Motorsport Formel1
"Silberpfeile" beurlauben ranghohen Angestellten

Der Formel-1-Rennstall Mclaren-Mercedes hat einen ranghohen Mitarbeiter seines technischen Stabes suspendiert. Der Angestellte erhielt Ende April offenbar ein Informations-Paket vom Rivalen Ferrari.

Nach dem verpatzten letzten Renn-Wochenende herrscht bei Mclaren-Mercedes auch im Umfeld Ärger: Der Formel-1-Rennstall hat einen ranghohen Mitarbeiter seines technischen Stabes suspendiert. Der Angestellte, über den das Team keine näheren Angaben machte, hat Informationen vom Rivalen Ferrari erhalten.

"Das Team hat erfahren, dass die Person Ende April ein Informationspaket von einem Ferrari-Angestellten bekommen hat", hieß es in einer Mitteilung von Mclaren. Das Fachmagazin auto, motor und sport sowie englische und italienische Medien nannten am Mittwoch den Namen Mike Coughlan, der von Mclaren offiziell weder bestätigt noch dementiert wurde.

Unterlagen mit wichtigen Daten erhalten

Laut ams und Corriere dello Sport habe der 48-jährige Coughlan im Frühjahr von einem Ferrari-Mitarbeiter Unterlagen mit geheimen Daten des Ferrari Fw2007 bekommen. Bei dem Informanten soll es sich laut ams sowie Medienberichten in England und Italien um Coughlans britischen Landsmann und Freund Nigel Stepney handeln, der bereits von Ferrari entlassen wurde. Coughlan und Stepney arbeiteten in den 90er Jahren zusammen bei Benetton und Ferrari.

Einen Tag nach Bekanntwerden der Affäre ging Mclaren-Mercedes sogar noch einen Schritt weiter. "Um möglichen Spekulationen vorzubeugen, hat Mclaren die FIA (Automobil-Weltverband, d.Red.) eingeladen, seine Autos komplett zu untersuchen und sich davon zu überzeugen, dass das Team nicht vom Gedankengut eines Wettbewerbers profitiert", heißt es in einem zweiten Statement vom Firmensitz in Woking.

Die Mclaren-Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton (Großbritannien) und Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) belegen vor dem britischen Grand Prix am kommenden Wochenende in Silverstone die Plätze eins und zwei in der WM-Wertung. Dahinter folgen die beiden Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen.

Angebliche Sabotage der Autos

Ferrari hatte vor wenigen Tagen bei einem Gericht in Modena Klage gegen Stepney eingereicht. Der Brite soll angeblich beim Großen Preis von Monaco im Mai die Autos von Räikkönen und Massa sabotiert haben. Stepney streitet sämtliche Vorwürfe durch seine Anwältin Sonia Bartolini ab. Am Mittwoch teilte Ferrari mit, dass auch eine Klage gegen den betroffenen Mclaren-Mitarbeiter eingereicht wurde, nannte allerdings ebenfalls keinen Namen.

Im Zuge der Ermittlungen gegen Stepney hatte Mclaren von den Behörden in Modena den Hinweis bekommen, dass vertrauliche Ferrari-Daten an einen der eigenen Mitarbeiter weitergegeben worden waren. Bei der Durchsuchung von Stepneys Wohnung in England war laut einer offiziellen Ferrari-Mitteilung belastendes Material gefunden worden.

Stepney, dessen Vertrag bei Ferrari zum Saisonende ausläuft, hatte im Februar Abwanderungsgedanken geäußert. Daraufhin war er vom aktuellen Renngeschehen in den Innendienst versetzt worden. Stepney stand 14 Jahre in Diensten der Scuderia. Von 1993 bis 2001 war er Chefmechaniker. 2002 war er für das Betanken der Rennwagen während der Grand Prix verantwortlich.

Mclaren hat Ferrari und den ermittelnden Behörden in Modena jede Unterstützung bei der Aufklärung der Angelegenheit angeboten. Der Ehrenkodex unter den Top-Teams der Formel 1 sieht vor, beim Versuch einer Werksspionage sofort die Betroffenen zu informieren.

© SID

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