Motorsport Formel1
Vettel macht WM-Wunder wahr

Sebastian Vettel im Red Bull hat die Überraschung perfekt gemacht und sich im Saisonfinale in Abu Dhabi den WM-Titel gesichert. Fernando Alonso (Ferrari) enttäuschte als Siebter.

Am Ziel seiner Träume brachen bei Sebastian Vettel alle Dämme, schluchzend und mit stockender Stimme bedankte er sich als neuer Formel-1-Weltmeister über Boxenfunk bei seinem Team: "Danke, Jungs, Weltmeister, unglaublich!" Später rang er nach Worten, um seine perfekte Punktlandung auf dem WM-Thron zu erklären.

"Einfach unglaublich. Ich kann nicht glauben, dass das heute passiert ist", sagte der 23-Jährige nach dem größten Erfolg seiner Karriere. Mit dem Sieg beim Großen Preis von Abu Dhabi krönte sich der Red-Bull-Pilot im heißesten WM-Showdown der Geschichte als zweiter Deutscher nach Michael Schumacher und jüngster Pilot aller Zeiten zum Formel-1-Weltmeister. Als die Hymne für ihn gespielt wurde, schämte sich der junge Champion seiner Tränen nicht, er schlug die Hände vor das Gesicht und ließ die Magie des Augenblicks wirken.

Enttäuschender Alonso nur auf Rang sieben

Fernando Alonso hatte mit der Entscheidung letztlich nichts mehr zu tun, der Ferrari-Star patzte im entscheidenden Rennen der Saison und kam nicht über Rang sieben unmittelbar vor Vettels ebenfalls geschlagenem Teamkollegen Mark Webber hinaus.

"You are the Man"

Auf der Ehrenrunde schüttelte er immer wieder er den Kopf, fasste mit beiden Händen an den Helm, freudetrunken, völlig aufgedreht. "You are the man", funkte Teamchef Christian Horner ins Cockpit, bevor Vettel alle Freude rausbrüllte. Rund 90 Minuten nach dem Zieleinlauf stieg in der Teambox bereits eine wilde Party. Bei lauter Rockmusik und dem üblichen "We are the champions" wurde Vettel in seinem schwarzen Weltmeister-Shirt abwechselnd in Champagner und Red Bull gebadet.

Erste Gratulanten, als Vettel aus dem Auto stieg, waren Lewis Hamilton und Vorgänger Jenson Button. "Der letzte Teil der Saison war für Sebastian grandios", sagte Schumacher, der seit Sonntag nicht mehr Deutschlands einziger Formel-1-Weltmeister ist.

"Als ich über die Linie gefahren bin, wusste ich erst noch gar nicht, ob es gereicht hat, was wir abgeliefert haben", sagte Vettel: "Ich wollte mich ganz auf mich konzentrieren. Mein Ingenieur sagte mir, es sieht ganz gut aus. Da hatte ich mich erst gewundert." Doch wenige Sekunden später war der Triumph Gewissheit.

"Einmal im ganzen Jahr in Führung zu sein, und dann ganz am Ende ganz oben zu stehen, ist etwas ganz besonderes", sagte Vettel. Nach einer Saison mit unzähligen Aufs und Abs schaffte der junge Mann aus Heppenheim genau im richtigen Moment den Sprung auf Platz eins - zum ersten Mal überhaupt in seiner Karriere. Genau 2 324 Tage nach Schumachers siebtem und letzten WM-Titel 2004 in Magny-Cours erklang in der Formel 1 wieder die deutsche Nationalhymne für einen Weltmeister. Vettels Freundensprung auf das Podium erinnerte dann auch sehr an seinen Freund Schumacher.

