Motorsport Formel1
Zetsche droht mit Mercedes-Rückzug

Daimler-Vorstand Zetsche droht kurz vor der Entscheidung zur "Lügen-Affäre" mit einem Rückzug aus der Formel 1. Am Montag stehen im Vorstand mögliche Szenarien zur Debatte.

Daimler-Vorstand Dieter Zetsche droht mit einer Vollbremsung der Silberpfeile in der Formel 1 und hat damit die Situation vor der Verhandlung des Automobil-Weltverbandes FIA am Mittwoch weiter verschärft. "Wenn sich das Umfeld ändern sollte, etwa durch eine unangemessene Bestrafung durch die FIA, wäre es möglich, dass wir das Engagement überdenken", sagte Zetsche dem Focus und setzte die FIA damit unter Druck. Zuvor hatte bereits der Betriebsrat der Stuttgarter wegen der hohen Kosten und geplanten Einsparungen von zwei Mrd. Euro den Ausstieg aus der Königsklasse gefordert.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins soll am Montag im Daimler-Vorstand über mögliche Ausstiegsszenarien aus der Formel 1 debattiert werden. Mercedes-Sportchef Norbert Haug bestätigte in Bahrain entsprechende Aussagen von Zetsche, meinte aber, dass es "kein Ausstiegsszenario" sei. "Wir haben immer gesagt, sollten die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann denken wir nach. Und zu den Rahmenbedingungen gehört auch, dass wir eine gerechte Strafe erhalten", sagte Haug.

FIA-Weltrat entscheidet Mittwoch über Bestrafung in "Lügen-Affäre"

Der FIA-Weltrat entscheidet in Paris in einer außerordentlichen Sitzung über eine mögliche Bestrafung von Mclaren-Mercedes wegen der "Lügen-Affäre". Von einer Geldstrafe über eine Sperre für mehrere Rennen bis hin zum WM-Ausschluss ist alles möglich. Mercedes ist gemeinsam mit Mclaren in der Formel 1 vertreten - das gemeinsame Projekt kostet geschätzte 270 Mill. Euro pro Jahr - und beliefert zudem Brawn und Force India mit Triebwerken.

Mclaren-Chef Martin Whitmarsh reagierte gelassen auf die Aussagen vom Hauptanteilseigner Mercedes-Benz, der 40 Prozent des gemeinsamen Rennstalls besitzt. "Das ist momentan nicht meine größte Sorge. Zetsches Kommentare waren ausgewogen, wir werden einen Weg finden", sagte Whitmarsh: "Wir nehmen nichts als gegeben hin und müssen für alle unsere Partner Leistung bringen, inklusive Daimler." Man wisse, dass in der Krise der Automobilindustrie niemand eine Zusage über mehrere Jahre geben könne, aber er mache sich derzeit keine Sorgen über einen Ausstieg von Mercedes.

Theissen: "Mercedes muss wissen, was sie machen"

Die Diskussionen um ein baldiges Ende des Formel-1-Engagements von Mercedes-Benz waren trotzdem das beherrschende Thema beim Großen Preis von Bahrain. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sagte, dass es bei den Münchnern keine Ausstiegsdiskussionen gebe: "Mercedes muss wissen, was sie machen."

Der im Winter von den Silberpfeilen umworbene Williams-Pilot Nico Rosberg sagte dem SID: "Vielleicht wollen sie mit diesen Aussagen Druck auf die FIA machen. Die FIA braucht Mercedes. Ein Ausstieg dieser Supermarke wäre eine Katastrophe für die Formel 1." Er denke, dass Mercedes die eine oder andere Strafe bekommen werde, "aber hoffentlich keine zu harte".

Ryan und Dennis bereits zurückgetreten

Im Kampf um ein mildes Urteil hatte sich das Team wegen der "Lügen-Affäre" schon von Mclaren-Sportdirektor Dave Ryan getrennt. Zudem gab Ron Dennis, Intimfeind von FIA-Präsident Max Mosley, seinen Posten als Mclaren-Boss auf.

Zuletzt hatte Whitmarsh ebenfalls seinen Rücktritt angeboten und einen Entschuldigungsbrief an FIA-Chef Mosley geschrieben. "Wir haben in den letzten Jahren als Mclaren nicht immer alles richtig hinbekommen, wir müssen auch im Verhältnis zur FIA besser werden", sagte Whitmarsh.

Als Teil dieser Wandlung versuchte sich Mclaren-Mercedes in Bahrain so offen wie nie zuvor zu präsentieren - mit Cocktails, rockiger Musik und dem Motto "Don t worry, be happy".

Weltmeister Hamilton präsentiert sich einsichtigt

Auch der an der "Lügen-Affäre" beteiligte Weltmeister Lewis Hamilton, der sich öffentlich entschuldigt hatte, präsentiert sich nach "einer besonders schwierigen Zeit" einsichtig. "Als ich Nelson Mandela getroffen habe, hat er mir gesagt, dass er mit seinen 90 Jahren noch immer lernt, und auch ich werde an jedem einzelnen Tag meines Lebens noch etwas dazulernen", sagte der 24-jährige Brite.

Hamilton glaubt an eine Zukunft von Mclaren-Mercedes: "Ich werde meinem Team nicht den Rücken kehren, nur weil es einmal hart wird. Wir haben noch eine lange Reise vor uns." Ob sie mit Mercedes weitergeht, entscheidet sich am Mittwoch.

© SID

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