Motorsport Formel1
"Sache sprengt jedes Vorstellungsvermögen"

Hermann Tomczyk hat Flavio Briatore und Pat Symonds scharf kritisiert: "Es war ein menschenverachtender Akt", sagte der Adac-Motorsportpräsident nach dem Urteil zum "Crashgate".

Adac-Motorsportpräsident Hermann Tomczyk hat nach dem Renault-Skandal Ex-Teamchef Flavio Briatore und den ebenfalls entlassenen Chefingenieur Pat Symonds mit kompromissloser Deutlichkeit kritisiert und einen riesigen Imageschaden für die Formel 1 ausgemacht. "Es war ein menschenverachtender Akt, bei dem vor allem diese beiden Leute andere in höchste Gefahr gebracht haben", sagte Tomczyk im Gespräch mit Welt online.

Die Folgen des als "Crashgate" in die Sportgeschichte eingehenden Skandals sind für Tomyczk immens. "Grundsätzlich ist der Vorfall für mich so unvorstellbar, dass die Dimension der negativen Folgen noch gar nicht abschätzbar ist", sagte er: "Ein Imageschaden ist immer schlimmer und schlechter zu verkraften als ein finanzieller Schaden."

Deshalb befürchte er, "dass der Schaden länger anhalten und uns länger beschäftigen wird, als es uns lieb sein kann. Die Sache sprengt, was mich betrifft, jedes Vorstellungsvermögen. Deshalb ist ihre Wirkung auch so verheerend. Die Formel 1 kann sich keine weiteren Skandale mehr leisten." Er hoffe "wirklich inständig", dass dies ein Einzelfall gewesen sei.

Bewährungsstrafe für Renault gerechtfertigt

Briatore wurde am Montag vom World Council des Automobil-Weltverbandes FIA lebenslang aus der Formel 1 verbannt, Symonds für fünf Jahre gesperrt. Die beiden hatten den damaligen Fahrer Nelson Piquet junior 2008 in Singapur zu einem absichtlichen Unfall überredet, um Teamkollege Fernando Alonso zum Sieg zu verhelfen.

Dass Renault als Hersteller mit einer Bewährungsstrafe glimpflich davonkam, sieht Council-Mitglied Tomczyk als gerechtfertigt an. "Die Hauptverantwortlichen waren deutlich auszumachen, und Renault hat hier als Hersteller keine Verantwortung, sondern nur das Renault-Formel-1-Team. Das muss man trennen", sagte er.

Ob der wegen der Kronzeugenregelung straffrei ausgegangene Piquet, der den Skandal nach seiner Entlassung bei Renault ans Licht gebracht hatte, je in die Formel 1 zurückkehren wird, wollte Tomczyk nicht beurteilen. "Normalerweise spielen bei einer solchen Frage das Talent und das Können eine entscheidende Rolle", sagte er: "Mit Sicherheit aber hat sich Piquet, was seine künftige Rennfahrerkarriere betrifft, mit seiner Rolle in diesem Skandal keinen Gefallen getan."

© SID

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