Motorsport Formel1
Vettel kämpft gegen Langeweile in der Formel 1

Sebastian Vettel will sich in Istanbul im Titelrennen der Formel 1 zurückmelden. Im freien Training reichte es aber nur zu Rang sechs. Die Bestzeit holte Heikki Kovalainen.

Der finnische Formel-1-Pilot Heikki Kovalainen hat im freien Training für den Großen Preis von Istanbul (Sonntag, 14.00 Uhr/live bei Premiere und RTL) die Bestzeit vorgelegt. Der Mclaren-Mercedes-Pilot benötigte für seine schnellste Runde 1:28, 841 Minuten. Zweiter wurde der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso (Spanien/Renault/1:28,847) vor Nico Rosberg (1:28,952). Shootingstar Sebastian Vettel (Heppenheim) wurde nach drei Runden der zweiten Einheit von einem technischen Defekt bei seinem Red-Bull-Renault gestoppt und wurde trotzdem noch mit der sechstbesten Zeit notiert (1:29,202).

Vettel hat viel vor

Auf der Strecke, die ihm vor drei Jahren sein erstes sportliches Highlight bescherte, will Vettel sich am Sonntag im Titelrennen zurückmelden und die Langeweile in der WM bekämpfen. Dabei muss der deutsche Shootingstar gegen zwei Seriensieger antreten. Der Brite Jenson Button (Brawn) gewann die letzten drei Rennen in Folge und ist Red-Bull-Pilot Vettel an der Spitze der WM-Wertung enteilt. Im Training musste er sich aber mit Rang 14 begnügen. Vize-Weltmeister Felipe Massa (Brasilien/Ferrari) siegte dreimal hintereinander in Istanbul und will mit einem weiteren Erfolg in der Türkei (Sonntag ab 14.00 Uhr Mesz/live bei RTL und Premiere) den Angriff auf den Deutschen starten.

Vettel ist wieder etwas vorsichtiger geworden, nachdem er zuletzt in Monaco den Titelkampf ausgerufen hatte und anschließend nach einem Fahrfehler ausschied. "Ich bin kein Prophet", sagte der 21-Jährige: "Wir sind hier, um zu gewinnen und die Saison ist noch jung." Die Konstanz seiner Konkurrenten ringt ihm jedoch Respekt ab: "Wenn Brawn weiter so fährt, sind sie schwer zu schlagen. Aber wir dürfen uns sowieso nicht darauf verlassen, dass sie Fehler machen, sondern müssen auf uns selbst schauen."

Allerdings verbindet Vettel mit dem vom Aachener Architekten Hermann Tilke entworfenen Kurs im asiatischen Teil Istanbuls "ganz besondere Erinnerungen". 2006 durfte er erstmals im freien Training für BMW auf die Strecke und legte gleich eine sensationelle Bestzeit hin. Im Vorjahr kam er im damals fünften Saisonrennen erstmals ins Ziel, wurde dabei aber Letzter. "Das war die Wende zum Guten", sagt er dennoch.

28 Punkte Rückstand auf Button

Aktuell beträgt der Rückstand des WM-Dritten auf den mit neuem Frontflügel fahrenden Button stolze 28 Punkte - mehr als Vettel in dieser Saison bislang eingefahren hat (23). Selbst wenn der Hesse alle elf ausstehenden Rennen gewinnen sollte, würde es Button reichen, in jedem Lauf Zweiter zu werden. Dass der 29-jährige Brite stets davon spricht, "dass noch viel passieren kann", ist derzeit reines Understatement.

Inzwischen macht sich sogar der katastrophal gestartete Massa wieder Hoffnung, den Himmelsstürmer aus Heppenheim noch einzuholen. "Brawn ist einfach zu souverän, aber Red Bull ist mal sehr stark und dann wieder nicht. Also muss Platz zwei in der Teamwertung unser neues Ziel sein", sagte der Brasilianer.

Seriensieger Massa

Der Istanbul Park ist außerdem seine Lieblingsstrecke. In den vergangenen drei Jahren holte Massa, der auf einen weiterentwickelten Doppel-Diffusor zurückgreifen kann, jeweils das Triple aus Pole Position, schnellster Rennrunde und Sieg. Als einziger außer ihm gewann bisher sein Teamkollege Kimi Räikkönen bei der Premiere 2005, damals noch in einem Mclaren-Mercedes.

Aktuell fahren die "Silberpfeile" hinterher. Mercedes-Sportchef Norbert Haug bezeichnete sein Team um Weltmeister Lewis Hamilton als derzeit "nicht konkurrenzfähig". Auch bei BMW muss bei der Premiere des Doppel-Diffusors endlich wieder etwas Zählbares herausspringen. Nico Rosberg (Wiesbaden/Williams) gilt bei beiden Teams schon als potenzieller Neuzugang. Auf Wiedergutmachung ist derweil Toyota-Pilot Timo Glock (Wersau) aus. Nach zwei dritten Plätzen in den ersten beiden Rennen wurde er in den letzten beiden Läufen jeweils überrundet und blieb ohne Punkt.

Strecke auf dem Prüfstand

Neben den Fahrern steht am Wochenende auch die Strecke in Istanbul auf dem Prüfstand. Gerüchten zufolge soll der bis 2011 laufende Vertrag wegen mangelnden Interesses bei Fans und Sponsoren nicht verlängert werden. Die türkischen Medien interessieren sich in diesem Jahr jedenfalls mehr für den wahrscheinlichen Wechsel des Kölner Fußball-Trainers Christoph Daum zu Fenerbahce.

"Istanbul war der schlechteste Deal, den ich jemals gemacht habe", sagte Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, der das Betreiberkonsortium übernommen hat. Und Streckenchef Can Güclü befürchtet, "dass wir 2011 zum letzten Mal Gastgeber für die Formel 1 sein könnten".

© SID

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