Seitenhiebe auf Ferrari

Am liebsten hätte er das Podium gar nicht mehr verlassen und nahm mit Red-Bull-Berater Helmut Marko einen großen Schluck aus der Champagner-Flasche. "Wir sind sportlich Weltmeister geworden", sagte Teamchef Horner: "Auf der Strecke, ohne Stallorder." Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz meinte: "Es ist wunderschön, damit haben wir nicht mehr gerechnet. Es ist einfach gewaltig. Am Schluss haben wir vielleicht mehr Glück als Verstand gehabt, aber es passt schon."

Start-Ziel-Sieg für souveränen Vettel

Vettel fuhr von der Pole Position ein perfektes Rennen und holte sich seinen fünften Saisonsieg. Am Ende hatte er mit 256 Punkten vier Zähler Vorsprung vor dem untröstlichen Alonso (252), dem neben einem schwachen Start ausgerechnet eine in der ersten Runde von Schumacher ausgelöste Safety-Car-Phase einen Strich durch die Titelrechnung machte. An dem früh mit neuen Reifen bestückten Renault-Piloten Witali Petrow kam er danach nicht mehr vorbei und zeigte ihm in der Auslaufrunde sogar wutentbrannt die Faust.

Später meinte der Spanier: "Leider ist alles nicht so gelaufen wie geplant. Aber so ist der Motorsport. Es ist alles fair und sauber gelaufen, da kann man nur gratulieren. Nächstes Jahr sind wieder da." Auf WM-Rang drei landete schließlich Webber (242) vor Hamilton (240). "Ich war nicht schnell genug. Sebastian hatte das richtige Timing. Wir haben alle mal in der WM-Wertung geführt. Es ist kein leichter Tag für mich. Das Leben geht aber weiter", sagte Webber.

Für Red Bull war Vettels Triumph in der Fahrerwertung sieben Tage nach dem erstmaligen Gewinn der Konstrukteurs-WM die Krönung einer herausragenden Saison. Vettel, für den der zehnte Sieg seiner Karriere der wichtigste war, löste mit 23 Jahren, vier Monaten und elf Tagen den in Abu Dhabi zweitplatzierten Lewis Hamilton als jüngsten Champion der Formel-1-Geschichte ab. Der Brite war bei seinem Erfolg 2008 rund fünf Monate älter als Vettel.

Hinter Hamilton komplettierte dessen Mclaren-Kollege Jenson Button als Dritter das Podium. Mercedes-Pilot Nico Rosberg, der wie Petrow schon in der ersten Runde neue Reifen geholt hatte, kam durch diesen Strategiecoup zum Saisonabschluss noch einmal auf Rang vier. Nick Heidfeld als Elfter, Adrian Sutil auf Rang 13 und Nico Hülkenberg auf Position 16 verpassten die Punkteränge. Neben Schumacher schied auch Timo Glock aus.

Beim Start behauptete Vettel souverän seine Pole Position gegen Hamilton, Alonso dagegen verlor das Duell gegen Button und versuchte vergeblich, ihm den Weg auf den dritten Rang zu verbauen. Der Spanier hatte danach als Vierter direkt Webber im Nacken.

Schumachers Arbeitstag endet auf der ersten Runde

Schon nach wenigen hundert Metern sorgte dann Schumacher im 250. Rennen eines Mercedes-Safety-Cars für dessen 135. Einsatz. Nach einem Dreher kam er entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen, der Italiener Vitantonio Liuzzi konnte mit seinem Force-India-Mercedes nicht mehr ausweichen und prallte fast frontal gegen Schumachers Silberpfeil. Als das Rennen zur sechsten Runde wieder freigegeben wurde, behielt Vettel souverän die Führung.

Nach seinem Boxenstopp in Runde 15 hatte Alonso plötzlich das Problem, dass durch die Stopps in der ersten Runde neben Rosberg auch Petrow vor ihm war. "Ich weiß, du gibst dein Bestes, aber sieh zu, dass du an Petrow vorbeikommst", funkte Alonsos Renn-Ingenieur ihm ins Cockpit. Wenig später wäre Alonso fast ins Heck des Renault geprallt. Am Ende war er machtlos.

© SID

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