Motorsport Formel1
Sao Paulo: Alonso reicht Rang zwei zum WM-Triumph

Der Traum vom achten WM-Titel zum Abschied aus der Formel 1 hat sich für Michael Schumacher nicht erfüllt. Ein früher Reifenschaden warf den Ferrari-Piloten beim Großen Preis von Brasilien aussichtslos zurück, während Rivale Fernando Alonso (Spanien) nichts mehr anbrennen ließ und seine Fahrer-Krone mit einem zweiten Platz erfolgreich verteidigte.

Am Ende 13 Punkte Rückstand

Schumacher hätte das 250. und letzte Rennen seiner Laufbahn in jedem Fall gewinnen und dann noch darauf hoffen müssen, dass Alonso ausfällt oder bestenfalls Neunter wird. Doch mehr als Platz vier war nach dem Pech trotz einer beeindruckenden Aufholjagd nicht drin. In der WM-Endabrechnung fehlten "Schumi" 13 Zähler auf Alonso (121:134).

"Das Rennen war ziemlich chaotisch. Wir hatten ein Wahnsinnsauto und hätten vom Speed her alle überrunden können. Es war ein klasse Finale, aber es hat halt nicht sein sollen", meinte Schumacher nach seiner Abschiedsvorstellung und fügte hinzu: "Glückwunsch an Fernando." Zeit, sich Gedanken über seine Zukunft als "Formel-1-Rentner" zu machen, hatte er nach eigener Aussage noch nicht: "Vermissen werde ich sicher die vielen schönen und schlechten Momente in der Formel 1. Dazu gehören sicher auch die Fans, die mich immer unterstützt haben." Der schönste Moment in seiner Karriere sei "2000 der erste Titel mit Ferrari" gewesen.

Alonso: "Ein Riesenspaß, mit ihm Rennen zu fahren"

Alonso fand nach seinem Triumph auch lobende Worte für den scheidenden Rekordchampion. "Es war ein Riesenspaß, mit ihm Rennen zu fahren und mit ihm zu kämpfen. Es ist wichtig, dass man den Titel holt, so lange Michael noch dabei ist. Ich bin froh, dass ich das zweimal geschafft habe", sagte der alte und neue Weltmeister: "Ich wünsche ihm nur das Beste für sein neues Leben mit seiner Familie."

Von seinem Renault-Team hatte sich der künftige Mclaren-Mercedes-Pilot schon über Funk während der Auslaufrunde verabschiedet: "Das war eine tolle Arbeit. Ich bedanke mich für diese Saison und für die vergangenen Jahre."

Renault-Teamchef Flavio Briatore lobte aber auch seinen früheren Schützling Schumacher. "Michael hat einen super Job gemacht, aber wir haben den Titel verdient", meinte der Italiener.

Auch Konstrukteurs-WM an Renault

Für einen Heimsieg sorgte Schumachers Teamkollege Felipe Massa, der nach 71 Runden vor Alonso gewann und von 60 000 Landsleuten in Sao Paulo gefeiert wurde. Das half Ferrari aber auch nicht mehr im Kampf um die Konstrukteurs-WM, auch dieser Titel ging zum zweiten Mal nach 2005 mit fünf Punkten Vorsprung an Renault (206:201). Für Massa war es der zweite Triumph in der Formel 1 nach Istanbul in diesem Jahr und der erste Erfolg einen Brasilianers in der Heimat nach 13 Jahren. 1993 siegte der legendäre Ayrton Senna in einem Mclaren.

Glück im Unglück hatte Nico Rosberg (Wiesbaden), der mit seinem Williams in der ersten Runde von der Strecke schleuderte und heftig gegen die seitlich aufgestellten Reifenstapel krachte. Das Auto hatte nur noch Schrottwert, Rosberg entstieg dem Trümmerhaufen unverletzt.

Toyota ohne Glück

Pech hatte das in Köln ansässige Toyota-Team: Ralf Schumacher und Teamkollege Jarno Trulli (Italien) stellten ihre Autos in der 11. Runde kurz nacheinander mit technischem Defekt in der Box ab. Davon profitierte das BMW-Sauber-Team, das in der Marken-WM Rang fünf vor Toyota behauptete, obwohl der Pole Robert Kubica nur Neunter wurde und Nick Heidfeld sieben Runden vor Schluss an Position elf von der Strecke rutschte.

