Motorsport International
Mosley bleibt Präsident der FIA

Der wegen einer Sex-Affäre heftig in die Kritik geratene Max Mosley bleibt Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA. Der 68-Jährige hatte in Paris die Vertrauensfrage gestellt.

Max Mosley bleibt trotz seiner Sex-Affäre Präsident des Automobil-Weltverbandes und stürzt die FIA dadurch in ein Chaos. Denn kaum hatte der umstrittene 68 Jahre alte Brite am Dienstag auf der Generalversammlung in Paris eine Vertrauensabstimmung deutlich gewonnen, da dachten einige große Mitgliedsverbände offen über eine Abspaltung von der FIA nach. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (Adac) verhängte sogar einen Boykott und lässt alle Ämter und die Mitarbeit im Weltverband ruhen, so lange Mosley im Amt bleibt.

"Der Adac nimmt die Entscheidung, Max Mosley in seinem Amt als FIA-Präsident zu bestätigen, mit Bedauern und Unverständnis zur Kenntnis. Dies ist für Europas größten Automobilclub ein Grund, ab sofort seine Ämter und die Mitarbeit in dem Weltdachverband der Automobilclubs ruhen zu lassen und sich aus den weltweit tätigen FIA-Arbeitsgruppen zurückzuziehen", teilte der Adac mit, dessen Präsident Peter Meyer gegen Mosley gestimmt und "ein anderes Ergebnis erwartet" hatte.

Andere große Verbände prüfen bereits, dem Beispiel des Adac zu folgen. "Ich kann mir keine andere Organisation vorstellen, die in so einer Situation zu so einem Ergebnis kommt", schimpfte Robert Darbelnet vom größten Einzelverband AAA aus den USA.

Ecclestone: "Es wird schwierig für ihn"

Skeptisch äußerte sich auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. "Es wird schwierig für ihn, als Präsident weiter zu agieren, wenn die Leute, die nicht mehr mit ihm verhandeln wollen, bei ihrer Position bleiben", sagte der Brite: "Ich hoffe, dass das nicht die Zusammenarbeit mit den Herstellern und Sponsoren destabilisiert." Der bestätigte FIA-Präsident genoss seinen Erfolg auch im Stillen und stellte sich danach nicht der Öffentlichkeit.

Mosley hatte wegen der Sex-Affäre die Vertrauensfrage gestellt, obwohl er von fast allen Seiten zum Rücktritt gedrängt worden war. Bei der mit Spannung erwarteten außerordentlichen Vollversammlung trafen die Delegierten der 222 FIA-Mitgliedsverbände zusammen. Die deutschen Stimmen übten Meyer und Torsten Johne als Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes (Dmsb) aus. Laut FIA stimmten nach der etwas mehr als zweistündigen Debatte 103 Delegierte für Mosley und 55 gegen den Briten. Es gab sieben Enthaltungen, vier Stimmen waren ungültig.

Max Mosley war nach einem in einer britischen Zeitung veröffentlichten Sex-Video in die Kritik geraten und von vielen Mitgliedsverbänden zum Rücktritt aufgefordert worden. Der Brite, seit 1993 als FIA-Präsident oberster Regelhüter im Motorsport, bleibt somit bis Herbst 2009 im Amt. Mosley hatte für den Fall seines Triumphes vor dem "FIA-Tribunal" angekündigt, nicht noch einmal kandidieren zu wollen.

Begonnen hatte die Sitzung um 10.00 Uhr vormittags, Mosley hatte unbeobachtet durch einen Hintereingang das Gebäude betreten. Bei der teilweise emotional geführten Aussprache stützte sich der einst angesehene Patentanwalt auf zwei Argumente. Zum einen bezeichnete er die Affäre als terroristischen Anschlag auf seine Person, bei dem man die Terroristen nicht durch seine Abwahl noch bestätigen dürfe. Zum anderen sei er der Einzige, der die bevorstehenden Verhandlungen mit den Formel-1-Rechtehaltern CVC und über ein neues Concorde Agreement mit den Teams und Herstellern für die FIA angemessen führen könne.

Damit überzeugte er anscheinend viele kleinere Verbände und Sportorganisationen. Viele große Automobilklubs, die trotz ihrer viel höheren Mitgliederzahlen kein gewichtigeres Stimmrecht haben, denken daher jetzt über eine Trennung des Automobilbereichs vom Motorsport innerhalb der FIA nach.

"Wenn der nächste Präsident 2009 auch wieder aus dem Bereich des Sports kommt, dann ist das das Ende der Zusammenarbeit", sagte Guido van Worken vom niederländischen Automobilklub. In den letzten Tagen hatten noch einmal Formel-1-Boss und Mosley-Freund Bernie Ecclestone sowie in einem gemeinamen Brief 24 Verbände, an der Spitze die drei mitgliederstärksten AAA, JAF (Japan) und Adac, den FIA-Chef vergeblich zum Rücktritt aufgefordert.

"Die Mehrheit der Delegierten hat die unbestrittenen Verdienste von Max Mosley für den Motorsport offensichtlich höher bewertet als den Schaden, der in den vergangenen Wochen entstanden ist", teilte der Dmsb in einem Statement mit: "Der Respekt vor dem Gremium gebietet es, die Entscheidung zu akzeptieren."

BMW "respektiert die Entscheidung"

Auch der Münchner Automobilhersteller BMW respektiert "diese Entscheidung, die die Delegierten in Kenntnis aller Fakten getroffen haben", sagte Motorsportdirektor Mario Theissen: "Es ist wichtig, dass sich alle Beteiligten ab jetzt wieder ganz auf den Sport konzentrieren."

Ausgelöst hatte die Affäre ein heimlich aufgenommenes und von der britischen Zeitung News of the World ins Internet gestelltes rund fünfstündiges Sex-Video, in dem Mosley im Beisein von fünf Prostituierten zu sehen war. Seine Beteiligung an den Sex-Spielen hatte er auch nie geleugnet und das als seine Privatsache bezeichnet. Nur von einem von der Zeitung interpretierten Nazi-Hintergrund hatte sich der Sohn des britischen Faschistenführers Sir Oswald Mosley distanziert.

© SID

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