Motorsport Formel1: Vettels perfektes Pokerspiel bei Alonsos Sieg

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Vettels perfektes Pokerspiel bei Alonsos Sieg

Fernando Alonso hat im Ferrari den Großen Preis von Italien in Monza gewonnen. Sebastian Vettel im Red Bull wurde dank eines Last-Minute-Stopps noch Vierter vor Nico Rosberg.

Mit einem unglaublichen Pokerspiel hat Sebastian Vettel beim Ferrari-Heimsieg von Fernando Alonso in Monza den vierten Platz erobert und damit in der WM-Wertung wertvolle Punkte gesammelt. Zwar fiel der Red-Bull-Pilot vom dritten auf den fünften Rang zurück, den Rückstand auf die Spitze, die jetzt wieder sein Teamkollege Mark Webber hält, verringerte er aber auf 24 Punkte. Erst nach der vorletzten Runde absolvierte Vettel seinen obligatorischen Reifenwechsel und schob sich in letzter Sekunde in einem scheinbar verkorksten Rennen an dem am Ende sechstplatzierten Webber und auch noch an Mercedes-Pilot Nico Rosberg vorbei.

"Der vierte Platz war unter dem Strich das Maximum, damit kann ich zufrieden sein. Wir können stolz auf uns sein", sagte Vettel nach seinem taktischen Husarenstück, nachdem er zuvor wegen kurzfristig nachlassender Motorleistung seinen Platz an Webber verloren hatte. Auf die Gesamtwertung wollte Vettel noch gar nicht schauen. "Wie groß der Rückstand ist, ist eigentlich wurscht. In der Ruhe liegt die Kraft, wir müssen einfach so weitermachen wie bisher", sagte er.

Weil der bisherige Spitzenreiter Lewis Hamilton schon in der ersten Runde nach einer Kollision ins Kiesbet rauschte und Alonso vor Weltmeister Jenson Button seinen dritten Saisonsieg feierte, sind die ersten fünf Fahrer im Titelrennen wieder ganzeng zusammengerückt. Webber führt mit 187 Zählern jetzt vor Hamilton (182) und Alonso (166). Titelverteidiger Button kommt auf 165 Zähler, Vettel auf 163. Ab dieser Saison gibt es für jeden Sieg 25 Punkte, in den noch ausstehenden fünf Rennen sind also noch 125 Zähler zu vergeben. Und die restlichen Strecken sollten alle Vettels Red Bull entgegenkommen.

Alonso von Ferrari-Fans gefeiert

Während der 23 Jahre alte Red-Bull-Pilot seinen kleinen Triumph im Stillen feierte, schwappte Alonso auf dem Siegerpodest die riesige rote Begeisterungswelle der Ferrari-Fans entgegen. Gleich in seinem ersten Jahr in Diensten der Scuderia holte er den prestige-trächtigen Heimsieg im königlichen Park von Monza und festigte damit seinen Platz im Herzen der Tifosi. "Ein fantastisches Gefühl, aber auch ein hartes Rennen", meinte Alonso, der beim Start noch seine Pole Position an Button verloren hatte. Der war zwar ein bisschen enttäuscht, die Führung nicht gehalten zu haben. "Aber es war dennoch ein gutes Wochenende, Zweiter ist ein gutes Resultat", sagte der britische Mclaren-Mercedes-Pilot.

Teamkollege Hamilton dagegen ärgerte sich. "Die WM ist noch nicht vorbei, aber es sind Fehler wie diese, durch die man eine Weltmeisterschaft verliert", sagte der enttäuschte Brite und gab zu, "ein bisschen zu viel" riskiert zu haben: "Ich hätte länger auf diesem Platz bleiben sollen." Für Hamilton, der zuletzt in Spa noch seinen dritten Saisonsieg gefeiert hatte, war es die dritte Nullnummer in diesem Jahr nach Barcelona und Budapest.

Angesichts dessen war Webber sauer über seinen sechsten Platz, trotz des Sprungs zurück an die WM-Spitze. "Wir hätten daraus mehr Kapital schlagen und viele Punkte holen können", sagte der Australier: "Aber es sind nur ein paar geworden. Man muss immer das Beste aus seinen Möglichkeiten machen, deshalb war es kein guter Tag."

Neben Vettel und Rosberg holten auch noch Nico Hülkenberg auf Rang sieben und der von Position zwölf ins Rennen gegangene Rekordweltmeister Michael Schumacher als Neunter WM-Punkte. Adrian Sutil und Timo Glock landeten auf den Platzen 16 und 17.

Button überholt Alonso beim Start

Beim Start schob sich Button gleich an Alonso vorbei, der in einem harten Duell gegen Teamkollege Massa gerade noch Platz zwei behauptete. In der zweiten Schikane kollidierte Hamilton mit dem vor ihm fahrenden Massa, wobei die rechte Vorderradaufhängung an Hamiltons Mclaren brach und der Brite ins Kiesbett rutschte. Dadurch rückte Rosberg auf Rang vier vor.

Vettel war zunächst hinter dem schwach gestarteten Webber hängengeblieben und zurückgefallen, schaffte es im Verlauf der ersten Runde aber wie der von Rang zwölf losgefahrene Schumacher, an dem Australier vorbeizukommen. Hinter Hülkenberg ging dieses Trio auf den Plätzen sieben bis neun in die zweite Runde.

In Runde sechs schaffte es Webber, Schumacher zu überholen und an Vettels Heck zu hängen. Beide fanden zunächst aber keinen Weg vorbei an Hülkenberg. Dafür Webber in Runde 21 einen vorbei an Vettel, der über Boxenfunk von Motorenproblemen berichtete. Kurz darauf fuhr Vettel aber wieder ähnliche Rundenzeiten wie sein Teamkollege, der in Runde 35 wie Rosberg die Reifen wechselte und danach den vor ihm fahrenden Robert Kubica überholte.

In Runde 36 fuhr Button an die Box und gab damit die Führung an Alonso ab. Der stoppte eine Runde später und kam unter dem frenetischen Jubel der Tifosi ganz knapp vor Button als Erster zurück auf die Strecke kam.

Vettel blieb länger auf der Piste und versuchte, genügend Zeit für seinen Stopp herauszufahren. Ein gewagter Poker, der in letzter Sekunde noch aufging.

© SID

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