Motorsport Formel1
Rheinland-Pfalz möchte Formel 1 halten

Die Formel 1 soll auch über das Jahr 2011 hinaus am Nürburgring in Rheinland-Pfalz gastieren. Allerdings "nicht um jeden Preis", so Wirtschaftsminister Hendrik Hering.

Den Nürburgring mit Formel 1, aber ohne Risiko für die Landeskasse - das wünscht sich der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Mit der angekündigten Privatisierung des Rennsteckenbetriebs will der Landesvater die anhaltende Kritik an der Rolle seiner Regierung beim 300 Mill. Euro teuren Ausbau der Traditionsrennstrecke zu einem ganzjährigen Motorsport-Eventzentrum entkräften. Diese beschäftigt inzwischen schon einen Untersuchungsausschuss im Landtag und hat nach Wirtschaftsminister Ingolf Deubel (SPD) im Juli jetzt auch Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz den Job gekostet.

"Ich bin sehr traurig, dass der Nürburgring so in den Schmutz gezogen wird. Wir als Veranstalter von vier Großereignissen 2010 müssen uns darüber im Klaren sein, dass das, was am Ring alles entstanden ist, in jeder Hinsicht auch genutzt wird. Dieses Bestreben sollten auch die Politiker, die Automobil-Industrie und alle sonstigen Nutzer haben", sagte Peter Geishecker, Organisator unter anderem des traditionsreichen 24-Stunden-Rennens, dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Land hofft auf Ecclestones Entgegenkommen

Das Zugpferd für den Nürburgring ist neben den 24 Stunden vor allem die Formel 1. Die will das Land Rheinland-Pfalz auch über 2011 hinaus halten, "aber nicht um jeden Preis". Das sagte der aktuelle Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD), der am Mittwoch in Mainz gemeinsam unter anderem mit Beck Pläne für eine Neustrukturierung des Nürburgrings vorgestellt hatte. "Die Formel 1 ist eine strukturpolitische Maßnahme. Ich hoffe und erwarte, dass uns günstigere Konditionen eingeräumt werden. Wir werden dann sehen, was uns diese strukturpolitische Maßnahme wert ist", sagte Beck.

Das Land hofft auf ein ähnliches Entgegenkommen von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone wie in Hockenheim, wo der Brite ab 2010 bis zum Ablauf des neu geschlossenen Vertrages 2018 auch an möglichen Verlusten beteiligt sein wird. In der jährlichen Rotation ist Hockenheim im kommenden Jahr Gastgeber des Großen Preises von Deutschland, 2011 ist noch einmal der Nürburgring an der Reihe, bevor dessen Vertrag ausläuft.

Beck und Hering hatten am Mittwoch verkündet, dass künftig eine neu zu gründende Betreibergesellschaft das operative Geschäft und die gemeinsame Vermarktung der kompletten Anlage aus Rennstrecken, dem Freizeitpark Ring.Werk, dem Businesszentrum mit Eventhalle sowie den Hotel- und Gastronomiebetrieben übernehmen soll. Diese Betreibergesellschaft sollen zu jeweils 50 Prozent die bereits jetzt am Ring engagierten Partner Lindner und Mediinvest bilden unter Führung von Jörg Lindner, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Lindner-Gruppe.

Vertragsabschluss wird im ersten Halbjahr 2010 erwartet

Ulrika Brandt, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Lindner, sagte am Donnerstag dem SID, dass bislang lediglich eine Absichtserklärung abgegeben wurde, die genauen Details der Verträge aber noch ausgehandelt werden müssten. Mit einem Vertragsabschluss sei im ersten Halbjahr 2010 zu rechnen. Ihr Unternehmen sei angesprochen worden, "vielleicht weil wir viel Erfahrung haben. Mehr als die Hälfte unserer Hotels haben wir in schwierigen Situationen übernommen", sagte Brandt. Man habe zudem Erfahrung damit, "touristische Leistungen zu bündeln". Für das operative Geschäft der Gesellschaft werde noch ein Manager gesucht.

Die Nürburgring Gmbh, deren Leitung nach der Abberufung von Kafitz der bisherige Interims-Finanzchef Hans-Joachim Koch - ein laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Schwanhold "erfahrener Manager und Sanierer" - übernommen hat, soll nur noch Besitzer der Anlage sein und für die Nutzung Pacht von der privaten Betreibergesellschaft erhalten. Damit sollen laut Beck Zins, Tilgung und Abschreibung der Erweiterung finanziert werden. Durch diese Neuregelung solle der Landeshaushalt und damit der Steuerzahler "für den Invest von über 300 Mill. Euro nicht in Anspruch" genommen werden, sagte Beck.

© SID

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