Motorsport Formel1
Zwei Deutsche bei Hamilton-Sieg auf dem Podium

Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Australien gewonnen. Hinter dem englischen "Silberpfeil"-Piloten fuhren Nick Heidfeld (BMW Sauber) und Nico Rosberg (Williams) aufs Podium.

Melbourne-Triumphator Lewis Hamilton vollführte wahre Freudentänze, Mercedes-Sportchef Norbert Haug kämpfte mit den Tränen, Nick Heidfeld und Nico Rosberg feierten gemeinsam auf dem Podest mit: Das erste Rennen seit rund 16 Jahren ohne die Familie Schumacher erlebte die Geburtsstunde einer neuen "Formel Deutsch".

Nicht Weltmeister Ferrari, sondern deutsche Power saß Hamilton im Nacken. Heidfeld gewann im BMW-Sauber schließlich das Duell um die deutsche Nummer eins gegen Williams-Pilot Rosberg (Wiesbaden), der hinter dem Mönchengladbacher den dritten Rang belegte und zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere auf dem Treppchen stand. Hamilton feierte bei Temperaturen von fast 40 Grad Celsius seinen fünften Grand-Prix-Sieg und unterstrich eindrucksvoll seine Titelambitionen.

Mercedes-Sportchef: Haug: "Ein Traumstart"

"Ein Traumstart, unsere harte Arbeit hätte nicht besser belohnt werden können. Das war einer unserer schönsten Siege", meinte Haug. Das schwarze Jahr 2007 für die Silberpfeile, mit Spionage-Affäre, Alonso-Ärger und doppelter WM-Pleite scheint endgültig vergessen. Sein Team führe beide WM-Wertungen an und sei klar schneller als alle Rivalen gewesen, sagte der Mercedes-Sportchef stolz.

Danach musste auch Haug sich beeilen, noch am Sonntagabend ging es zurück nach Deutschland, die große Party stieg über den Wolken. Auch der Mercedes-Sportchef war begeistert von der Formel Deutsch: "Toll, alle im Windschatten von Mercedes. Für Nico freue ich mich ganz besonders, wir kennen uns gut."

Vize-Weltmeister Hamilton ließ sich beim WM-Auftakt 2008 auch von der deutschen Rasselbande nicht stoppen. Der 23-Jährige behielt im Glutofen Albert Park von Beginn an kühlen Kopf und dominierte im Mclaren-Mercedes das von vielen Unfällen, Ausrutschern, Ausfällen und insgesamt drei Safety-Car-Phasen geprägte Chaosrennen, in dem nur sieben Autos ins Ziel kamen. "Ich hatte ein super Auto, eine super Strategie und ein super Team - das war unser Tag", meinte der Brite, der mit seiner Familie einen gemütlichen Abend in einem japanischen Restaurant verbringen wollte.

Vater Keke fieberte am Fernsehen mit Sohn Nico mit

"Das war ein großartiges Podium. Mercedes, BMW und Nico. Was kann man sich aus deutscher Sicht noch mehr wünschen?", sagte Keke Rosberg, der seinem Sohn daheim vor dem Fernseher fest die Daumen gedrückt hatte. 22 Jahre nach dem Papa stand damit erstmals wieder ein Rosberg auf dem Formel-1-Treppchen. Vater Keke hatte 1982 den WM-Titel gewonnen - auch er saß damals in einem Williams. Und der Filius hat sich einiges vorgenommen: "Das ist Wahnsinn, das erste Mal auf Podest zu stehen. Ich glaube, dass wir an den Top Teams dranbleiben können."

Mit einem Lachen im Gesicht verließ auch Mario Theissen das brütend heiße Melbourne: "Wenn wir den Blickkontakt nach vorne halten, bin ich zufrieden für den Anfang der Saison," sagte der BMW-Motorsportdirektor, er warnte aber zugleich: "Ich glaube, Ferrari ist weit hinter den eigenen Möglichkeiten geblieben. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich das wiederholt. Wenn doch, werden wir wieder da sein." Für Heidfeld war es ein fantastischer Auftakt, mit dem er eigentlich gar nicht gerechnet hatte: "Beim Start hatte ich durchdrehende Räder und konnte Nico nicht mehr halten, da dachte ich nur: Das wird heute verdammt schwer."

Kovalainen noch von Alonso abgefangen

Der neue Silberpfeil-Pilot Heikki Kovalainen (Finnland) belegte den fünften Platz. In der Schlussphase musste er ausgerechnet den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso vorbeilassen. Der Spanier hatte nach einem enttäuschenden Jahr mit vielen internen Querelen das Mercedes-Team wieder verlassen und war zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Renault zurückgekehrt.

Einen Fehlstart hatten die drei anderen deutschen Fahrer. Für Toro-Rosso-Pilot Sebastian Vettel (Heppenheim) war das Rennen nach einer Kollision schon in der ersten Runde gelaufen. Adrian Sutil (Gräfelfing) musste seinen Force-India-Ferrari mit Hydraulikdefekt abstellen, und Timo Glock (Wersau) humpelte leicht verletzt davon.

Der Hesse verlor eingangs der Start-Ziel-Gerade die Kontrolle über seinen Toyota, schoss über eine Bodenwelle auf der Wiese und flog schließlich nur um Zentimeter an einer Mauer vorbei. "Mir geht es ganz gut, aber meine Hand tut mir ein bisschen weh. Ich hoffe, dass das nicht schlimmer wird, ich bin wohl mit den Händen an die Cockpitwand geschlagen", sagte der Nachfolger von Ralf Schumacher bei Toyota.

Debakel für die Scuderia

Ein Debakel gab es für Ferrari. Weltmeister Kimi Räikkönen (Finland) musste seinen roten Renner drei Runden vor Schluss mit technischem Defekt abstellen. Doch da war sein Rennen längst verloren, nach Fahrfehlern und Ausrutschern lag der "Iceman" aussichtslos auf Platz neun zurück, war damit sogar Letzter.

Räikkönen wurde aber noch mit einem WM-Punkt belohnt, nachdem der ehemalige Ferrari-Pilot Rubens Barrichello (Brasilien) im Honda bei roter Startampel zurück auf die Strecke gefahren war. Dafür wurde "Rubinho" von den Sportkommissaren nachträglich aus der Wertung genommen, Räikkönen rutschte so vom neunten auf den achten Rang. Sein Teamkollege Felipe Massa (Brasilien) war zuvor ebenfalls ausgeschieden.

Sutil war traurig, wieder einmal hatte ihn die Technik im Stich gelassen. "Ich war im siebten Gang und konnte plötzlich nicht mehr runterschalten. Die Servolenkung hat auch nicht mehr funktioniert", sagte der 25-Jährige. Vettel, mit 20 Jahren der Jüngste der fünf Deutschen, meinte: "Mein Start ist in die Hose gegangen, das war eigentlich der Grund für meine Kollision." Wie ist das passiert? Vettel: "In der Kurve waren links und rechts Autos neben mir, und dann habe einen Schlag auf das rechte Hinterrad bekommen."

© SID

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