Michael Schumacher fuhr beim letzten Start seiner Karriere sofort voll auf Angriff, nach dem Motto: entweder ich überhole oder ich fliege ab. Doch er blieb zunächst auf der Piste und hatte sich schon nach zwei Runden vom zehnten Startplatz auf Position sechs nach vorne geschoben.

Linker Hinterreifen löst sich auf

Danach hatte er Alonsos Teamkollegen Giancarlo Fisichella vor sich. Mit einem waghalsigen Manöver zog dann "Schumi" ausgangs der Start-Zielgeraden an dem Italiener vorbei. Fisichella hielt nochmal dagegen und rutschte dem Ferrari ins Heck. Dabei wurde der linke Hinterreifen an Schumachers Auto beschädigt, der sich kurz darauf völlig auflöste.

Der siebenmalige Weltmeister schleppte sein Auto gerade noch in die Box zurück, bekam einen neuen Reifen und blies zur Aufholjagd - allerdings ein aussichtsloses Unterfangen, denn Schumacher fuhr dem Feld als 17. und Letzter hinterher. Doch so wollte er nicht von der Bühne abtreten. Mit konstant hohem Tempo und mehreren schnellsten Runden kämpfte er sich im Stile eines großen Champions nach vorn, drei Runden vor Schluss überholte er auch noch seinen Ferrari-Nachfolger Kimi Räikkönen. Doch auf Platz vier war die wilde Hatz dann vorbei.

"Er ist der Pele des Motorsports"

Zehn Minuten vor dem Rennen kam es auf der Start-Zielgeraden zum Treffen der Sport-Giganten. Unter dem stürmischen Jubel der Zuschauer nahm Schumacher aus den Händen von Brasiliens Fußball-Idol Pele eine mit Edelsteinen besetzte Trophäe aus Gold entgegen. Damit würdigten die Brasilianer Schumachers Verdienste um die Formel 1. "Er ist der Pele des Motorsports", sagte der dreimalige Fußball-Weltmeister.

Schumachers Erfolge sind einzigartig und haben den 37-Jährigen längst zu einem Unsterblichen des Automobilsports gemacht. Er holte sieben WM-Titel, gewann 91 Formel-1-Rennen und stand 68-mal auf der Pole Position - das sind nur einige der Rekorde Schumachers, die vielleicht sogar für die Ewigkeit halten.

Schon am frühen Morgen, als Schumacher wie jeden Rennsonntag in den 16 Jahren zuvor an der Strecke eintraf, wurde er von Reportern, Kamerateams und Fotografen belagert. Die Hysterie ging sogar soweit, dass in Dreierreihen auf ihn gewartet wurde, als er vor dem Rennen kurz in der Toilette verschwand.

Sonderapplaus bei der Fahrerparade

Bei der Fahrerparade, bei der alle 22 Formel-1-Piloten vor dem Grand Prix auf einem offen Truck um die Rennstrecke gefahren wurden und dabei den Fans zuwinkten, gab des für Schumacher Sonderapplaus - und das in Sao Paulo, der Heimat des legendären Ayrton Senna, wo er eigentlich nie sonderlich beliebt war.

Die Entscheidung, den Helm nach fast 16 Jahren an den Nagel zu hängen, habe er bislang nicht bereut, sagte Schumacher: "Irgendwann hat alles mal ein Ende." Der Aufwand in der Formel 1 sei extrem hoch, man müsse sich als Rennfahrer immer wieder motivieren, und dafür sei sein Akku einfach zu leer, schilderte Schumacher seine Beweggründe zum Rücktritt: "Ich sehe nicht, dass ich auch in Zukunft alles noch mit der gleichen Motivation leisten kann."

Über die Zeit nach der Formel 1 hat sich Schumacher noch keine konkreten Gedanken gemacht. "Ich weiß es wirklich noch nicht", sagt der 37-Jährige. Er müsse erstmal Abstand gewinnen. Und danach hätte er ohnehin genug Zeit, um zusammen mit der Familie zu überlegen, wie sein Leben ohne Formel 1 aussehen werde: "Aber erstmal danke ich allen, die mich unterstützt haben. Es war eine schöne Zeit mit Euch."

© SID

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