Motorsport Formel1
Nürburgring wird zum Erlebnispark

Neben der Rennstrecke hat der Nürburgring nun auch einen Erlebnispark mit der schnellsten Achterbahn der Welt zu bieten. So sollen die Besucherzahlen um 500 000 gesteigert werden.

Schneller, schöner, spektakulärer: Der Nürburgring hat sich von einer der berühmtesten Rennstrecken der Welt in eine einzigartige Mischung aus Motorsport-Erlebnispark und Urlaubsziel verwandelt. Und mit dem neuen Ring.Racer, der schnellsten Achterbahn der Welt, können die Fans künftig sogar Formel-1-Boliden davonrasen.

"Wir haben überlegt, wie wir die Faszination von Motorsport darstellen können. Das ist Geschwindigkeit, das ist Beschleunigung, das sind G-Kräfte. So sind wir auf die Idee gekommen, eine Art Formel-Fahrzeug, in dem acht Leute Platz haben, zu schaffen", sagt Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz eine Woche vor der Eröffnung des "neuen" Nürburgrings in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Es fährt parallel zur Start-Ziel-Gerade, beschleunigt doppelt so schnell wie ein Formel-1-Fahrzeug - von 0 auf 215 in 2,5 Sekunden."

Unter dem Motto "Nürburgring 2009" hat Kafitz für insgesamt 258 Mill. Euro dem Ring ein neues Gesicht verpasst, das erstmals am übernächsten Wochenende beim Großen Preis von Deutschland der Öffentlichkeit präsentiert wird. Und der "Herr des Rings" ist stolz darauf, dass "das ganze Projekt privat finanziert" ist. "Der Steuerzahler ist da Gott sei Dank außen vor", sagt Kafitz.

Ein Spielcasino, zwei neue Hotels, ein Motorsportdorf, das "Eifeldorf Grüne Hölle" mit einer Groß-Disko und acht verschiedenen Restaurants, der überdachte Boulevard mit Shops und Showrooms, ein Event-Center, die Ring.Arena, die Box-Weltmeister Felix Sturm am 11. Juli einweiht, und vor allem der neue Erlebnispark Ring.Werk mit der Achterbahn als Höhepunkt machen aus dem Nürburgring ein ganzjähriges Ziel. "Nach der Gründung 1927 und dem Bau und der Eröffnung der Grand-Prix-Strecke 1984 ist jetzt wirklich 2009 der dritte historische Schritt", erklärt Kafitz, der seit 1994 in der Eifel tätig ist.

Steigerung der Besucherzahlen um 500 000 auf 2,5 Millionen

Eine Steigerung der Besucherzahlen um 500 000 auf 2,5 Mill. pro Jahr soll der Nürburgring Gmbh, an der das Land Rheinland-Pfalz mit 90 und der Landkreis Ahrweiler mit zehn Prozent beteiligt sind, nach dem Umbau schon 2010 schwarze Zahlen bescheren. Denn durch die externe Finanzierung und die Rück-Anmietung der Gebäude muss die Gmbh "nur" die jährliche Miete erwirtschaften.

Insgesamt soll der erweiterte Komplex, durch den in der strukturschwachen Region rund 500 neue Arbeitsplätze entstehen, die Einnahme-Situation so verbessern, dass "wir uns die Formel 1 möglichst lange leisten können", sagt Kafitz, der sich "gar nicht zu 100 Prozent unabhängig" von der Formel 1 machen will. Während die Gastspiele der Königsklasse der Region und dem Land zweistellige Millionen-Umsätze bringen, schießt der Nürburgring aufgrund der hohen Antrittsgagen bei jedem Rennen mehrere Mill. zu. Daher wechselt sich der Nürburgring seit 2007 mit Hockenheim jährlich mit der Austragung ab.

Da die 20 000-Einwohner-Stadt Hockenheim allerdings Verluste von rund sechs Mill. Euro pro Rennen nicht mehr tragen kann, droht Deutschland 2010 im Moment erstmals seit 1960 ein Jahr ohne Formel 1. Denn der Nürburgring werde "mit Sicherheit nicht einspringen können", sagt Kafitz: "Auf diesem Preisniveau ist es undenkbar, dass wir das finanziell durchstehen. Damit würden wir unser Eigenkapital zu schnell aufbrauchen. Daher ist es leider vorstellbar, dass es in einem Jahr keine Formel 1 in Deutschland gibt."

Die Fans müssten sich dann den Geschwindigkeits-Kick auf dem Ring.Racer holen, um den Kafitz selbst wegen Höhenangst lieber einen Bogen macht. Sein persönlicher Favorit ist der Nürbus, ein High-Tech-Simulator mit vier Projektionswänden. "Da werden wir die Menschen in die 60er Jahre zurückversetzen", verrät er: "Sie sollen mit einem Panorama-Bus eine Kaffeefahrt durch die Eifel machen, aber dummerweise biegt der Fahrer falsch ab und gerät ins 1 000-km-Rennen auf der Nordschleife."

© SID

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