Motorsport Formel1
Mercedes übernimmt Brawn und gründet eigenes Team

Der Autobauer Daimler will in der Motorsportserie Formel 1 mehr Gas geben: Mercedes startet in der kommenden Saison mit einem eigenen Team an den Start, teilte Daimler-Chef Dieter zetsche am Montag mit. Dafür trennt sich der Autobauer von McLaren und übernimmt die Mehrheit am Brawn-Rennstall, der von 2010 an unter dem neuen Namen Mercedes Grand Prix an den Start gehen soll. Auf Seiten der Arbeitnehmer kommt die Entscheidung gar nicht gut an.

Mercedes kämpft in der Formel 1 künftig mit einem eigenen Team und "Superhirn" Ross Brawn am Kommandostand um Siege und WM-Titel. "Mercedes wird 2010 mit einem eigenen Team Mercedes GP antreten und hat dafür 75,1 Prozent von Brawn übernommen", sagte Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche am Montag in einer Telefonkonferenz und kündigte zugleich an, dass der bisherige Partner Mclaren innerhalb der nächsten zwei Jahre den 40-Prozent-Anteil von Mercedes zurückkaufen wird. Die Briten erhalten in Zukunft lediglich noch Motoren von Mercedes, zunächst bis 2015.

"Hervorragende Plattform"

"Diese Neuausrichtung gibt uns die Chance, unser Formel-1-Engagement in Zukunft deutlich effizienter zu gestalten", sagte Zetsche und stellte in Aussicht, bereits in zwei Jahren mit einem Viertel des bisher benötigten Geldes auskommen zu können. "Es ist eine hervorragende Plattform, um unsere großartige Tradition erfolgreich fortsetzen zu können", sagte Zetsche.

Während Ross Brawn Teamchef des neuen Mercedes-Werksteams bleibt, ist von Konzernseite Mercedes-Sportchef Norbert Haug in Stuttgart federführend. Teamsitz ist Stuttgart. Bei Siegen würde "die deutsche Hymne gespielt", sagte Zetsche.

Ob auch auch ein deutscher Fahrer im neuen Werks-Mercedes sitzen wird, ließen Zetsche und Haug offen. "Es braucht noch ein bisschen Zeit", sagte Haug bezüglich der künftigen Fahrerbesetzung. Neben dem Wiesbadener Nico Rosberg, der schon seit längerer Zeit als Favorit für einen Wechsel zu Brawn galt, gibt es unter anderem auch Kontakt zum Mönchengladbacher Nick Heidfeld. Noch nicht vertraglich gebunden sind zudem der bisherige Toyota-Pilot Timo Glock (Wersau) und Force-India-Fahrer Adrian Sutil (Gräfelfing).

Zukunft von Button weiter ungewiss

Offen ist auch noch, ob Weltmeister Jenson Button dem Team treu bleibt oder vielleicht zu Mclaren wechselt, da der Brite um einen besser dotierten Vertrag pokert. Die Verhandlungen führe Ross Brawn, sagte Zetsche, allerdings in Abstimmung mit den neuen Besitzern aus Stuttgart. Falls Button bliebe, hätte das Mercedes-Team auch die prestigeträchtige Startnummer 1. "Wichtiger ist aber die Nummer 1 am Ende des Jahres", sagte Haug.

Ross Brawn ist sehr zufrieden mit der künftigen Rolle. "Im Namen aller möchte ich zum Ausdruck bringen, dass es für uns eine große Ehre ist, als Mercedes-Benz-Werksteam in der Formel 1 an den Start zu gehen. Wir werden unser Allerbestes geben, um das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen", sagte der Brite.

Mercedes übernimmt selbst 45,1 Prozent an Brawn, 30 Prozent gehen in die Hände des größten Daimler-Anteilseigners Aabar aus Abu Dhabi. 24,9 Prozent bleiben bei den bisherigen Besitzern, unter anderem Brawn und Team-Direktor Nick Fry.

Die Trennung von Mclaren hatte unabhängig von großen Skandalen durch die Spionage-Affäre 2007 oder die Lügen-Affäre um den Briten Lewis Hamilton 2009 vor allem die Bestrebung der Briten um Mclaren-Chef Ron Dennis vorangetrieben, eigene Straßensportwagen zu bauen. Das hätte natürlich mit den Mercedes-Interessen nicht hundertprozentig übereingestimmt, sagte Zetsche: "Daraus haben wir die Konsequenzen gezogen." Stattdessen wird jetzt Brawn zum Silberpfeil-Werksteam, "das von uns kontrolliert wird".

Mercedes war 1995 als Motorenlieferant bei Mclaren eingestiegen, nachdem man zuvor zwei Jahre lang Sauber unterstützt hatte. Den ersten gemeinsamen Sieg gab es allerdings erst beim Saisonauftakt 1997 durch David Coulthard in Australien. Es folgten 59 weitere Siege, drei WM-Titel bei den Fahrern (Mika Häkkinen 1998 und 1999, Lewis Hamilton 2008) sowie einer bei den Konstrukteuren (1998).

In Sachen Motorenlieferung "einige Dinge möglich"

In diesem Jahr belieferten die Stuttgarter neben Mclaren und Brawn auch Force India mit Motoren. Für 2010 hatte lange auch noch Sebastian Vettels Red-Bull-Team auf Mercedes-Power gehofft. Aufgrund der Trennungsvereinbarungen mit Mclaren seien im Bereich Motorenlieferung "einige Dinge möglich, andere aber nicht", sagte Zetsche. Red Bull hatte sich daher angeblich schon vor knapp zwei Wochen für eine weitere Zusammenarbeit mit Renault entschieden, die allerdings noch nicht offiziell bestätigt ist.

© SID

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