Motorsport
Mclaren auf der Anklagebank

WM-Spitzenreiter Mclaren-Mercedes kann vor den letzten vier Formel-1-Rennen des Jahres durch den Spionage-Skandal alles verlieren: Das in der Fahrer- und Markenwertung souverän führende Team sitzt an diesem Donnerstag in Paris erneut auf der Anklage-Bank.

dpa HAMBURG. Der Ausgang der zweiten Anhörung in der Affäre um die gestohlenen Ferrari-Daten vor dem Weltrat des Automobil-Weltverbandes FIA ist völlig ungewiss. „Ich erwarte, dass das bestätigt wird, was wir sagen. Wir können mit Fug und Recht behaupten, nichts gemacht zu haben, was nicht erlaubt ist. Wir haben nichts kopiert, sondern ein Auto mit unseren Ideen gebaut. Ich rechne keine Millisekunde damit, von der Formel 1 ausgeschlossen zu werden“, sagte Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug.

Seit aus der Berufungsverhandlung eine neuerliche Anhörung geworden ist, erscheint nichts mehr unmöglich: Mclaren mit Teamchef Ron Dennis an der Spitze hat einen schweren Stand. Neue Beweise sollen aufgetaucht sein, die das Team angeblich schwer belasten. Nach Informationen der Londoner „Times“ sollen die 26 Mitglieder des FIA-Weltrates ein 166 Seiten starkes Dossier erhalten haben. Es soll sowohl den E-Mail-Verkehr zwischen Mclaren-Testpilot Pedro de la Rosa und dem WM-Zweiten Fernando Alonso als auch Telefonate und Handynachrichten zwischen Mclarens suspendiertem Chefdesigner Mike Coughlan und dem früheren Chefmechaniker von Ferrari, Nigel Stepney, dokumentieren.

Zwar sei über die Inhalt der Kontakte nichts bekannt, doch würden die Unterlagen zeitliche Übereinstimmungen zeigen. Das Dossier lege nahe, so die „Times“, dass sich Coughlan immer dann an Stepney wandte, wenn die Mclaren-Fahrer eine Detailfrage gehabt hätten. Das neue Dossier beziehe sich auf Vorgänge im März und datiere damit noch vor der Übergabe der 780 Seiten dicken Blaupause des aktuellen Ferraris von Stepney an Coughlan Ende April.

Ans Licht gekommen war die ominöse Angelegenheit, da der Mitarbeiter eines Kopierladens stutzig wurde, als die Frau von Coughlan die 780 Seiten mit Ferrari-Daten auf CD-ROM kopieren ließ. Der Angestellte hatte daraufhin das italienische Team informiert. Coughlan soll die höchst brisanten geheimen Informationen von Stepney erhalten haben.

In der ersten Anhörung am 26. Juli war Mclaren-Mercedes für nicht schuldig befunden worden. Allerdings war der Freispruch durch den FIA-Weltrat aus Mangel an Beweisen mit einer Warnung verbunden worden. Sollte sich herausstellen, dass sich der Rennstall doch einen Nutzen verschaffen konnte, droht der Ausschluss sowohl aus der laufenden Weltmeisterschaft als auch aus der für das kommende Jahr. Alternativen wären eine hohe Geldstrafe oder die Aberkennung der bislang gewonnenen Punkte in der Konstrukteurswertung. Möglich ist aber auch wieder ein Freispruch.

Der Weltrat, in dem auch ADAC-Motorsportpräsident Hermann Tomczyk sitzt, bekommt viel zu tun. Neben dem Rosenheimer bewerten auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, FIA-Chef Max Mosley oder Ferrari- Generaldirektor Jean Todt die Beweise. Der Franzose wird allerdings nicht mit abstimmen. Dennoch wird sein Rennstall Ferrari alles daran setzen, um den in beiden WM-Wertungen weit enteilten Rivalen abseits der Rennstrecke zu überholen. „Die Weltmeisterschaft am Grünen Tisch zu gewinnen, wäre auf jeden Fall ein verdienter Sieg“, hatte Ferrari- Chef Luca di Montezemolo gesagt.

Vor der Anhörung und vor dem Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps führt Mclaren-Mercedes die Teamwertung mit 166 Punkten vor Ferrari (143) klar an. Bei den Fahrern hat Hamilton (92), der nach Angaben der spanischen Sportzeitung „As“ nicht wie Teamkollege Alonso der FIA über mögliche Vorgänge komplett Bericht erstattet haben soll, noch die Nase vorn. Zweiter mit drei Punkten Rückstand ist der zweimalige Champion aus Spanien. Ferrari- Fahrer Kimi Räikkönen (74 Punkte) hat bereits einen deutlichen Rückstand auf das Mclaren-Duo.

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