Motorsport Formel1
Vettel hofft auf ein doppeltes Jubiläum

Falls Sebastian Vettel am Sonntag in Abu Dhabi die WM für sich entscheiden kann, wäre das in mehrfacher Hinsicht ein Jubiläum: Es wäre das zehnte Mal, dass im letzten Rennen noch der Spitzenreiter wechselt und gleichzeitig Vettels zehnter Sieg. Der Freitag wird zeigen, wo der Deutsche vor dem großen Finale steht.

Im heißen WM-Showdown in der Wüste von Abu Dhabi hofft Sebastian Vettel auf ein doppeltes Jubiläum. Bislang neunmal in der Geschichte der Formel 1 hat es bei einem WM-Finale noch einen Wechsel an der Spitze gegeben. Mit seinem zehnten GP-Sieg will der Red-Bull-Pilot der zehnte Fahrer werden, der als Verfolger noch auf den WM-Thron klettert.

Dass er die Sensation doch noch schaffen kann, hat Sebastian Vettel im freien Training zum Großen Preis von Abu Dhabi am Freitag gezeigt, dort hat er Rang zwei belegt. Schneller als der Red-Bull-Pilot aus Heppenheim war der Brite Lewis Hamilton im Mclaren-Mercedes, der von den vier Titelkandidaten im WM-Showdown allerdings die schlechteste Ausgangsposition hat. Spitzenreiter Fernando Alonso im Ferrari und der zweitplatzierte Mark Webber im zweiten Red-Bull-Renault belegten nur durch eine Tausendstelsekunde getrennt die Ränge drei und vier.

"Punktetechnisch ist noch immer alles offen", sagt Vettel. Die 15 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Fernando Alonso blendet er komplett aus. Ebenso alle Gedanken daran, was wäre, wenn ihn in Südkorea nicht ein Motorschaden um den Sieg gebracht hätte. "Ich finde, über so etwas nachzudenken ist Energieverschwendung. Die Dinge sind nun mal wie sie sind", sagt der 23-Jährige.

Lieber denkt er an seinen Vorjahreserfolg in Abu Dhabi oder daran, dass beim letzten WM-Showdown mit mehr als zwei Fahrern im Jahr 2007 der vor dem letzten Rennen drittplatzierte Kimi Räikkönen noch Champion wurde. Davor hatte sich Giuseppe Farina 1950 in der ersten Formel-1-Saison überhaupt im letzten Rennen von der dritten Position ganz nach vorne geschoben.



Vettel will die Punktlandung

Vettel, der am Sonntag aus Brasilien noch einmal nach Hause geflogen war und sich erst am Mittwoch auf den Weg in die Wüste machte, hat am Sonntag (14.00 Uhr MEZ/RTL und Sky) noch eine letzte Chance, Lewis Hamilton die Bestmarke des jüngsten Weltmeisters der Geschichte zu entreißen. Für den Hessen aus Heppenheim, wo sein Fanclub am Sonntag beim Public Viewing mitfiebert, wäre es gleich eine doppelte Punktlandung, denn im Erfolgsfall würde er zum ersten Mal in seiner Karriere die WM-Wertung anführen.

Um den Titel sechs Jahre nach dem siebten und bislang letzten Erfolg von Vettels Freund Michael Schumacher wieder nach Deutschland zu holen, braucht der Red-Bull-Pilot aber nicht nur ein perfektes Rennen sondern auch "eine Riesenportion Glück", wie es der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck bei seinem WM-Check für den SID genannt hatte. Bei einem Vettel-Sieg dürfte Alonso bestenfalls Rang fünf belegen, würde Vettel Zweiter, dürfte Alonso nur Neunter und Mark Webber nur Fünfter werden.



"Irgendetwas am Ferrari wird in Rauch aufgehen"

Virgin-Pilot Timo Glock, der wie Vettel aus Hessen stammt, glaubt an den Red-Bull-Piloten. "Mein Bauch sagt mir, dass Vettel es schafft. Er hatte bisher so viel Pech, aber ich habe das Gefühl, diesmal erwischt es Alonso. Irgendetwas am Ferrari wird in Rauch aufgehen", sagte Glock der Bild-Zeitung.

Für den entthronten Titelverteidiger Jenson Button wäre es auch keineswegs ungerecht, wenn Alonso auf dem Weg zu seinem dritten Titel nach 2005 und 2006 auf der Zielgeraden noch abgefangen würde. "Fernando ist ein außergewöhnlicher Fahrer. Allerdings werden sich einige aufgrund der Geschehnisse am Hockenheimring fragen, ob er es wirklich verdient hat", sagte Button.

Möglicherweise würde Vettel in Abu Dhabi von sich aus Webber den Vortritt lassen, falls er selbst keine Chance mehr hat. "Ich bin zur Schule gegangen, ich kann rechnen", sagt der Hesse. Für Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ist jedenfalls "ein zweiter Platz unter korrekten Voraussetzungen oft wertvoller als ein erster auf Kommando und Bestätigung".

© SID

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