Motorsport Formel1
"Schumi II" vor Abschied aus der Formel 1

Ralf Schumacher wird künftig wohl nicht mehr in der Formel 1 seine Runden drehen. "Es sieht so aus, als wäre das meine letzte Fahrt gewesen", sagte der 32-Jährige nach ernüchternden Tests für das Team Force India.

Die Tage von Ralf Schumacher in der "Königsklasse" des Motorsports scheinen gezählt. Nach elf Jahren in der "Königsklasse" hieß es jetzt: Letzte Ausfahrt Jerez. Nach der Testfahrt für Force India am Donnerstag scheint nun klar, dass die Formel 1 im nächsten Jahr erstmals seit 1991 ohne einen Schumacher stattfindet. Aus deutscher Sicht sind dann neben Routinier Nick Heidfeld nur noch die jungen Wilden Nico Rosberg, Sebastian Vettel, Adrian Sutil und Timo Glock am Start.

"Es sieht zurzeit so aus, als wäre das meine letzte Fahrt in einem Formel-1-Auto gewesen", sagte Ralf Schumacher der Bild-Zeitung und scheint sich bereits mit seinem Karriereende arrangiert zu haben: "Selbst wenn sich jetzt noch eine Chance bieten würde - ich werde nicht blind zuschlagen. Es müsste schon richtig Sinn machen."

Silberpfeile und Renault kein Thema

Eine solche Chance dürfte für den 32-Jährigen aber nicht mehr kommen. Den Start für das Hinterbänkler-Team Force India hatte er selbst bereits ausgeschlossen, seine Testfahrt sei lediglich die Einlösung eines schon vor längerer Zeit dem mit ihm befreundeten neuen Teambesitzer Vijay Mallya gegebenen Versprechens gewesen. Zudem war dabei "Schumi II" in Jerez auch noch deutlich langsamer war als der ebenfalls getestete frühere Toro-Rosso-Pilot Vitantonio Liuzzi. Bei Mclaren-Mercedes und Renault, die noch offene Cockpits haben, ist er kein Thema.

Deshalb rät ihm auch sein Bruder Michael, den Helm an den Nagel zu hängen. "Ich habe ihm vor langer Zeit gesagt, dass es so viele Dinge im Leben gibt, die Spaß machen", sagte der Rekordweltmeister in Jerez: "Er könnte noch gute Resultate abliefern, aber er hat im Moment nicht die richtigen Optionen." Mit einem nicht konkurrenzfähigen Auto herumzukriechen, "das muss er sich nicht antun".

Weber: "Die Formel 1 wird ihn vermissen"

Auch Willi Weber, der Schumacher 1997 sechs Jahre nach dessen Bruder Michael auch in die Königsklasse gebracht hatte, kann den Rückzug seines früheren Schützlings verstehen. "Es ist die richtige Entscheidung. Wenn er kein Team findet, wo er sein Talent zeigen kann, sollte er sich das nicht mehr antun", sagte Weber dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Die Formel 1 wird ihn vermissen."

Immerhin hat Schumacher bei seinen 180 Rennen so viele Siege geholt wie alle anderen deutschen Formel-1-Piloten zusammen - wenn sie nicht Schumacher heißen. Mit seinen sechs GP-Siegen wäre Ralf deutlich die deutsche Nummer eins, wenn es seinen Bruder Michael nicht gäbe. Der hatte die unglaubliche Zahl von 91 Siegen gefeiert und war siebenmal Weltmeister geworden. Ansonsten standen in der Königsklasse nur noch Heinz-Harald Frentzen (3), Wolfgang Graf Berghe von Trips (2) und Jochen Mass (1) ganz oben auf dem Podium.

Der Kreis hat sich geschlossen

Zumindest hat Schumacher seinen vielleicht letzten Tag in der Formel 1 genossen. "Ich habe in diesem Team vor elf Jahren meine Karriere begonnen", sagte der Kerpener, für den sich ein Kreis geschlossen hat. Force India, das zuletzt Midland und Spyker hieß, war 1997 noch der Jordan-Rennstall, bei dem "Schumi II" in die "Königsklasse" einstieg.

Von 1999 bis 2004 fuhr er bei Williams, ab 2000 mit BMW-Power, und holte dort seine sechs Siege - den ersten am 15. April 2001 in Imola, den letzten am 6. Juli 2003 in Magny-Cours. Danach war Schumacher immerhin für eine Rekordgage von insgesamt geschätzten 50 Mill. Dollar drei Jahre lang für Toyota unterwegs, ohne an frühere Erfolge anzuknüpfen. Sein Nachfolger Platz bei den Japanern wird GP2-Champion Glock.

Wohl keine Wechsel in die DTM

Natürlich würde er die Formel 1 vermissen. "Sie ist eine lange Zeit in meinem Leben", sagte Schumacher, der Interesse an Projekten außerhalb des Motorsports äußerte. Ein Wechsel in die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft oder die Tourenwagen-WM erscheint unwahrscheinlich. Das meint auch der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck. Nach dessen Ansicht würde ein Umstieg in die DTM "mit Sicherheit nicht leicht".

"Ich war damals einer der ersten Piloten, die das versucht haben und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft ein ganz, ganz schwieriges Pflaster ist", sagte der künftige VW-Motorsportrepräsentant. Ein Schumacher-Engagement in der Tourenwagen-WM hält Stuck "mit Sicherheit für ausgeschlossen".

© SID

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