Motorsport Formel1
Vettel vom Zuschauer zum Punktesammler

Von null auf hundert in drei Tagen: Sebastian Vettel ist in Rekordzeit vom Ersatzmann zum "echten" Formel-1-Piloten durchgestartet und hat gleich in seinem ersten Grand Prix einen WM-Punkt eingefahren.

Als Zuschauer war Sebastian Vettel zum Großen Preis der USA nach Indianapolis gereist, als Punktesammler kann er sich auf den Heimweg machen. Der Heppenheimer ist innerhalb von drei Tagen vom Ersatzmann zum "echten" Formel-1-Piloten gereift und hat sich dabei gleich in die Geschichtsbücher eingetragen: Als jüngster Fahrer aller Zeiten holte Vettel gleich in seinem ersten Grand Prix einen WM-Punkt. Damit hat der 19 Jahre alte BMW-Junior alle Erwartungen erfüllt, auch wenn er eine noch bessere Platzierung schon in der ersten Kurve verloren hatte. Da musste er durch die Wiese ausweichen, um einen Unfall zu vermeiden. Am Ende wurde er für diese Weitsicht belohnt, als er durch Nico Rosbergs Ausfall vier Runden vor Schluss noch Platz acht "erbte".

Insgesamt war es ein gelungenes erstes Grand-Prix-Wochenende für Vettel, der seine große Chance als Ersatz für den nach einem Montreal-Unfall pausierenden Polen Robert Kubica zur perfekten Imagepflege nutzte. "Das sieht so aus, als würde der das können", dachte der 19 Jahre alte BMW-Sauber-Pilot, als er am Samstag auf einem Monitor sich selbst in einer Zeitlupe vom freien Training sah.

Auf den Spuren von Michael Schumacher

Wie gut er es konnte, bewies der Hesse wenige Stunden später, als er in der Qualifikation vor den Augen seines kurzfristig nach Indianapolis eingeflogenen Vaters Norbert Startplatz sieben herausfuhr - die gleiche Position, von der vor fast 16 Jahren auch Rekordweltmeister Michael Schumacher in sein erstes Formel-1-Rennen gegangen war. Und der kam damals nicht ins Ziel.

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen war beeindruckt, wie "professionell und souverän" Vettel seinen Job erledigte und nach dem Ausfall von Nick Heidfeld (Mönchengladbach) das Team vor einer kompletten Nullnummer bewahrte. "Ich habe nicht festgestellt, dass er besonders nervös war", meinte Theissen.

Vettel selbst gab allerdings zu, dass die Nacht zum Freitag für ihn schlimm war: "Ich hatte immerhin lange nicht im Auto gesessen." Doch 83 Runden im freien Training am Freitag gaben ihm die nötige Sicherheit und machten ihn zudem so müde, dass er Freitagnacht "relativ gut" schlief.

Danach begann für Vettel die Zeit des Genießens. "Mit dem schnellsten Auto, das es gibt, hier fahren und gegen die besten Fahrer antreten zu dürfen, das macht schon viel Spaß", sagte Vettel: "Es überrascht einen immer wieder selbst, wie viel Potenzial die Autos haben."

Dass der junge Hesse, der 2004 in der Nachwuchsserie Formel BMW 18 von 20 Saisonrennen gewann, dieses Potenzial auch abrufen kann, war für die meisten im Formel-1-Zirkus keine allzu große Überraschung mehr. Schließlich hatte er bereits im vorigen Jahr als Freitagsfahrer mit Bestzeiten gleich bei seinen ersten beiden Einsätzen für Furore gesorgt.

Lob von Hans-Joachim Stuck

"Jetzt hat er auch unter unheimlichem Druck einen Super-Job gemacht", sagte Hans-Joachim Stuck dem sid über den jüngsten deutschen Formel-1-Fahrer aller Zeiten: "Sebastian hat aber auch wie Lewis Hamilton das Glück, gleich bei seinem Debüt in einem Spitzenauto zu sitzen."

Vettel hat seinen Teil dazu beigetragen, die von ihm erhoffte Leistung abrufen zu können. "Ich habe bei den ersten Rennen ja keinen Urlaub gemacht, sondern versucht, möglichst viel zu lernen. Das hat sehr viel geholfen, denn ich bin immer auf dem Stand geblieben", sagte der Youngster, der zu Beginn der Saison noch freitags zum Einsatz gekommen war. Nach zwei Rennen hatte er aber seinen Platz für die Stammpiloten räumen müssen.

Das gleiche Schicksal steht ihm auch nach seinem ersten Rennen bevor, denn sein Chef hat bereits klar gemacht, dass Vettel nur übergangsweise zum Einsatz kommt. "Sobald Robert Kubica fit ist, sitzt er wieder im Auto", meinte Theissen. Seine Chancen auf ein Renn-Cockpit für die kommende Saison hat Vettel in Indianapolis aber sicher nicht verschlechtert.

© SID

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