Motorsport Formel1
Schumacher setzt voll auf Angriff

Michael Schumacher hofft auf ein Wunder, Rivale Fernando Alonso fürchtet schmutzige Tricks und die Formel 1 nimmt Abschied vom erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten: Nach fast 16 Jahren und 249 Grand Prix hat Schumacher die letzte Ausfahrt erreicht.

Am Sonntag fährt Michael Schumacher sein letztes Formel-1-Rennen. Ohne Frage ist sein Abschied ein historischer Moment in der "Königsklasse" des Motorsports - die Frage ist, ob die Ära als Drama oder Heldensaga enden wird. Denn der siebenmalige Weltmeister braucht ein mittelschweres Wunder, um seinen großen Rivalen Fernando Alonso noch abzufangen. Der fürchtet derweil schmutzige Tricks des Verfolgers. In Sao Paulo, wo sein großes Idol Ayrton Senna am 21. März 1960 zur Welt kam, steigt Schumacher am Sonntag (19.00 Uhr/live bei Premiere und RTL) ein letztes Mal in seinen Ferrari. Nach fast 16 Jahren und 249 Grand Prix hat der Kerpener die letzte Ausfahrt erreicht.

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag verabschiedete sich Schumacher im kleinen Kreis. "Es waren 16 schöne Jahre, wir haben so viel zusammen erlebt, in guten und in schlechten Zeiten", sagte der 37-Jährige. Auf die Frage, was er seinen vielen Fans wünsche, meinte der Ferrari-Star: "Genießt ganz einfach das letzte Rennen von mir."

"Wir streben einen Doppelsieg an, was sonst"

"Mein letztes Rennen in der Formel 1 steht an, und ich finde es schön, dass es in Brasilien stattfindet", sagt Schumacher, der immer noch an seine minimale Titelchance glaubt. Zehn Punkte liegt er vor dem Saisonfinale 2006 hinter Weltmeister Alonso zurück und weiß nur zu gut, was die Stunde geschlagen hat: Er muss unbedingt gewinnen und sein spanischer Widersacher darf keinen einzigen Punkt holen, muss also ausfallen oder bestenfalls Neunter werden.

Angesichts dieser Konstellation ist Schumachers Taktik klar. "Wir fahren voll auf Angriff und streben einen Doppelsieg an, was sonst", meint der 37-Jährige. Das sei schließlich die einzige Chance, die er habe, um seinen achten Titel noch zu erobern: "Alles andere liegt nicht mehr in unserer Hand." Natürlich wäre es besonders schön, dieses letzte Rennen zu gewinnen, sagt der Ferrari-Star: "Das wäre ein toller Abschluss für mich und für uns alle ein willkommener Anlass, ausgiebig zu feiern."

Wenigstens der Konstrukteurs-Titel soll her

Sollte es mit dem Fahrer-Titel nicht klappen, will Schumacher seinem Arbeitgeber wenigstens die Konstrukteurs-WM schenken. "Alles in allem gibt es nur gute Gründe, sich auf dieses Rennen zu freuen", sagt der Aussteiger, für den die Rennstrecke Interlagos schon immer einen eigenen Reiz hatte: "Ich bin da immer gern gefahren. Natürlich wünsche ich mir ein schönes Rennen, denn dann könnte ich mit dem Hochgefühl gehen, das einem ein Sieg gibt."

Doch Alonso will beim Schumacher-Abschied nicht mitspielen. Der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte würde wahrscheinlich als Depp verspottet, wenn er das Zepter auf der Zielgeraden noch aus der Hand gäbe. "Wir müssen auf Nummer sicher gehen und dürfen nicht zu viel riskieren", erläutert der 25-Jährige seine Taktik, die so gar nicht zu ihm passt: "Wir haben einen guten Vorteil, den sollten wir nutzen." Für Alonso ist es ebenfalls ein Abschied: Nach beinahe fünf Jahren verlässt er Renault und wechselt zu Mclaren-Mercedes.

Weber verspricht faires Duell

Für Willi Weber ist die Entscheidung noch lange nicht gefallen. "Alonso hat die Hosen voll, dass doch noch etwas schief läuft", sagte der Schumacher-Manager der Bild-Zeitung. Das fange schon beim Essen im Hotel an. Im Auto werde der Spanier jetzt übersensibel auf alles reagieren: "Nee, das Rennen hat der lange nicht im Sack." Auch wenn extrem viel auf dem Spiel steht, verspricht Weber ein faires Duell, doch damit kann er Alonsos Ängste in keinster Weise zerstreuen.

Die Entscheidung, den Helm nach fast 16 Jahren an den Nagel zu hängen, habe er bislang nicht bereut, sagte Schumacher: "Irgendwann hat alles mal ein Ende." Der Aufwand in der Formel 1 sei extrem hoch, man müsse sich als Rennfahrer immer wieder motivieren, und dafür sei sein Akku einfach zu leer, schilderte Schumacher seine Beweggründe zu dem Rücktritt: "Ich sehe nicht, dass ich alles noch mit der gleichen Motivation leisten kann."

Schumacher "ganz entspannt"

Nervös und emotional besonders aufgewühlt, sei er vor seinem Abschiedsrennen bisher absolut nicht, erzählt der erfolgreichste Rennfahrer der Formel-1-Geschichte. "Ich bin ganz entspannt, denn ich habe nichts zu verlieren", sagt Schumacher. Da das Titelrennen für ihn gelaufen sei, verspüre er auch keinen Druck. Dass es sein letztes Rennen ist, spielt für Schumacher scheinbar keine Rolle: "Darüber denke ich im Moment gar nicht nach. Ich habe es geschafft mich 16 Jahre auf das Wesentliche zu konzentrieren, so ist es auch hier."

© SID

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