Motorsport Formel1
Zanardi gibt wieder im F1-Boliden Gas

Alessandro Zanardi hat am Samstag in Valencia ein beeindruckendes Formel-1-Comeback gefeiert. Der beinamputierte Italiener gab im Rahmen des Formel-BMW-Weltfinales in Valencia im Formel-1-Auto des BMW-Sauber-Teams Gas.

Alessandro Zanardi durfte am Samstag einen besonderen Moment erleben: In Valencia hat der beinamputierte Italiener sein beeindruckendes Formel-1-Comeback gegeben. Im Rahmen des Formel-BMW-Weltfinales absolvierte der 40-Jährige in einem auf seine Bedürfnisse umgebauten Formel-1-Auto des BMW-Sauber-Teams insgesamt zwölf Runden.

"Ich bin stolz, dass ich diese Chance bekommen habe. Das Auto ist fantastisch. Es reagiert sehr präzise und läuft wie ein Schweizer Uhrwerk", meinte Zanardi: "Das hat mich verblüfft, denn normalerweise braucht es viel mehr Zeit, um an den Details zu feilen."

Horror-Crash vor fünf Jahren

Als erster beinamputierter Rennfahrer saß Zanardi in einem Formel-1-Auto und fuhr auf Anhieb Zeiten, als hätte es die lange Pause nie gegeben. In seiner schnellsten Runde wurde er in 1:21,63 Minuten gestoppt. "Alex ist auf Anhieb sehr gut zurecht gekommen, was auch an seinen Rundenzeiten abzulesen ist. Man merkt, dass er kein Formel-1-Neuling ist und nichts von seinem Können verlernt hat", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Die Münchner hatten einen aktuellen Formel-1-Boliden eigens für Zanardi umgebaut. Gas geben konnte er mit einem Wippschalter, der sich links am Lenkrad befindet. Auf der rechten Hinterseite des Lenkrads ist eine weitere Wippe, mit der Zanardi schaltet. Weil er mit der rechten Hüfte mehr Kraft aufbringen kann, verlegten die Ingenieure das Bremspedal von der linken auf die rechte Seite. Die rechte Prothese des Routiniers wurde wie in seinem BMW-Tourenwagen mit einem Tapeverband am Pedal befestigt. Um den engen Raum im Cockpit noch effektiver nutzen zu können, ließ sich der zweimalige US-Cart-Champion eigens kleinere Prothesen anfertigen.

Zanardi hat in seiner Karriere zwischen 1991 und 1994 sowie 1999 in der Formel 1 für Jordan, Lotus und Williams insgesamt 41 Grand Prix absolviert. Am 15. September 2001 verlor er bei einem schweren Unfall während des Cart-Rennens auf dem Eurospeedway Lausitz beide Beine - aber nicht seinen Lebensmut.

Viele strahlende Mienen

"Ich habe viele zufriedene Gesichter gesehen, jeder war überrascht, dass es auf Anhieb so reibungslos gelaufen ist. BMW hat mir immer die größte Unterstützung zukommen lassen, besonders in der Tourenwagen-WM. Am Steuer eines Formel-1-Autos zu sitzen, ist jedoch eine ganz andere Welt", verriet Zanardi und machte auch seine besondere Motivation deutlich: "Ich wollte beweisen, dass es für Behinderte keine Hindernisse gibt."

Bereits beim Finale zur Tourenwagen-EM 2004 in Monza hatte Zanardi ein sensationelles Comeback gefeiert und am 28. August 2005 in Oscherleben Motorsport-Geschichte geschrieben, als er als erster körperbehinderter Fahrer ein Rennen (Tourenwagen-WM) gewann. Im ausklingenden Jahr ließ er in Istanbul einen weiteren WM-Sieg folgen.

Im Rahmenprogramm des Formel-BMW-Weltfinales wird Zanardi am Sonntag noch weitere Runden auf der 4,005 Kilometer langen Strecke drehen.

© SID

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