Motorsport Formel1
Vettel holt "Pole" in Buttons Heimat

Sebastian Vettel startet beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone von Startplatz eins. Lokalmatador und WM-Spitzenreiter Jenson Button belegte nur Rang sechs.

Am Tag nach dem großen Knall im Machtkampf der Formel 1 sorgte Sebastian Vettel für einen Paukenschlag auf der Rennstrecke. Der deutsche Überflieger sicherte sich in seinem Red Bull im Qualifying zum Großen Preis von Großbritannien am Sonntag (14 Uhr Mesz/live bei Premiere und RTL) in Silverstone bereits die dritte Pole Position in dieser Saison nach Shanghai und Istanbul.

Als Vettel nach seinem Husarenritt aus dem Auto stieg, reckte er immer wieder den erhobenen Zeigefinger in die Höhe. "Es hat alles gepasst, es läuft schon das ganze Wochenende hervorragend", sagte der Hesse. Sein Ziel für das Rennen ist deshalb klar: "Ich will gewinnen." Sein Team hat neue Teile fürs Auto mitgebracht, "damit haben wir einen Schritt nach vorne gemacht".

Lange Gesichter gab es dagegen bei den britischen Fans, denn Lokalmatador Jenson Button landete im Brawn nur auf dem sechsten Startplatz - so weit hinten stand der Dominator in dieser Saison noch nie. Der WM-Spitzenreiter bleibt dennoch gelassen. "Natürlich habe ich mehr erwartet, aber das wird ein langes Rennen, da kann viel passieren", sagte er.

Vierte Startreihe in deutscher Hand

Button, der sechs der bisherigen sieben Rennen gewann, führt die WM-Wertung mit 61 Punkten vor Teamkollege Rubens Barrichello (Brasilien/35) an, der neben Vettel in Reihe eins steht. Weitere sechs Zähler zurück folgt Vettel als WM-Dritter. Der Shootingstar denkt aber nicht an den WM-Titel: "Button ist zu weit vorne, da mache ich mich jetzt nicht verrückt."

Zweitschnellster Deutscher war Nico Rosberg (Wiesbaden), der im Williams auf Platz sieben fuhr. Direkt dahinter steht Timo Glock (Wersau) im Toyota auf Rang acht. Viel Arbeit wartet noch auf das Weltmeisterteam Ferrari: Kimi Räikkönen (Finnland) wurde Neunter, Felipe Massa (Brasilien) Elfter.

Beim BMW-Team, das in dieser Saison eigentlich um den WM-Titel mitkämpfen wollte, ist weiter reichlich Sand im Getriebe. Der Pole Robert Kubica landete auf Platz 12, Nick Heidfeld (Mönchengladbach) wurde gar nur 15. "Von dieser Position ist es unwahrscheinlich, noch in die Punkte zu kommen. Wir haben nicht den Speed, um andere Autos zu überholten", sagte Heidfeld sichtlich enttäuscht.

Sutil macht Bekanntschaft mit Reifenstapel

Deutsches Schlusslicht war Adrian Sutil (Gräfelfing) als 18., der seinen Force India zudem heftig in einen Reifenstapel setzte. Sutil konnte seinem arg zerstörten Auto selbst entsteigen, er musste dennoch zur genauen Untersuchung ins Medical Center an der Rennstrecke.

"Es geht mir gut. Es ist erstaunlich, was die Autos aushalten", sagte Sutil und beschrieb den Unfall: "Es war Tempo 290. Ich hatte plötzlich keine Bremsen mehr, und dann ging es in die Wand." Er habe es noch geschafft, das Auto seitlich aufprallen zu lassen: "Es hat aber doch ganz schön wehgetan." Der 26-Jährige hofft jetzt, dass sein Team das Auto bis zum Rennen wieder aufbauen kann.

Debakel für Weltmeister Hamilton

Von der Rolle war Lewis Hamilton, der sich bei seinem ersten Auftritt als Weltmeister in der Heimat so viel versprochen hatte, dann aber auf Rang 19 abstürzte. "Das ist ein Schande. Ich weiß nicht, was ich machen soll", sagte der Mclaren-Mercedes-Pilot: "Natürlich hätte ich den Fans gerne eine tolle Show geboten und mindestens um Punkte gekämpft, doch davon sind wir meilenweit entfernt."

Hinter den Kulissen ging der Machtkampf auch am Samstag munter weiter. FIA-Präsident Max Mosley glaubt nicht an eine Spaltung der Formel 1 und schließt trotz der verfahrenen Situation persönliche Konsequenzen aus. "Sie wollen die Macht über den Sport und das Geld. Ich werde nicht zulassen, dass das geschieht", sagte Mosley der BBC und erteilte der "Piratenserie" der Rebellen um den Anführer Ferrari eine Absage: "Das ist pure Fantasie. Sie wissen, dass das nicht klappt."

Mosley lehnt Rolle des Sündenbocks ab

Er selbst sieht sich nicht in der Rolle des Sündenbocks, vielmehr sei es jetzt seine Aufgabe, die Formel 1 zu retten, sagte der Boss des Automobil-Weltverbandes FIA. Er sei in den vergangenen Wochen mehrfach von den FIA-Mitgliedern angesprochen und ermuntert worden, den Kampf fortzusetzen. "Wir haben all den Ärger, wir werden angegriffen. Du musst bleiben", habe man ihm gesagt. Die Fronten sind also verhärtet, es ist nicht davon auszugehen, dass das World Council der FIA auf seiner Sitzung am Mittwoch (24. Juni) einen Richtungswechsel beschließt.

Offenbar hält Mosley den angekündigten Ausstieg der acht Teams Brawn, BMW-Sauber, Ferrari, Mclaren-Mercedes, Red Bull, Renault, Toro Rosso und Toyota nur für eine weitere Drohung im Machtpoker um das künftige Regelwerk der Formel 1. "Ich nehme das nicht so ernst wie manche andere, denn ich weiß, dass hier nur posiert wird", sagte der 69-Jährige, der im Oktober für eine weitere Amtsperiode kandidieren will.

© SID

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