Motorsport Formel1
Volles Risiko bei Vettel - Alonso mit Vorsicht

Im Titelendspurt der Formel 1 könnte beim Großen Preis von Brasilien die Entscheidung zu Gunsten Fernando Alonsos fallen. Sebastian Vettel dominierte indes beide Trainings.

Sein Teamkollege giftet ihn an, die Teamführung könnte ihn zum Edelhelfer degradieren, und Fernando Alonso hat den Champagner schon kaltgestellt: Sebastian Vettel steht im heißen Titelendspurt in der Formel 1 mit dem Rücken zur Wand, doch mit vollem Risiko will er seinen WM-Traum am Leben erhalten.

Die Zeichen stehen vorerst gut, der Heppenheimer konnte sich bei beiden Trainingseinheiten zum vorletzten Rennen in Sao Paulo mit einer Bestzeit durchsetzen. Teamkollege und WM-Konkurrent Mark Webber belegte beide Male Platz zwei. Lewis Hamilton (Mclaren), der bei der ersten Einheit auf Platz drei landete, wurde bei der zweiten Einheit Vierter. Titelaspirant Fernando Alonso konnte während des späteren Trainings hingegen einiges gutmachen und fuhr auf den dritten Rang. Während der ersten Trainingseinheit war der Spanier im Ferrari nach einem Motorschaden nur auf den 13. Platz gefahren.

"Es ist noch nicht vorbei, und ich werde nicht aufgeben", sagte der 23-Jährige: "Es sind noch 50 Punkte zu vergeben. Und wenn wir in diesem Jahr eines gelernt haben, dann, dass sich das Blatt schnell wenden kann. Wir werden angreifen, und die Strecke sollte uns liegen."

Doch Vettel fährt nicht nur gegen die Statistik - seit 2005 wurde der Weltmeister immer in Brasilien gekrönt und dies könnte am Sonntag nur Alonso schaffen - sondern auch gegen Widerstand im eigenen Team. Sein elf Jahre älterer Kollege Webber (220 Punkte), mit elf Zählern Rückstand auf Alonso (231) und 14 Zählern Vorsprung auf Vettel (206) vor dem vorletzten Rennen am Sonntag in Sao Paulo (17.00 Uhr MEZ/RTL und Sky) WM-Zweiter, sprach Vettel öffentlich den Status eines großen Talents ab.

Webber schießt gegen Vettel

"Vettel ist jung, das ist der einzige Unterschied. Ich erkenne nicht, dass er in irgendeiner Art anders arbeitet als sagen wir mal Heikki Kovalainen bei Lotus", sagte der Australier, der bereits mehrfach eine angebliche Sonderbehandlung des Hessen bei Red Bull angedeutet hatte: "Wenn ich zehn Jahre jünger wäre und die gleichen Resultate hätte, dann würdet ihr doch alle glauben, ich wäre der nächste Superstar."

Alonso könnte am Sonntag vorzeitig seinen dritten Titel nach 2005 und 2006 feiern, wenn er das Rennen gewinnt und Webber maximal Fünfter wird. Für Vettel kann es in Brasilien dagegen nur ein Motto geben: Volle Kraft voraus. Nur ein Sieg hält dem dominierenden Fahrer der letzten beiden Rennen die WM-Chance offen. Und nur wenn er auf der Buckelpiste in Sao Paulo vom Start weg das Rennen diktiert, darf er auch wirklich frei fahren. Ansonsten müsste er während des Rennens Webber wohl Schützenhilfe leisten.

"Es gibt einen Punkt, an dem die Mathematik diktiert", sagte Teamchef Christian Horner: "Wenn einer von beiden realistisch gesehen keine Chance mehr hat, dann werden sie natürlich versuchen, das Teamergebnis zu optimieren, denn beide sind Teamplayer." Und Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko erklärte: "Wir werden genau kalkulieren, wer wo und wann ins Ziel kommen muss."

Lauda schreibt Vettel schon ab

Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda fordert Red Bull gar unmissverständlich auf, sich schon vor dem Rennstart festzulegen. "Vettel kann man abschreiben", sagte der Österreicher: "Er hat keine Chance mehr, wie soll das funktionieren? Red Bull muss alles auf die Karte Webber setzen, muss den Webber von früh bis Abend streicheln."

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hat neben den beiden "Bullen" auch noch den drittplatzierten Lewis Hamilton (210) im Visier. "Sehr vorsichtig" müsse man sein, meinte der Italiener, ins Ziel zu kommen, laute die oberste Devise. Die Rivalen versucht Domenicali durch Spott zu verunsichern. "Wenn man bedenkt, dass Red Bull ein so großartiges Auto entworfen hat, dann ist es in meinen Augen schon ein Wunder, dass wir überhaupt um den Titel kämpfen", meinte Domenicali, der sich bereits zur Saisonmitte auf Alonso festgelegt und Felipe Massa auch auf Kosten einer 100 000-Dollar-Strafe für die verbotene Teamorder in Hockenheim zum Wasserträger degradiert hatte: "Hätten wir ein solches Fahrzeug, wäre die WM bereits entschieden."

© SID

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