Motorsport Formel1
Zetsche macht Druck auf erfolglose Silberpfeile

Der Crash zwischen den Mercedes-Teamkollegen Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen beim Großen Preis von Indianapolis hat Oberboss Dieter Zetsche mächtig erzürnt. Dieser fordert beim Rennstall wieder mehr Erfolge.

Bei Mercedes hängt nach den zuletzt unrühmlichen Ereignissen in der laufenden Formel-1-Saison der Haussegen schief. Der zu Beginn so ambitionierte Rennstall wartet im Jahr 2006 nach wie vor auf einen Sieg und musste seinen traurigen Höhepunkt erleben, als sich die Teamkollegen Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen beim Großen Preis von Indianapolis gegenseitig von der Strecke bugsierten. Aus diesem Grund hat Oberboss Dieter Zetsche das Formel-1-Projekt von Mercedes jetzt unter Erfolgsdruck gesetzt. Zwar bekannte sich der Vorstandsvorsitzende von Daimler-Chrysler prinzipiell zu einem längerfristigen Engagement des Konzerns in der Königsklasse, stellte aber Bedingungen und will Einfluss auf Entscheidungen von Mclaren-Mercedes nehmen.

"Müssen mit Mercedes siegfähig sein"

"Der Motorsport ist ein wichtiges Instrument der Markenpflege. Aber wir müssen mit Mercedes siegfähig sein und erkennbar gute Chancen auf die Weltmeisterschaft haben. Schließlich wollen wir als Marke Führung und Richtung geben", sagte Zetsche am Rande des Großen Preises der USA. Nach dieser Aussage musste er live miterleben, wie der Kolumbianer Montoya nach wenigen Sekunden seinen eigenen Teamkollegen Kimi Räikkönen (Finnland) von der Strecke beförderte und einen Massenunfall mit acht Autos mitauslöste.

Die Durststrecke seit dem letzten Silberpfeil-Sieg von Räikkönen am 9. Oktober in Suzuka dauert nun noch fast neun Monate, obwohl der mit einem Budget von angeblich über 300 Mill. Euro zu den Branchenführern zählende Rennstall eigentlich den Titel gewinnen wollte. Räikkönen hat als Vierter der Fahrerwertung 49 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Alonso, Mercedes als Nummer drei der Markenwertung gar 66 Zähler auf Renault.

Haug steht nicht zur Disposition

Zetsche will noch "keine Ultimaten" setzen oder "die Schuldigen suchen", aber seine Geduld hat Grenzen: "Natürlich ist es auch wichtig, sympathisch rüberzukommen, wenn man nicht gewinnt. Aber das kann keine Dauerlösung sein." Mercedes-Sportchef Norbert Haug steht bislang allerdings noch unter dem Schutz von Zetsche.

Der Konzernchef, der gerade mit der Kritik am Abbau von 8 500 Stellen bei Mercedes kämpft, fordert aber ein "effektives Engagement in der Formel 1 - also mehr Return als Investition". Deshalb spricht er in den Entscheidungen über das Budget und Fahrerfragen das gewichtigste Wort mit - und er hat klare Vorstellungen über die Cockpitbesetzung für 2007: "Am liebsten würde ich Kimi und Alonso dort sehen. Zum Thema Michael Schumacher sage ich klar nein. Die Geschichte ist an dieser Fragestellung vorbeigegangen."

Festzustehen scheint, dass Montoya mit dem zweiten Crash binnen einer Woche - in Kanada hatte er schon Williams-Pilot Nico Rosberg von der Piste befördert - wohl den letzten Kredit verspielt hat. Zwar bestrafte ihn der Automobil-Weltverband FIA nicht, aber er wurde von den meisten Beteiligten als Unfallverursacher beschuldigt.

"Wenigstens eine gute Show"

Dass Heißsporn Montoya danach bemerkte, dass die Zuschauer beim Unfall mit einem Vierfach-Überschlag von BMW-Pilot Nick Heidfeld "wenigstens eine gute Show" gesehen hätten, sagt genug. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug holte den stinksauren Räikkönen ("Ratet mal, wer da wieder von hinten kam?") mit einem Golfcar vom Unfallort ab. "Ein Auffahrunfall sollte in der Rennerei genausowenig passieren wie im Straßenverkehr", meinte Haug.

Der Saisonverlauf für Mclaren-Mercedes sei bislang "sicher enttäuschend, weil wir den Speed dominieren wollen". Gezeigt haben es die Silberpfeile bislang nicht.

© SID

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