Motorsport Formel1
Renault kommt mit Bewährungsstrafe davon

Zu zwei Jahren Ausschluss auf Bewährung verurteilt die FIA Formel-1-Rennstall Renault in der Unfall-Affäre von Singapur. Ex-Teamchef Flavio Briatore wird lebenslang gesperrt.

Bewährungsstrafe für Renault, "lebenslänglich" für Lebemann Flavio Briatore: Mit einem salomonischen Urteil ist der größte Skandal der Formel-1-Geschichte am Montag vor dem World Council des Automobil-Weltverbandes FIA in Paris abgeschlossen worden.

Während der ehemalige Renault-Teamchef Flavio Briatore für alle Zeiten aus allen FIA-Rennserien verbannt wurde und auch keine Fahrer mehr managen darf, drehen sich bei dem französischen Autokonzern in der Formel 1 die Räder weiter. "Kronzeuge" Nelson Piquet junior und der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso gingen völlig straffrei aus.

Mosley ist mit Urteil zufrieden

FIA-Präsident Max Mosley war mit dem Urteil zufrieden. "Die Schuld ist da, wo sie hingehört", meinte der Brite vermutlich an Briatores Adresse gerichtet. Der Italiener hatte bis zum Schluss alles hartnäckig abgestritten, während Renault geständig war. Für den Autokonzern sei es die härteste Strafe, die möglich gewesen sei, sagte Mosley: "Die Bewährung hilft, dass sie zwei Jahre nichts Dummes tun." Und warum ist Renault nicht ausgeschlossen worden? Mosley: "Weil sie uns davon überzeugt haben, dass sie keine moralische Verantwortung für das haben, was passiert ist."

Renault entschuldigt sich

Renault akzeptierte das Urteil vorbehaltlos. "Wir entschuldigen uns bei der Formel-1-Welt für dieses unzumutbare Verhalten. Wir hoffen aufrichtig, dass wir diese Sache jetzt hinter uns lassen und uns konstruktiv auf die Zukunft konzentrieren können", teilte Renault in einem Statement mit.

Piquet ist froh, dass "der Albtraum" für ihn endlich vorbei ist: "Ich entschuldige mich bei den Fans und der FIA für das, was ich getan habe." Den Renault-Bossen sagte der Brasilianer: "Es ist besser, die Wahrheit zu kennen und die Konsequenzen zu akzeptieren." Gleichzeitig machte er Briatore schwere Vorwürfe: "Er hat mich nur benutzt."

Briatore mutmaßlicher Drahtzieher

Der 59-jährige Briatore gilt zusammen mit Chefingenieur Pat Symonds als mutmaßlicher Drahtzieher des Unfall-Skandals beim Singapur-Grand-Prix im September 2008. Beide sind inzwischen von ihren Posten zurückgetreten.

Renault wurde ebenfalls mit einer lebenslangen Sperre belegt, allerdings wurde dieses Strafmaß für die nächsten beiden Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Damit wollten die FIA-Richter die besondere Schwere des Vergehens hervorheben. Dieses Urteil fällte das World Motor Sports Council der FIA nach 90-minütiger Anhörung und etwa dreistündiger Beratung.

Bei Verstoß immerwährender Ausschluss für Renault

In der ausführlichen Begründung heißt es: Sollte sich Renault innerhalb der beiden kommenden Jahre einen vergleichbaren Verstoß gegen das Sportgesetz leisten, würde der Rennstall automatisch für immer aus der Formel 1 ausgeschlossen.

Erschienen waren am Montagmorgen um 9.30 Uhr "Kronzeuge" Nelson Piquet junior, dessen damaliger Renault-Teamkollege Fernando Alonso, Renault-Vorstand Bernard Rey und Firmensprecher Jean-Francois Caubet. FIA-Präsident Max Mosley hatte Piquet zuvor völlige Straffreiheit zugesicht, wenn er die "ganze Wahrheit" sage.

Keine Sanktionen für Alonso

Alonso muss ebenfalls keine Sanktionen mehr fürchten. Dem zweimaligen Weltmeister war eine Mitwisserschaft an dem Komplott nicht nachzuweisen. Renault ist damit mit einem blauen Auge davongekommen, denn schlimmstenfalls hätte den Franzosen der sofortige WM-Ausschluss gedroht.

Piquet junior hatte beim Singapur-Grand-Prix 2008 auf Anweisung Briatores und Symonds" absichtlich einen Unfall verursachen müssen. Davon profitierte letztlich Alonso, der das erste Nachtrennen der Formel-1-Geschichte überraschend gewann.

Briatore und Symonds mussten nach ihrem Rückzug nicht mehr vor dem FIA-Gremium aussagen. Der Rücktritt wurde aber allgemein als Schuldeingeständnis gewertet. Möglicherweise wurden dadurch die FIA-Richter im "Fall Renault" milde gestimmt.

"Kronzeuge" Piquet junior

Der am 3. August von Briatore entlassene Piquet junior hatte den Skandal ins Rollen gebracht. Piquet junior hatte in einem Schreiben an die FIA Briatore und Symonds schwer belastet und diese Anschuldigungen später wiederholt.

Briatore wies Piquets Vorwürfe bis zum Schluss ganz entschieden zurück. Er drohte Piquet und dessen Vater, dem dreimaligen Formel-1-Weltmeister Nelson Piquet senior, sogar mit Klage in Frankreich und Großbritannien. Der Italiener warf den Piquets "falsche Behauptungen und versuchte Erpressung" vor.

© SID

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