Motorsport
Investor gibt der Formel 1 Rätsel auf

Die neuen Besitzer des BMW-Sauber-Teams machen sich als großzügige Gönner im Sportgeschäft einen Namen. Dabei wollen sie möglichst diskret vorgehen. Doch die Gerüchteküche kocht. Und langsam dringen immer mehr Details über die Hintermänner ans Licht der Öffentlichkeit.

ZÜRICH. Leute, die Geld geben, wollen meist keine Fragen beantworten. Und Leute, die Geld bekommen, stellen oft keine Fragen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Qadbak Investments in den vergangenen Wochen gleich zweimal als großzügiger Retter im Sportgeschäft auftauchen konnte, ohne dass man viel über die Hintermänner der ominösen Investmentgesellschaft erfahren hätte. Die Schweizer Stiftung, soviel ist bekannt, hatte Anfang Juli den englischen Viertliga-Klub Notts County übernommen. Diese Woche folgte der zweite Streich: Qadbak kaufte dem Automobilhersteller BMW das Formel-1-Team BMW Sauber ab. Die Fußballer und Rennfahrer waren froh über die Finanzhilfe der Unbekannten – und respektierten den Wunsch nach Diskretion.

In beiden Fällen waren die offiziellen Mitteilungen über den Sportinvestor äußerst knapp. Die Stiftung vertrete Interessen von im Mittleren Osten und in der Schweiz ansässigen Familien, heißt es in der Presseerklärung des BMW-Konzerns. „Dem haben wir nichts hinzuzufügen“, sagte Sprecher Jörg Kottmeier. Qadbaks Interessen im Formel-1-Geschäft soll der Schweizer Lionel Fischer wahren. Über Fischer ist jedoch genauso wenig bekannt wie über Qadbak.

Auch über den Kaufpreis für den Formel-1-Rennstall herrscht Stillschweigen. Brancheninsider spekulieren jedoch über eine Summe von rund 80 Mio. Euro. Besonders die Schweizer nahmen die Transaktion mit Erleichterung auf. „Wir gehen davon aus, dass wir 2010 sicher am Start sind und der Standort Hinwil gerettet ist“, sagte Vorbesitzer Peter Sauber. Er erwartet, dass die Investoren langfristig an einem Engagement in der Formel 1 interessiert sind. Noch aber ist nicht sicher, ob das Team überhaupt in der nächsten Saison starten wird. Wegen der unklaren Besitzverhältnisse hat der Automobil-Weltverband Fia den Rennstall auf die Warteliste verbannt. Falls die anderen Rennställe ihre Zustimmung zu einer Aufstockung der Serie verweigern, muss Qadbak darauf hoffen, dass ein anderes Team sich zurückzieht.

Etwas mehr glauben die Briten über die „Swiss Connection“ mit arabischem Geld herausgefunden zu haben. Auf der Insel ist man auf Qadbak aufmerksam geworden, nachdem der Investor im Sommer über sein Vehikel Munto Finance den Fußballklub Notts County übernommen hatte. Das einzig Bemerkenswerte an Notts County war bis dahin, dass der Verein der älteste Liga-Verein der Welt sein soll. Das Provinzdasein änderte sich durch den Einstieg von Qadbak schlagartig. Notts County verpflichtete mit dem frischen Geld kurzerhand Englands Ex-Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson. Für 40000 Pfund pro Woche soll der Schwede den Klub in fünf Jahren in die Premier League führen. Qadbak hat angeblich für den Verein aus der Nähe von Nottingham keinen Penny bezahlt, dafür aber dessen sechsstellige Schulden übernommen.

„Es handelt sich um Leute, die zurückgezogen leben und nicht im Rampenlicht stehen wollen“, sagte Glenn Rolley, Vorsitzender des Fan-Trusts von Notts County, dem Sender BBC. Auch die Londoner PR-Firma Tavistock, die Qadbak offiziell vertritt, hüllt sich in Schweigen: „Im Moment können wir nicht mehr sagen“, sagte Sprecher Jeremy Carey, „aber es wird in einigen Wochen noch viele zusätzliche Informationen geben.“

So lange wollen die Engländer nicht warten. Und so haben britische Medien Verbindungen von Qadbak ins Scheichtum Katar entdeckt. Unklar ist, ob es sich um die königliche Familie Al Thani oder den gleichnamigen Investor Abdullah bin Saeed al Thani handelt. Peter Willet, ein Vertreter von Thani Investments, ist jedenfalls nun im Notts-County-Vorstand. Bald muss der Finanzinvestor aber seine Karten aufdecken. Der englische Fußballverband verlangt von jedem Besitzer eines Klubs ein Testat, dass er seriös und in der Lage ist, die Vereinsgeschäfte zu führen. Dieser Test ist noch nicht abgeschlossen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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