Motorsport Formel1
Schumachers Comeback bei Mercedes perfekt

Michael Schumacher wird ab der kommenden Saison neben Nico Rosberg für das Mercedes-Werksteam fahren. "Die Idee ist, dass ich drei Jahre fahre", sagte der Rekordweltmeister.

Schöne Bescherung: Mit der Rückkehr von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher hat Mercedes den deutschen Formel-1-Fans das perfekte Weihnachtsgeschenk gemacht. Am Mittwoch bestätigten die Stuttgarter offiziell das größte Comeback in der Geschichte der "Königsklasse". "Die Idee ist, dass ich drei Jahre fahre", sagte Schumacher am Mittwoch in einer Telefonkonferenz und formulierte gleich wieder ganz hohe Ambitionen: "Mein Ziel ist es natürlich, am Ende wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen." Schumacher soll angeblich sieben Mill. Euro pro Jahr kassieren, das wäre gerade mal ein Fünftel seiner letzten Fahrergage 2006 bei Ferrari.

1 239 Tage nach seinem nach seinem Abschied aus der "Königsklasse" will Schumacher im Mercedes-"Silberpfeil" beim Saisonauftakt am 14. März in Bahrain als dann 41-Jähriger gleich wieder die Messlatte für seine "Erben" um Shootingstar Sebastian Vettel sein. Gemeinsam mit Nico Rosberg (Wiesbaden) bildet er zudem bei der werksseitigen Mercedes-Rückkehr nach 55 Jahren ein deutsches Dream Team.

"Es hätte kein anderes Team gegeben"

"Ich möchte gar nicht leugnen, dass mich die Vorstellung eines deutschen Teams in der Formel 1 extrem reizt - ich glaube, das würde jedem deutschen Rennfahrer so gehen", sagte der siebenmalige Weltmeister, den vor allem die "unvorhersehbare Kombination" aus seinem alten Freund Ross Brawn und seinen einstigen Förderern von Mercedes zurück in die Formel 1 gelockt hat: "Es hätte kein anderes Team gegeben, dass ich ernsthaft in Erwägung gezogen hätte."

Die Idee, bei Mercedes wieder einzusteigen, sei zum ersten Mal im November aufgekommen, "als Ross mich informiert hat, was er plant und wie Mercedes sich engagiert. Da ist mir das Rennfahrerherz aufgegangen. Da hat es in mir wieder richtig gefunkt, weil es alte Bekannte und Weggefährten sind und es nur in dieser Kombination möglich ist." Bei den Stuttgartern war er einst Mitglied des Junior-Teams, mit finanzieller Hilfe der Schwaben schaffte er 1991 den Sprung in die Formel 1. Unter der Regie von Brawn hatte er bei Benetton und Ferrari all seine sieben WM-Titel geholt.

"Ferrari zu verlassen, war nicht einfach"

"Ferrari zu verlassen, war nicht einfach. Ich war 14 Jahre dort und habe gute Erinnerungen. Der einzige ernsthafte Grund für die Rückkehr war, noch einmal mit Mercedes arbeiten zu können", sagte Schumacher: "Sie haben mir die Chance gegeben, in die Formel 1 zu gehen. Jetzt ist es schön für mich, etwas zurückgeben zu können." Schumacher habe halt "ein Elefanten-Gedächtnis", meinte sein Manager Willi Weber.

Bis zum Unfall von Felipe Massa im Sommer habe er nicht daran gedacht, noch einmal in die Formel 1 zurückzukehren, sagte Schumacher. Als er es dann doch versuchte, machte ihm seine Gesundheit nach einem schweren Motorradsturz vom Februar noch einen Strich durch die Rechnung, die zurückgekehrte Leidenschaft aber blieb. "Im Sommer konnte ich den Belastungen nicht standhalten. Ich habe mich aber akribisch vorbereitet und jetzt alle Übungen gemacht, die ich im Sommer nicht aushalten konnte. Ich habe auch die Bestätigung von meinem Arzt, dass ich keine Befürchtungen haben muss", erklärte der erfolgreichste Formel-1-Pilot aller Zeiten.

In bislang 250 GP-Rennen holte Schumacher 91 Siege und stand 68 Mal auf der Pole Position. Auch seine 1 369 WM-Punkte, 74 schnellste Runden, die 23 219 Führungskilometer, 13 Siege sowie 148 Punkte in einer Saison (2004) oder 154 Podiumsplätze sind Rekordmarken in der "Königsklasse".



"Nach drei Jahren Pause habe ich all die Energie wieder, die mir damals gefehlt hat", sagte Schumacher, der einen Vertrag am Vorabend unterschrieben hatte: "Der Nacken ist kein Problem mehr. Im Sommer war es noch zu nah am Unfall dran, jetzt ist alles ausgeheilt."

Ross Brawn hat als künftiger Mercedes-Teamchef keine Zweifel daran, dass sein Lieblingsschüler schnell wieder an seine alte Leistungen anknüpfen wird. "Michael kann sich selbst am besten einschätzen, ich vertraue ihm da völlig. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass er einen guten Job machen wird", meinte der Engländer.

Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug freut sich auf die späte Traumhochzeit. "Michael hat mehr von allem als alle anderen Rennfahrer. Wir hatten immer die Absicht, dass er dort fahren sollte, wo seine professionelle Karriere einst begann. Wir haben oft darüber gesprochen, aber es klappte 1995, 1998 und 2005 nicht. Deshalb bin ich überglücklich, dass es jetzt 2010 klappt", meinte Haug.

Rosberg findet Schumacher-Comeback "fantastisch"

"Es ist fantastisch, dass Michael in die Formel 1 zurückkehrt und mein Teamkollege bei Mercedes ist", sagte Rosberg: "Für mich ist es eine große Herausforderung, an der Seite eines der besten Rennfahrer aller Zeiten zu starten." Vize-Weltmeister Vettel hofft, "dass er trotz seines Alters noch fit genug ist, um bei uns mitzufahren. Das hat keiner so wirklich erwartet." Bei den Buchmachern von bwin wird Schumacher sogar schon mit einer WM-Quote von 6,50 bereits vor dem Heppenheimer geführt (8,00).

Schumachers Bruder Ralf, bei Mercedes schon DTM-Werksfahrer, kann die Entscheidung voll und ganz verstehen: "Da gibt es nicht viel zu überlegen, auch ich hätte nicht gezögert." Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda regte bereits an, dass "Bernie Ecclestone das halbe Gehalt von Michael Schumacher bezahlen" sollte: "Denn was der jetzt für die Formel 1 weltweit wieder in Bewegung setzt, ist unglaublich."

Jochen Mass, einst bei Mercedes Schumachers "Fahrlehrer", findet es dagegen schade, dass der Kerpener bei einem anderen Team als Ferrari sein Comeback gibt. "Michael geht zudem ein hohes Risiko ein, sollte es nicht so laufen, wie er es sich vorstellt. Die Erwartungshaltung ist sehr hoch, das weiß er selber am Besten."

Volle Unterstützung genießt Schumacher auf jeden Fall von seiner Frau Corinna und seiner Familie. "Ich musste keine Überzeugungsarbeit leisten", sagte er: "Meine Frau ist zufrieden, wenn ich zufrieden bin. Sie hat am Blick meiner Augen erkannt, dass es genau das ist, was ich möchte."

© SID

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