrern, den die FIA als neuen Beweis vorgelegt habe, hätte das Team nichts gewusst.

Ferrari-Boss Luca di Montezemolo hatte zuvor verlauten lassen, dass es ihm nur um `die Gerechtigkeit und nichts als die Wahrheit' gehe, an den WM-Titel habe er dabei überhaupt nicht gedacht. Wenn dieser durch die Strafe eines Konkurrenten errungen werden sollte, hätte er aber nichts dagegen gehabt: `Eine WM am grünen Tisch ist auch ein Erfolg.' In einem ersten Statement nach dem Urteil, zeigte sich die Scuderia `zufrieden, dass die Wahrheit ans Licht gekommen ist'.

© SID

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