Motorsport Formel1
Vettel: "Zuschauen ist niemals schön"

Nach nur einem Rennen in der Formel 1 musste BMW-Sauber-Pilot Sebastian Vettel wieder auf die Ersatzbank - der Pole Robert Kubica kehrte für ihn ins Cockpit zurück. Im Interview spricht Vettel über seine Situation.

Sebastian Vettel durfte im BMW-Sauber ein Rennen lang Formel-1-Luft schnuppern. Nun allerdings findet sich der gebürtige Heppenheimer im zweiten Glied wieder - verdrängt vom etatmäßigen Piloten Robert Kubica. Im Interview spricht Vettel über die aktuelle Situation und seine Zukunft in der Motorsport-"Königsklasse".

sid: "Rein ins Auto, raus aus dem Auto - nach nur einem Rennen sind Sie wieder auf der Ersatzbank gelandet. War's das vorerst mit der Formel 1?"

Sebastian Vettel: "Man kann nicht sagen, dass das Abenteuer Formel 1 für mich beendet ist. Zurückziehen werde ich mich ganz sicher nicht. Es war eine völlig andere Situation für mich in Indianapolis, wo ich mein erstes Rennen gefahren bin. Ansonsten wusste ich vor der Saison, was mich erwartet. Ich bin Ersatzfahrer. Das heißt, dass ich im Ernstfall einspringen darf oder muss."

sid: "Das klingt nicht gerade nach Enttäuschung ..."

Vettel: "So schlau bin ich schon, dass ich genau weiß, dass es beim nächsten Rennen ganz anders sein kann und ich wieder zuschauen muss. Zuschauen ist niemals schön, als Racer will man immer fahren. Wenn man das nicht kann, ist man logischerweise verärgert darüber. Ich habe jetzt aber keinen Grund auf irgendjemanden sauer zu sein. Indy war ein tolles Wochenende und eine großartige Erfahrung für mich."

sid: "Was ist dran an den Gerüchten, dass Sie Stammfahrer bei Toro Rosso werden sollen?"

Vettel: "Ich habe auch nur davon gehört und weiß nicht, woher das kommt. Wirklich seriös wurde nicht darüber gesprochen. Ich habe mich damit nicht befasst, weil es gar nicht mein Thema ist. Aber so ist das halt mit den Geschichten in der Formel 1. Derzeit wird sogar darüber spekuliert, ob Michael Schumacher wieder zurückkommt. Ich finde das zum Teil amüsant, welche Theorien da in Umlauf sind."

sid: "Auf was konzentrieren Sie sich die nächsten Wochen?"

Vettel: "Auf das, was Sache ist. Ich bin ja bei allen Rennen dabei. Ich mache hier sicher keinen Urlaub und langweile mich nur, sondern ich nutze meine Zeit."

sid: "Und wie?"

Vettel: "Ich schaue bei den Trainingssessions, dem Qualifying und im Rennen zu. Das ist natürlich nicht so spannend, weil man gerne selber fahren möchte. Ich bin auch sonst beim Team, bin bei allen Abläufen und bei jedem Meeting dabei. Ich bekomme mit, was am Auto verändert wird, was es für neue Teile gibt, was für eine neue Software verwendet wird, und so weiter."

sid: "Das klingt nicht gerade nach einem Rennfahrer-Leben ..."

Vettel: "Aber dadurch bleibe ich immer auf dem neuesten Stand. Das ist wichtig, falls ich mal wieder einspringen muss, wenn einem der anderen beiden Fahrer irgendwas passiert - was sich allerdings niemand hier wünscht. Ich muss dennoch bereit sein und wissen, für was jeder Knopf da ist. Und zum anderen intressiert mich das alles. Es wäre wohl auch die falsche Einstellung, wenn ich an die Strecke kommen und denken würde: Oh, ich kann nicht fahren, da mache ich ein bisschen den Lenz und verzieh mich möglichst früh wieder. "

sid: "Also keine Spur von Langeweile ..."

Vettel: "Nein, mich interessiert das alles sehr. Ich rede mit den Leuten und kenne mittlerweile auch alle im Team. Wir sind alle Freunde geworden, egal, ob Fahrer, Mechaniker oder Ingenieure. Die schlimmste Zeit für mich ist, wenn die Autos fahren, dann kann ich wirklich nichts machen."

sid: "Sie sind jetzt 20 Jahre alt. Bis wann muss es mit dem Stammplatz in der Formel 1 klappen?"

Vettel: "Das kann man nicht am Alter festmachen, sondern muss es von Fall zu Fall entscheiden. Da ich aber mit grauen Haaren noch keine Probleme habe, kann ich auch noch nicht zu alt für die Formel 1 sein. Ich setze mich nicht unter Druck und gehe die Sache Schritt für Schritt an."

sid: "Was sind Ihre Wünsche in der Formel 1?"

Vettel: "Ich will Rennen fahren, vorne mitmischen und gewinnen. Und dann natürlich irgendwann einmal Weltmeister werden, ganz klar. Dass das ein sehr hochgestecktes Ziel ist, weiß ich auch. Ich sehe aber keinen Grund, warum ich das nicht schaffen sollte."

sid: "Sehen Sie Ihre Zukunft weiter bei BMW?"

Vettel: "Liebend gerne. Ich arbeite schon seit Anfang 2005 mit BMW zusammen, nachdem ich 2004 in der Formel BMW Meister geworden bin. Da ist es doch verständlich, dass ich auch für dieses Team Rennen in der Formel 1 fahren möchte."

© SID

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