Motorsport Formel1
Ron Dennis zieht sich aus der Formel 1 zurück

Der Rennstall Mclaren-Mercedes strauchelt immer tiefer ins Chaos. Mclaren-Boss Ron Dennis zog sich mit sofortiger Wirkung aus der Formel 1 zurück.

Die Krise beim Formel-1-Rennstall Mclaren-Mercedes spitzt sich immer weiter zu. Nach der Suspendierung von Teamdirektor Dave Ryan wegen der "Lügen-Affäre" von Melbourne zieht sich nun auch Mclaren-Boss Ron Dennis mit sofortiger Wirkung komplett aus der Formel 1 zurück. Das teilte das Team am Donnerstag mit.

Der 61-jährige Dennis hatte erst wenige Wochen vor Saisonbeginn seinen Posten als Mclaren-Teamchef überraschend an seinen bisherigen Geschäftsführer Martin Whitmarsh übergeben. Whitmarsh, der zuletzt schon seinen eigenen Rücktritt angeboten hatte, soll nun auch den verbliebenen Verantwortungsbereich von Dennis übernehmen.

Dennis bleibt der Mclaren Group, an der er einen Anteil von 15 Prozent besitzt, allerdings weiter erhalten. Nach einer internen Umstrukturierung soll der Engländer nun Vorsitzender von Mclaren Automotive werden. Damit ist er für das Sportwagen-Geschäft der Firma verantwortlich, ein neues Auto soll ab 2011 auf den Markt kommen.

Der komplette Dennis-Rückzug aus der Formel 1 darf als sicheres Zeichen dahingehend gewertet werden, den Automobil-Weltverband FIA und dessen Präsidenten Max Mosley in der "Lügen-Affäre" milde zu stimmen. Das Team muss sich am 29. April vor dem FIA-Weltrat in Paris verantworten.

Den Silberpfeilen droht eine Sperre, eine hohe Geldstrafe oder schlimmstenfalls sogar der WM-Ausschluss. Schon in der Verhandlung wegen der "Spionage-Affäre" hatte Mclaren-Mercedes vergeblich auf milde Richter gehofft. Das Team war 2007 zur Rekordgeldstrafe von 100 Mill. Dollar verurteilt und aus der Konstrukteurs-WM ausgeschlossen worden.

"Ganz allein meine Entscheidung

"Ich weiß nicht, ob meine Entscheidung Max Mosley und Bernie Ecclestone gefallen wird", meinte Dennis leicht ironisch. Es habe ihn aber niemand zu diesem Schritt gezwungen: "Es war ganz allein meine Entscheidung." Es sehe seiner neuen Aufgabe nun mit "großem Enthusiasmus" entgegen.

Dennis war beim Saisonstart in Australien noch vor Ort, hatte auf die Reise zum zweiten Rennen nach Malaysia aber verzichtet. Er habe sich den Grand Prix dann vor dem Fernseher zuhause angeschaut, Tränen seien aber nicht geflossen. Dennis: "Ich habe gedacht, dass es mich emotional wesentlich mehr berühren würde."

Die FIA wirft Mclaren-Mercedes in der "Lügen-Affäre" einen Verstoß gegen Artikel 151c des Internationalen Sporting Codes vor, der das Handeln gegen den Geist des Sports unter Strafe stellt. Der inzwischen suspendierte Ryan hatte Weltmeister Lewis Hamilton zu einer Falschaussage gegenüber den Renn-Kommissaren angestiftet.

Hamilton war daraufhin der dritte Platz beim Auftaktrennen in Australien nachträglich aberkannt worden. In Malaysia berief der 24-Jährige eigens eine Pressekonferenz ein und entschuldigte sich für sein Verhalten. Nach Informationen des Fachmagazins auto motor und sport soll Dennis entschieden gegen diesen Auftritt vor der Weltpresse gewesen sein.

Hamilton dachte sogar schon an einen Teamwechsel. Sein Vater und Manager Anthony nahm noch in Malaysia Kontakt zu FIA-Präsident Mosley auf, um die prekäre Situation zu besprechen und den Imageschaden für seinen Sohn zu begrenzen.

Mercedes steht zu Mclaren

Mercedes steht zumindest offiziell weiter zu Partner Mclaren. Die Stuttgarter halten 40 Prozent am Team, mehr als jeder andere Teilhaber. Gerüchten zufolge ist eine Trennung allerdings nicht länger auszuschließen, falls es am 29. April ein ähnliches Hammer-Urteil wie in der Spionage-Affäre geben sollte.

Das Fachblatt motorsport aktuell spekuliert bereits damit, dass Mercedes von Mclaren zum bisherigen Kunden Brawn wechseln könnte. Die Stuttgarter beliefern ab dieser Saison das Honda-Nachfolgeteam von "Superhirn" Ross Brawn und Force India mit Motoren. Angesichts des von Vorstandschef Dieter Zetsche erst vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung angekündigten Sparkurses stehen Mercedes-Benz in der Formel 1 stürmische Zeiten bevor - auf und neben der Rennstrecke.

© SID

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