Motorsport Formel1
Motorsport-Legende Hans Herrmann wird heute 80

Der ehemalige deutsche Rennfahrer Hans Herrmann wird heute 80. Als Mercedes-Pilot und Formel-1-Fahrer machte sich der Schwabe 1954 neben Juan Manuel Fangio einen Namen.

Wo könnte ein ehemaliger deutscher Rennfahrer, der bei Mercedes Motorsport-Geschichte geschrieben hat, seinen 80. Geburtstag besser feiern, als im Mercedes-Museum? Mehr als 220 geladene Gäste, darunter auch Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche und Mercedes-Sportchef Norbert Haug, gratulieren heute dem früheren Formel-1-Piloten und Le-Mans-Sieger von 1970 Hans Herrmann, der sich als Teamkollege von Juan Manuel Fangio (Argentinien) und Sir Stirling Moss (Großbritannien) im Motorsport-Zirkus einen Namen machte.

"Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man seinen Geburtstag im Mercedes-Benz-Museum bei all den tollen Exponaten und mit so vielen Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern feiern kann. Das ist eine große Ehre", sagt der rüstige "Un-Ruheständler" Herrmann, der immer noch selbst seine Firma für Automobilzubehör leitet. "Motorsport hält jung, Hans Herrmann ist dafür das beste Beispiel. Ich sollte eigentlich morgen DTM-Vertragsverhandlungen mit ihm führen", meint Haug.

Der "rasende Konditor" verfuhr sich ständig

Als "rasender Konditor" gehörte der Schwabe Herrmann in den Fünfziger Jahren zu den Heroen, die die Rückkehr von Mercedes in den Grand-Prix-Sport einleiteten. Dabei hatte seine Rennfahrer-Karriere eigentlich enttäuschend begonnen. Als der damals 24-Jährige erstmals seine Qualitäten in der hessischen Winterfahrt 1952 testen wollte, erlebte er ein Fiasko, denn er verfuhr sich ständig. Doch der Misserfolg motivierte den ehrgeizigen Stuttgarter, der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon der nächste Start bei der Deutschlandfahrt trug ihm den Klassensieg ein.

Von da an ging es für Herrmann bergauf. Der Sieg 1953 bei den 1 000 Meilen von Brescia war die Eintrittskarte ins Le-Mans-Team von Porsche. Prompt gewann er gemeinsam mit Helm Glöckler in der 1 500-Kubikzentimeter-Klasse dieses Traditionsrennen. Beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring setzte er seine Erfolgsserie fort. Am 2. August 1953 holte er nicht nur in der 1,5-Liter-Klasse den ersten Preis, sondern auch noch im Formel-2-Lauf sechs Meisterschaftspunkte.

"Haben Sie Lust, auch mal mit einem Rennwagen von uns zu fahren?"

Am nächsten Morgen klingelte dann das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Alfred Neubauer. "Haben Sie Lust, auch mal mit einem Rennwagen von uns zu fahren?", fragte der legendäre Mercedes-Rennleiter. Herrmann hatte Lust, und Neubauer lud ihn zur Nachwuchsfahrerprüfung ein. Am Ende dieses Tests war der Weg ins Cockpit eines Silberpfeils frei, Herrmann gehörte ab der Saison 1954 zum Mercedes-Werksteam in der Formel 1.

Sein erstes Formel-1-Rennen war im Juli 1954 der Große Preis von Frankreich in Reims, den er wegen eines Motorschadens nicht beenden konnte. Beim Großen Preis der Schweiz platzierte er sich an dritter und beim Großen Preis von Italien an vierter Position.

Ein schwerer Unfall im Training zum Großen Preis von Monaco 1955 schien seine Formel-1-Karriere jäh zu beenden. Als er nach fünf Monaten aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte sich Mercedes nach der Tragödie in Le Mans, bei der 82 Menschen starben, vom Rennsport zurückgezogen. Vielleicht war es eine Laune des Schicksals, dass Herrmann außer Gefecht war. "Pierre Levegh, der Unglücksfahrer von Le Mans, war mein Ersatzmann", erinnert sich der Schwabe.

"Hans im Glück" macht seinem Spitznamen alle Ehre

Seine Karriere setzte er später auch ohne Mercedes fort. Bis 1966 fuhr Herrmann neben Sportwagen-Rennen noch in verschiedenen Autos elf weitere Formel-1-GP. Darunter den Großen Preis von Deutschland 1959 auf der Berliner Avus, als er bei einem spektakulären Überschlag aus seinem Auto geschleudert wurde, aber bis auf ein paar Abschürfungen und einen gebrochenen Finger unverletzt blieb. Nicht nur da hatte er seinem Spitznamen "Hans im Glück" alle Ehre gemacht.

Den krönenden Abschluss seiner Laufbahn erlebte er schließlich wieder mit Porsche in Le Mans. 1970 gewann er im Alter von 42 Jahren mit Richard Attwood im Porsche 917 den 24-Stunden-Klassiker - und gab unmittelbar nach der Siegerehrung seinen Rücktritt bekannt. Ein Versprechen, das er seiner Frau Madeleine gegeben hatte. Herrmann: "Und seine Versprechen muss man doch halten, oder?"

© SID

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